Der achtsame Jäger

Die Jagd ist ein verantwortungsvolles und umfangreiches Handwerk. Herbert Sieghartsleitner sorgt als Landesjägermeister für die Umsetzung der besonderen Aufgaben der Jägerschaft im Naturraum.
Autor: Friederike Ploechl, 03.10.2022 um 11:13 Uhr

Wodurch ist Ihre Leidenschaft zum Weidwerk gelegt worden und konnten Sie in Ihrer eigenen Familie diese Begeisterung weitervererben?

Ich bin in einer Bergbauernfamilie aufgewachsen, wo die Jagd zu unserer Lebensweise dazugehört hat. Es war eine logische Einheit einer gesamtheitlichen Naturnutzung mit gegenseitiger Berücksichtigung und Rücksichtnahme. Jagd spielt in meiner Familie bis heute eine große Rolle. Mein Enkel Samuel mit 7 ½ Jahren begleitet mich mit großer Freude bei der Jagd. Mir ist es wichtig, ein umfassendes Bild der Natur mit allen Facetten zu vermitteln und jeden Pirschgang mit ihm dafür zu nutzen.

Die Jagd leistet einen wichtigen Beitrag, um den Wald als „Klimaretter“ zu erhalten. Welche Empfehlungen geben Sie als Landesjägermeister?

Der Klimawandel und der damit verbundene Waldumbau betreffen die Jagd besonders. Eine Herausforderung dieser Dimension haben wir in der Vergangenheit kaum erlebt. Eine Kernaufgabe der Jagd ist es, die Grundeigentümer und damit die Ansprüche der Gesellschaft bestmöglich zu unterstützen. Hinweisen möchte ich, dass jagdliche Maßnahmen allein unsere Wälder nicht retten werden. Das ist eine Herausforderung für die gesamte Gesellschaft.

 

Steckbrief

Welchen Beitrag zur „Klimarettung“ kann der normale Waldnutzer leisten bzw. worauf muss er achten?

Jeder, der unsere Natur genießt und nutzt, sollte sich seiner Verantwortung bewusst sein. Die Naturnutzung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten vervielfacht, die Natur ist allerdings nicht mehr geworden! Daher braucht es aus meiner Sicht eine Harmonisierung der vielen, durchaus berechtigten Ansprüche, wenn wir in ­Zukunft gut neben- und miteinander auskommen und die Natur nicht zu Tode nutzen wollen. Ein achtsamer, respektvoller Umgang mit der Natur generell und mit den Wildtieren im Besonderen liegt mir sehr am Herzen. Uns allen sollte bewusst sein, dass die Natur unser kostbarstes Gut ist, das wir nicht vermehren können und jeder kann mit einem pfleglichen Umgang persönlich einen wesentlichen Beitrag leisten. Das betrifft selbstverständlich uns Jäger auch. Die rote Linie ist für mich dann überschritten, wenn einseitige Interessen rücksichtslos gelebt oder Lebensräume zu sehr gestört oder sogar zerstört werden. Es ist unvertretbar, wenn die bescheidenen Ansprüche der Wildtiere nicht berücksichtigt und respektiert werden.


Wie definieren Sie die faire Jagd?

 Aus meiner Sicht sollte Jagd in vielerlei Hinsicht eine Ebenbürtigkeit im Sinne von Fairness zwischen Jäger und Beute berücksichtigen. Es geht heute nicht nur darum, möglichst einfach und rasch Beute zu machen, sondern unsere jagdlichen Aktivitäten müssen immer auf jagdethische, moralische und respektvolle Weise passieren. Technik kann Segen und Fluch für Jäger und Wild in gleicher Weise sein. Daher gilt es, mit Augenmaß und hohem Verantwortungsbewusstsein damit umzugehen.