Gemeinsam ein Zeichen setzen - Brustkrebs

In Österreich feiert die „Pink Ribbon“-Kampagne heuer ihr 20-jähriges Jubiläum. Seit der Einführung konnte die Aktion 90.000 Mal Brustkrebspatienten helfen. Brustkrebs ist leider nach wie vor bei uns die häufigste krebsbedingte Todesursache.
Autor: Laura Hegenberger, 03.10.2022 um 10:27 Uhr

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Oktober als Brustkrebsmonat etabliert, um Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken und Spenden für Forschung und Krebshilfe zu akquirieren. Und das ist gut so! Denn Brustkrebs ist nach wie vor die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Jährlich erkranken in Österreich etwa 5.500 Frauen (und ca. 55 Männer) an Brustkrebs. Das heißt, dass in etwa jede achte Österreicherin im Laufe ihres Lebens mit dieser Diagnose konfrontiert sein wird. Das Risiko steigt ab dem 45. Lebensjahr deutlich an und erreicht zwischen dem 55. und 65. Lebensjahr ein Maximum. Früh erkannt ist Brustkrebs allerdings sehr gut therapierbar und die Heilungschancen sind vielversprechend. Umso wichtiger also, sich schon im Vorfeld damit zu beschäftigen und präventive Maßnahmen zu setzen. 

Solidarität (er)leben. Mit der „Pink Ribbon“-Kampagne versucht die Krebs­hilfe, jährlich Aufmerksamkeit auf das ­Thema „Brustkrebs“ zu lenken. Die pinke Schleife hat sich mittlerweile als DAS Markenzeichen für Vorsorge und Hilfe etabliert. Sie soll an die Wichtigkeit der Brustkrebs-Früherkennung erinnern und gleichzeitig zu Solidarität mit den Betroffenen aufrufen. Gemeinsam ein Zeichen setzen und Frauen zur Vorsorge animieren, genau das steht im Vordergrund. Und es scheint auch zu funktionieren! Denn seit der Einführung des Bewusstseinsmonats im Jahr 1985 (2002 in Österreich) ist die Sterblichkeit bei Brustkrebs in den ver­gangenen 30 Jahren weltweit ungefähr ein Drittel zurückgegangen. Bereits ein großer Schritt in die richtige Richtung. Und diesen Erfolg haben sich die Frauen großteils selbst zuzuschreiben. Denn das eigene Abtasten der Brust und die Inanspruch­nahme der regelmäßigen Früherkennungs­untersuchung „Mammografie“ sind für die sinkende Sterberate hauptverantwortlich.

Selbst ist die Frau. Brustkrebs gilt als heilbar, vorausgesetzt, man erkennt ihn früh genug. Ärzte raten ab dem 40. Lebensjahr zum Mammografie-Screening in zweijährigen Abständen. Das eigene Abtasten der Brust ist jedoch auch ausschlaggebend für die  Früherkennung. Aber wie geht das überhaupt? Erst einmal sollte man vor dem Spiegel besonders auf äußere Veränderungen im Gewebe, im Aussehen oder bei der Größe der Brust achten. Danach tastet man im Stehen und/oder Liegen mit der flachen Hand systematisch die Brust ab, so als würde man auf der eigenen Haut Klavier spielen. Auch Schlüsselbein und Achselhöhle dürfen nicht vergessen werden! Kleine Knoten und Verhärtungen sind Anzeichen, dass eventuell etwas nicht in Ordnung ist. In diesem Fall sollte man das unbedingt ärztlich abklären lassen. Tatsächlich ent­decken viele Brustkrebs-Patientinnen den bösartigen Tumor auf diese Weise selbst – zum Glück, denn wie schon gesagt: Je ­früher Brustkrebs erkannt wird, desto ­besser sind die Heilungschancen!

Diagnose Brustkrebs – was nun? Natürlich ist man bei so einer Nachricht zunächst geschockt. Warum ich? Wie geht es weiter? Was soll ich tun? Glücklicherweise ist diese Diagnose heutzutage kein Todesurteil mehr. Mit operativen Eingriffen und/oder Chemotherapie sagen Ärzte dem Tumor den Kampf an. Die anschließende Rehabilitation hilft den Betroffenen danach auf mehreren Ebenen. Einerseits ist man gefordert, körperlich wieder fit zu werden. Und andererseits ist der gegen­seitige Austausch mit Gleichgesinnten unglaublich wichtig für die psychische Verarbeitung so eines einschneidenden Ereignisses. Hier können Betroffene, die das Gleiche erlebt haben, sich einander anvertrauen und gegenseitig unterstützen. Gemeinsam durch diese fordernde Zeit, das ist die Devise.

