Im Land der Zuckerbäcker

Dementsprechend gibt es auch in Oberösterreich eine ganze Reihe von hervorragenden Traditionsbetrieben, wie die weltbekannte Konditorei Zauner in Bad Ischl oder die Konditorei Jindrak in Linz. Aber es gibt hierzulande auch eine neue Generation an Zuckerbäckern – und vor allem Zuckerbäckerinnen –, die mit ihren süßen Kreationen verzaubern.

Sachertorte

Wiener Klassiker.

DER Klassiker unter den Torten ist wahrscheinlich die Sachertorte. Dabei stammt sie nicht, wie man erwarten würde, von einem berühmten Patissier. Nein, es war Franz Sacher, Lehrling im Hause Metternich, der 1832, im zarten Alter von 16 Jahren, diese schlichte, aber köstliche Mehlspeise erfand. Bis heute erfreut sich die Torte aus dunkler Masse, mit Marillenmarmelade versüßt und mit Schokoladenguss überzogen, allergrößter Beliebtheit. Was in Wien die Sachertorte, ist in Ischl der Zaunerstollen und in Linz – na? – die Linzer Torte natürlich.

Fruchtomlette

Linzer Schatz.

Die Linzer Torte hat im Hause Jindrak einen ganz besonderen „Ehrenplatz“. Sie bekommt nämlich alljährlich eine neue Kunstdose, die von einem namhaften Linzer Künstler gestaltet wird. Dieses Jahr wurde die Ehre Lukas Johannes Aigner zuteil. Die „Original Linzer Torte“ wird bei Jindrak seit gut 90 Jahren mit bestem handwerklichem Können hergestellt. Die Linzer Torte ist jedenfalls ein echter kulinarischer Schatz: Das älteste überlieferte Rezept stammt aus dem 17. Jahrhundert und ist damit das älteste bekannte Tortenrezept der Welt. Die Konditorei Jindrak ist auch ein Original: Als echtes Familienunternehmen besteht es seit 1929. Bis heute werden alle Mehlspeisen täglich frisch produziert.

Leo Jindrak IV., Konditormeister und Juniorchef, Konditorei Jindrak:

Innovation durch Digitalisierung ist eine der größten Herausforderungen der nächsten Jahre – diese gilt es, mit dem gelebten Handwerk der Konditorei Jindrak zu verknüpfen. Mein Wunsch sind der Ausbau der Zusammenarbeit mit regionalen Lieferanten und Unternehmen sowie die Region Oberbzw. Österreich noch weiter zu stärken. Dies ist besonders durch die Verwendung von regionalen Rohstoffen in Zukunft von großer Wichtigkeit.

Linzer Torte

Ischler Legende.

Auch der Zaunerstollen hat eine erstaunliche Geschichte: Hier war es ein gewisser Josef Nickerl, der auf die Idee kam, den Oblatenbruch, der bei der Herstellung der Ischler Oblaten entstand, mit einer nougatartigen Haselnuss-Schoko-Masse zu vermischen und eine Art Makrone daraus zu formen. Der sogenannte „Nickerl-Batz“ fand reißenden Absatz. Doch der Herr Chef, Viktor Zauner, war mit der Form noch nicht ganz zufrieden. Nickerl und Zauner begaben sich in Backküchen-Klausur und kreierten den Zaunerstollen, wie wir ihn heute kennen – und lieben! Natürlich gibt es beim Zauner in Bad Ischl nicht nur Zaunerstollen. Tatsächlich verfügt das Café in der Pfarrgasse über das größte Kuchenbuffet Europas mit sage und schreibe 250 verschiedenen Mehlspeisen zur Auswahl!

Konditorei Zauner

Kuchenwunder.

In den vergangenen Jahren hat eine neue Generation von Zuckerbäckern begonnen, die Kunden mit ihren himmlischen Kreationen zu verführen: Da gibt es plötzlich so etwas wie Naked Cakes, Drip Cakes oder Fault Line Cakes. Und an die Stelle einer einzelnen Hochzeitstorte tritt auf einmal ein ganzer „Sweet Table“. Bei diesen „süßen Tischen“ wird meist eine Haupttorte mit kleineren, farblich und stilmäßig abgestimmten Leckereien kombiniert. Die einzigartigen Kreationen sind nicht nur köstlich, sondern auch echte Hingucker und werden deshalb besonders gerne für Hochzeiten und andere größere Feste gebucht. Eine der großen Künstlerinnen ihrer Zunft ist Carmen Schlägel, die seit 2017 in Neumarkt im Mühlkreis die kleine, feine Backstube „Kuchenwunder“ betreibt. Hier stellt sie Hochzeits-, Motiv- und Anlasstorten her, Sweet Tables, Cake Pops, Cupcakes, Macarons, Pralinen und vieles mehr. Für ihre kreativen Kuchenwunder verwendet sie ausschließlich erstklassige und wenn möglich regionale Produkte.

Fault Line Cake

Tortenmehr.

In Linz hat sich Stefanie Feneberger mit ihrer Konditorei Tortenmehr in die Herzen der Menschen gebacken. Die gelernte Köchin und Konditorin wird von ihren beiden Schwestern Isabella und Bernadette, von ihrer Mutter Kornelia, Vater Heinrich und Schwager in spe Hans unterstützt. In ihrem kleinen Betrieb zaubert sie wahre Wunderwerke der Backkunst und zwar nicht von der Stange, sondern für jeden Kunden ganz individuell, in bester Qualität und mit Liebe zum Detail. Im Land der Zuckerbäcker gibt es für jeden Anlass die richtige Torte, von klein bis groß, von cremig bis fruchtig, von klassisch bis exotisch. Bei so viel Abwechslung kann man sich zum Glück nie sattessen!

Autor: Sarah Estermann, 29.04.2021