Fertighaus-Talk: „Bloß keine Preis-Panik“

Experte: Das sollten Sie 2022 bei dem Fertighaus-Kauf beachten.
Autor: Rudolf Grüner, 22.02.2022 um 08:28 Uhr

Alle unter nur einem Dach – und das möglichst auf eigenem Grund und Boden: Das Haus im Grünen ist aktueller denn je. Vom Bau-Boom, der in der Pandemie noch einmal so richtig angeheizt wurde, profitiert auch der Fertighausmarkt. Womit Neo-Eigentümer zu rechnen haben und Hersteller mitunter kämpfen?  Wir haben bei Christian Murhammer, Geschäftsführer beim Österreichischen Fertighausverband,  nachgefragt. Soviel vorweg: Wer sein „Biedermeier-Feeling“ im neuen Heim ausleben will, muss sich aufgrund voller Auftragsbücher etwas in Geduld üben.

Corona hat die Nachfrage nach dem fertigen Haus ansteigen lassen: Eine Beobachtung, die sich so verallgemeinern lässt?

Murhammer: Das Fertighaus hat auch vor Corona schon laufend an Beliebtheit gewonnen. Die Pandemie und die damit verbundenen Lockdowns samt Homeoffice und Homeschooling haben aber offenbar bei vielen Menschen den Wunsch nach einem Zuhause im Grünen, mit ausreichend Platz und guten Raumaufteilungen, noch intensiver werden lassen. Das wird durch die übervollen Auftragsbücher unserer Mitglieder bestätigt.

Gibt es weitere Beschleuniger? Was hören Sie noch von Bauherrenseite?

Murhammer: Krisen, wie die Pandemie, schaffen so etwas wie ein „neues Biedermeier“. Wenn sich das Leben auf lange Dauer zu Hause abspielen muss, braucht es weit mehr als eine „Übernachtungsstation“. Vielen wurden erst in den Lockdowns die eigenen Bedürfnisse und Ansprüche ans „Wohnen“ bewusst. In einem Fertighaus lassen sich diese individuellen Wünsche weit besser realisieren als in vorgegebenen Wohnungen.

Herausfordernd für alle Beteiligten sind die teuren Baustoffe: Ist ein Ende des Preisturbos in Sicht?

Murhammer: Der Markt wird durch Angebot und Nachfrage die Preisentwicklung wieder stabilisieren. Teilweise pendeln sich die Kosten für Baumaterialien bereits wieder auf ein halbwegs vernünftiges Niveau ein. Ob es im Laufe des Jahres zu einer weiteren Entspannung kommt, bleibt abzuwarten. Anzunehmen ist allerdings, dass die Preise – wenn überhaupt – nicht so schnell wieder auf das Niveau von 2020 zurückkehren werden.

Christian Murhammer, Geschäftsführer beim Österreichischen Fertighausverband | Credit: Gerhard Deutsch

Teilweise pendeln sich die Kosten für Baumaterialien bereits wieder auf ein halbwegs vernünftiges Niveau ein. Ob es im Laufe des Jahres zu einer weiteren Entspannung kommt, bleibt abzuwarten.

Wo wird der Schuh wohl noch über die kommenden Monate hinaus drücken?

Murhammer: Die sehr gute Auftragslage ist zwar erfreulich, verstärkt aber gleichzeitig eine der größten Herausforderungen der Branche: den Facharbeitermangel. Gut ausgebildete Fachkräfte für die Fertighauswerke, speziell aber für die Hausmontage sind wirklich nur sehr schwer zu bekommen.

Betrifft das auch den Materialbereich?

Murhammer: Weniger. Grundsätzlich ist jedes Material lieferbar. Es könnte in speziell Fällen nur etwas länger dauern. Kunden von Fertighausfirmen müssen also unter Umständen etwas Geduld zeigen. Je nach Fertighausanbieter könnte es auch wegen der übervollen Auftragsbücher zu Wartezeiten kommen.

Kunden von Fertighausfirmen müssen also unter Umständen etwas Geduld zeigen.

Wie steht's aktuell um die Materialbeschaffung bei den Herstellern?

Murhammer: Die Mitglieder des Fertighausverbandes gehen ja für das Material nicht zum Baumarkt um die Ecke, wenn ein Auftrag einlangt. Sie verfügen über ausreichende Materiallager, betreiben eine professionelle und vorausplanende Einkaufspolitik, haben langfristige Verträge mit ihren Lieferanten und kennen die unterschiedlichen Anbieter sehr gut. So ist sichergestellt, dass immer ausrechend Material zur Verfügung ist und längere Lieferzeiten kaum Auswirkungen haben.

Was raten Sie potenziellen Käufern, die schon einen Haus-Favoriten haben: schnell unterschreiben – oder abwarten?

Murhammer: Bloß keine Panik. Es wird auch in Zukunft leistbare Fertighäuser mit Fixpreisgarantie geben. Selbst wenn ein Material um hundert Prozent teurer wird, heißt das doch nicht, dass das ganze Haus gleich doppelt so viel kostet. Über alle Gewerke betrachtet, entsprechen die Preisanpassungen für das Fertighaus nicht den Preissteigerungen einzelner Materialien.

ein Fertighaubungalow | Credit: Hartl Haus

Bereits vereinbarte Preise halten?

Murhammer: Natürlich! Nach wie vor gilt die Fixpreisgarantie bei allen Mitgliedern des Fertighausverbandes. Wer sich also heute das Fertighaus leisten kann und den Vertrag unterschreibt, zahlt am Ende den vereinbarten Preis und keinen Cent mehr. Eventuell steigende Materialkosten treffen die Auftraggeber definitiv nicht.

Wer sich also heute das Fertighaus leisten kann und den Vertrag unterschreibt, zahlt am Ende den vereinbarten Preis und keinen Cent mehr.

Hat sich die Wohn-Wunschliste in letzter Zeit maßgeblich geändert?

Murhammer: Nicht wesentlich. Stärker betont werden lediglich gut geplante Homeofficebereiche, und es wird mehr Wert auf Rückzugsorte für die einzelnen Familienmitglieder gelegt.

Welcher Trend wird 2022 vielleicht ins Fertighaus einziehen?

Murhammer: Das Bewusstsein für Klima- und Umweltschutz wird noch stärker in den Fokus der Bauinteressierten treten. So könnte etwa damit zu rechnen sein, dass Fertighaus und E-Mobilität schon sehr bald in Kombination zu haben sein wird.