Mammographie

Füreinander da sein. Auch für Ange­hörige bedeutet die Diagnose eine große Umstellung. Oft ist man sich unsicher, wie man mit den Betroffenen umgehen soll. Wie verhält man sich auch in so einer Situation? So tun, als wäre alles beim Alten? Die Antwort ist eigentlich ganz simpel: Am ­besten ist es, die Betroffenen einfach zu fragen, was sie brauchen. Wenn Redebedarf besteht, sich Zeit für sie nehmen und zuhören. Wenn wichtige Termine anstehen, anbieten sie zu begleiten. Am wichtigsten ist es aber, einfach da zu sein und auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Jeden Augenblick zu genießen und der Krankheit nicht erlauben, jeden Bereich des Lebens einzunehmen. Die Frau ist zwar Krebspatientin, aber trotzdem immer auch noch Frau. Und Krebs ist eine Krankheit, keine Identität.

Gemeinsam stark. (Brust-)Krebs bringt auch körperliche Veränderungen mit sich, die den Betroffenen oft zu schaffen machen – Haarverlust durch Chemotherapie oder die operative Entfernung von Teilen oder der ganzen Brust (Mastektomie). Viele Frauen verspüren Trauer wegen des bevorstehenden oder bereits erfahrenen subjektiv empfundenen Verlustes der Weiblichkeit und sexuellen Attraktivität. Oft geht das auch mit einem geminderten sexuellen Verlangen einher. Zentral ist hier, sich Zeit zu nehmen, um das veränderte Körperbild zu akzeptieren und den Selbstwert neu einzuordnen. Speziell den Partner miteinzubinden, über Ängste und Sorgen zu reden und sich über Wünsche und Bedürfnisse auszutauschen, hilft Betroffenen, mit den körperlichen Veränderungen besser umzugehen. Eines ist jedenfalls klar: Jeder Mensch ist schön, so wie er ist. Und der Wert einer Frau wird keinesfalls nur durch ihr Äußeres bestimmt.

Aus Liebe zum Leben. Neben dem familiären und sozialen Umfeld stellt die Psychoonkologie eine weitere große Stütze für Betroffene dar. An der Schnittstelle von Psychologie und Onkologie befasst sich diese Disziplin mit den psychischen und sozialen Bedürfnissen und Belangen von Krebspatienten und ihren Angehörigen. Die Diagnose trifft Betroffene und Angehörige meist unvorbereitet, löst Angst aus und kann in manchen Fällen (ca. 15 bis 35 %) ein Trauma verursachen. Deshalb ist es ratsam, während des gesamten Prozesses professionellen Beistand und Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Hier können die Patienten die mit der Krankheit verbundenen psychischen Belastungen verarbeiten, entlastende Gespräche führen und sich weiteres Wissen über die Krankheit aneignen. Damit bekommen sie ein Gefühl von mehr Kontrolle, was Angst und Verzweiflung abbaut und insgesamt zu mehr Lebensqualität verhilft. Generell kann man sagen, dass ein aktives Bewältigungsverhalten (kämpferische Einstellung, Lebenswille, aktive Mitarbeit an erforderlichen Therapiemaßnahmen, gesünderes Leben usw.) mit besseren ­Heilungs- und Überlebenschancen in Verbindung steht. Die Empfehlung von Psycho­onkologen lautet daher: Auf einen gesunden Lebensstil achten, Stress reduzieren und vor allem bewusster im Hier und Jetzt leben, anstatt sich ständig nur im Hamsterrad zu drehen.

T(h)umorvoll. Tumor mit Humor nehmen? Das kann nur ein Oxymoron sein. Nein, ganz im Gegenteil! Die T(h)umorvollen (www.die-thumorvollen.at) sind eine bunt gemischte Gruppe an Frauen, die alle das Gleiche durchleben: (Brust-)Krebs. Doch mit ihrer positiven Art wollen sie offen und schamlos über das Thema sprechen und auf diese Weise Betroffenen und Angehörigen Mut machen. Hier kann man sich im Forum austauschen und gemeinsam einen Weg finden, mit der schwierigen Lebenssituation umzugehen. Ganz im Sinne der Positivität und Enttabuisierung steht auch das empfehlenswerte Buch „Mutmacherinnen. Dem Krebs ein Lächeln entgegenhalten“, geschrieben von der Schriftstellerin Julya Rabinowich in Zusammenarbeit mit der Starfotografin Sabine Hauswirth. Im Mittelpunkt stehen zwölf Frauen, die ihre Geschichte und Erfahrung mit Brustkrebs teilen. Der Reinerlös geht an die Österreichische Krebshilfe zur ­direkten Hilfe und Unterstützung von Brustkrebspatientinnen. Mit dem Kauf tun Sie also nicht nur sich selbst etwas Gutes, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen Brustkrebs. v

 

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