Preis fürs Sanieren: Das sind die Sieger

Ausgezeichnet: Ethouse Awards für energieeffizientes Umbauen.
Autor: Rudolf Grüner, 10.03.2022 um 09:31 Uhr

Das heiße Eisen Klimaschutz, brandaktuelle Energiefragen – speziell vor dem Hintergrund der ganz augenscheinlichen Anhängigkeit vom russischen Öl und Gas – sowie eine zukunftsfite und menschenfreundliche Architektur: Die Gala zum Ethouse Award zeigte, dass innovatives und energieeffizientes Sanieren ein Gebot der Stunde ist. Im Rahmen der elften Ethouse Awards wurden gestern, 9. März, Best-Practice-Beispiele aus insgesamt drei Kategorien ausgezeichnet – und über die aktuelle Lage in Wirtschaft, Bau und Politik debattiert.

„Mit Preisen überschüttet“, wie die Juryvorsitzende, Architektin Renate Hammer, meinte, wurden schließlich drei Projekte.

Mehr als nur Sparpotenzial

Vorab hatten es fünf sehr unterschiedliche Sanierungs-Schmuckstücke in die engere Auswahl des von der ARGE Qualitätsgruppe Wärmedämmsysteme ausgelobten Awards geschafft. Wir zeigen die Sieger – und die, die es knapp nicht aufs Siegertreppchen geschafft haben. Sie alle zeigen: Gebäudesanierungen können massive Energieeinsparungen schaffen – und gleichzeitig die Baukultur aufwerten.

Preisträger: Volksschule Brixlegg

Mustersanierung eines öffentlichen Gebäudes
Architektur:  ARGE Architekturhalle Arch. R. Wulz  
Energiekennzahl:  30,3 kWh/m2a (169,9 kWh/m2a vor Sanierung)
Verbesserung in Prozent:  82,17

Blick auf sanierte Volksschule und Parkplatz | Credit: Angelo Kaunat

Brixlegg ist eine mit 3 „e“ ausgezeichnete e5-Gemeinde und Teil der Klima- und Energiemodellregion Alpbachtal. Für die Sanierung der Volksschule (Baujahr 1966)  wurde eine sehr hohe energetische und ökologische Qualität angestrebt. Um diese  Sanierungsqualität zu gewährleisten, wurde das Projekt zur „Mustersanierung“  eingereicht. Realisiert wurde ein energie- und klimatechnisches State-of-the-Art ProjektDie Schüler und Lehrer haben nun eine optimale Lern- und  Arbeitsatmosphäre nach modernsten Kriterien.

Volksschule in Brixlegg im Sonnenschein | Credit: Architekturhalle

Preisträger: Wohnhausanlage in Wien-Simmering

Wohnhausanlage fit für die Zukunft
Bauträger:  GSD Gesellschaft für Stadt- und Dorferneuerung Ges.m.b.H.
Architektur: Arch. Werner Rebernig (GSD),
Energiekennzahl: 23 kWh/m2a (119 kWh/m2a vor Sanierung)
Verbesserung in Prozent: 80,67

Blick auf einen Wohnblock | Credit: GSD GesmbH

Eine in die Jahre gekommene Wohnhausanlage erhielt ein zeitgemäßes neues  Erscheinungsbild. Im Rahmen der Fördermittel durch den Wohnfonds Wien wurden  zahlreiche Maßnahmen umgesetzt. Unter anderem wurde die Energiekennzahl reduziert,  Wohnungsfreiflächen in der Form von Loggien vergrößert, Barrierefreiheit und Sicherheitstechnik  optimiert, die Außenanlagen und die Gemeinschaftseinrichtungen revitalisiert sowie 79  neue Dachgeschosswohnungen geschaffen.

Wiener Wohnhausanlage vor der Sanierung | Architektur: GSD GesmbH

Preisträger: Stadthaus in Linz

Geschichte mit Zukunft
Architektur: mia2 Architektur ZT GmbH  
Energiekennzahl: 28,5 kWh/m2a (129,20 kWh/m2a vor Sanierung)
Verbesserung in Prozent: 77,94

Neue Fassade des Stadthaus Linz | Credit: Kurt Hörbst

Das Stadthaus liegt zentral zwischen dem Linzer Hauptplatz und dem Hafen. Der Bestand, basierend auf einer Grundsubstanz aus dem 16. Jahrhundert, wurde zu  gewerblich genutzten Räumen sowie neuem Wohnraum saniert und erweitert. Die  Charakteristik der historischen Substanz sollte bestmöglich erhalten bleiben: Eine Bebauungsplanänderung definierte die Geschoßigkeit wie die Position einer neuen  Erschließung, Treppe und eines Lifts. Die Aufstockung erfolgte nach ökologischen, ökonomischen und bautechnischen Anforderungen in Mischbauweise.

Vorderansicht des Stadthaus Linz | Credit: mia2 Architektur ZT GmbH

Nominiert: Gemeindebau in Wien-Penzing

Architektur: Treberspurg & Partner Architekten ZT Gmbn 
Energiekennzahl: 8,71 kWh/m2a (93,58 kWh/m2a vor Sanierung) bzw. 9,62 kWh/m2a (108,52 kWh/m2a vor Sanierung)
Verbesserung in Prozent: 90,69 bzw. 91,14

sanierter Gemeindebau mit intelligenter Fassade | Credit: Treberspurg & Partner Architekten

Im Rahmen der europaweiten Forschungsinitiative EU GUGLE wurde erstmals ein Gemeindebau der Stadt Wien aus dem Jahr 1969 auf Passivhausstandard thermisch  saniert. Entwickelt wurde eine innovative Multi-Aktiv-Fassade.  Zusammengearbeitet haben dafür die Universität für Bodenkultur (BOKU), Bauherr,  Architekten, PV-Experten und ausführende Firmen. Die Solarfassade besteht aus  einer vorgefertigten, hinterlüfteten Glasfront mit Kartonwabe, die Wärmedämmung auf  der Rückseite wird von einer Holzkonstruktion getragen. Direkt in die Konstruktion  integriert ist die Photovoltaik- (PV) und eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung.  Das Sanierungsprojekt der Stadt Wien kommt den Bewohnern, dem Klimaschutz  sowie der Erforschung zentraler Zukunftsfragen zugute.

grauer Gemeindebau in Wien | Credit: Treberspurg & Partner Architekten

Nominiert: Franzosen Häuser Innsbruck

Bauträger: Neue Heimat Tirol Gemeinnützige WohnungsGmbH
Energiekennzahl: 35,07 kWh/m2a (161,6 kWh/m2a vor Sanierung)
Verbesserung in Prozent:  78,3

Blik auf ein saniertes Wohnhaus | Credit: Martin Vandory

Die „Franzosenhäuser“ bestehen aus sechs Einzelgebäuden mit zwölf Treppenhäusern  und 84 Wohnungen. Circa 2,3 km von der Innsbrucker Altstadt entfernt bietet die ruhige,  grüne und dennoch zentrale Lage hohe Lebens- und Wohnqualität.
Ziel der energetischen Sanierung war der EnerPHit Sanierungs-Standard des Passivhaus Institut in Darmstadt, inklusive der Integration einer hochwertigen  Komfortlüftungsanlage. Das Projektteam hat das historische Gesamtbild der  „Franzosenhäuser“ erhalten, neue architektonische Akzente entsprechen modernen Häusern.

Wohnhaus in verschneiter Stadt | Credit: NEUE HEIMAT TIROL