Tech-Blog: Redmi Note 10 Pro im Test - starke Mittelklasse!

Xiaomi fährt seit einiger Zeit eine Zwei-Marken-Strategie. Die Redmi-Reihe steht für günstige Einsteigergeräte und Budget-Mittelklasse. Die Mi-Reihe für gehobenere Mittelklasse und Top-Geräte. Heuer hat Redmi jedoch alle überrascht und mit dem Note 10 Pro ein Gerät präsentiert, das am Papier auch ein Flaggschiff sein könnte. 120 Hz AMOLED-Display, 108-Megapixel Kamera und ein Akku mit über 5.000 mAh. Das ist eigentlich Geräten vorbehalten, die zwischen 600 und 1.000+ Euro kosten. Das Note 10 Pro bekommt man aber um unter 300 Euro! Wie macht das Redmi? Die Antwort gibt es in meiner Review.

 

Technik und Design - gute Technik, schön verpackt

Das Gerät selbst ist ein Hingucker. Wer bei Preisen unter 300 Euro Plastik erwartet, wird enttäuscht! Okay, der Rahmen ist aus Plastik, aber die Rückseite wird ebenso von Gorilla Glas 5 geschützt wie das Display. Durch die abgerundeten Seiten hinten liegt das Gerät sehr gut in der Hand, das Display vorne ist plan, also gerade. Fans kleiner Geräte werden mit dem Redmi Note 10 Pro allerdings nicht glücklich. Es ist doch ein ordentliches Gerät und mit 16cm Länge hat man schon was in der Hand. Das knapp 6,7-Zoll große Display braucht eben Platz. Die Dicke geht mit 8,1 mm total in Ordnung, vor allem weil unter der Haube ein Akku mit 5.020 mAh haust. Auch das Gewicht ist mit 193g (ohne Case) für so ein Gerät total in Ordnung. Mit dem beigelegten Case steigt das Gewicht auf rund 220 Gramm. Der Kamerahügel steht zwar aus dem Gehäuse, ist aber weniger störend als bei manch anderen Geräten. Wenn das Gerät allerdings ohne Case auf dem Rücken liegt ist es ein "Wackelkandidat". Der Fingerabdrucksensor sitzt seitlich in der Power-Taste und ist sehr flott und zuverlässig.

Die technischen Daten begeistern auf den ersten Blick absolut. Ein 120 Hz-AMOLED-Display mit 2400 x 1080 Pixel Auflösung (395 ppi), 6GB RAM, 128 GB UFS 2.2 Speicher (per microSD erweiterbar). 5.020 mAh Akku, 108-Megapixel Hauptkamera, 16-Megapixel Selfie-Kamera als Punchhole, Stereo-Lautsprecher, 3,5-mm-Kopfhöreranschluss und IP53-Spritzwasserschutz. Beim Prozessor sieht man allerdings erste Sparmaßnahmen. Der Snapdragon 732G ist ein guter Mittelklasseprozessor, bietet aber kein 5G. Bluetooth, WiFi und und und sind natürlich mit dabei. Der Akku wird mit bis zu 33 Watt geladen, eine volle Ladung dauert in etwa eine Stunde. Die Akkulaufzeit hat mich für einen derart großen Akku zwar nicht begeistert, aber einen Tag bin ich als Heavy-User mit dem Gerät locker ausgekommen.

Das Kamerasetup hat einen großen Star: Die 108-Megapixel Hauptkamera (f/1.9, 26mm, 1/1.52", 0.7µm). Der Samsung Sensor bietet eine hervorragende Qualität und kann überzeugen. Das 8-Megapixel-Ultraweitwinkelobjektiv bietet eine recht ordentliche Leistung und auch das 5-Megapixel-Makroobjektiv ist in Ordnung. Der 2-Megapixel-Tiefensensor leistet bei Portraits gute Dienste. Optischen Zoom und mechanische Bildstabilisierung bietet das Setup nicht. Videos sind mit maximal 4K/30 fps aufgelöst.

Bedienung und Software - flott mit kleinen Nachdenkpausen

Die verbaute Hardware sorgt für ein gutes Arbeitstempo, manchmal merkt man allerdings schon, dass der oben erwähnte Snapdragon 732G mit den ständig aktivierten 120 Hz nicht immer perfekt zurecht kommt. So kommt es manchmal zu kleinen Rucklern oder Nachdenkpausen und auch Apps öffnen nicht so schnell wie bei Geräten mit höherwertigen Prozessoren. Das Display lässt sich natürlich auch mit 60 Hz betreiben, allerdings verliert man dann die butterweichen Animationen und das flüssige Scrollen, welches in weiten Teilen doch sehr gut funktioniert.

Die Software läuft auf Basis von Android 11, mit der von Xiaomi bekannten MIUI-Oberfläche in der Version 12. MIUI spaltet die Android-Gemeinde. Einige sehen es als beste Individualisierung von Android, andere als schlechteste. Das ist ein Glaubenskrieg wie bei so vielem. Ich persönlich finde MIUI nicht schlecht, es bietet viele Anpassungsmöglichkeiten und Funktionen, aber es läuft meiner Meinung nach weniger flüssig als pures Android oder Anpassungen anderer Hersteller. Noch dazu bietet es ein rigoroses Stromsparprogramm, welches Apps manchmal sehr aggressiv beendet. Wichtige und oft genutzte Apps (z.B. jene der Smartwatch), sollte man von diesen Maßnahmen ausnehmen, da man sonst Benachrichtigungen nicht bekommen könnte. Etwas Kritik muss ich auch am Always-On-Display äußern. Solche Displays sind bei AMOLED-Panels eigentlich Standard, Redmi beschränkt es jedoch auf maximal 10 Sekunden. 

Fazit - zu diesem Preis fast unschlagbar!

Was Redmi hier um unter 300 Euro Einstiegspreis (6GB RAM/64GB Speicher) bietet, sucht derzeit seinesgleichen. Kein anderes Gerät in dieser Preisklasse bietet ein AMOLED-Display mit 120 Hz, eine 108-Megapixel Kamera und derart viel Akkukapazität. Die kleineren Abstriche sind da mehr als verzeihbar. Das Redmi Note 10 Pro ist eine absolute Empfehlung für jene die kein 5G brauchen, aber trotzdem modernste Technik bei Display und Kamera, sowie eine starke Akkulaufzeit, wollen.

Konkurrenzgeräte gibt es eigentlich nur im Hause Xiaomi selbst. Das Mi 11 Lite 4G ist ähnlich ausgestattet, bietet aber weniger Akku und eine etwas schwächere Kamera. Das Poco X3 Pro (Poco gehört zu Xiaomi) bietet zwar einen stärkeren Prozessor (Snapdragon 860), aber kein AMOLED-Display und ein viel schwächeres Kamerasetup. Andere Hersteller können um diesen Preis derzeit nichts Vergleichbares anbieten. Redmi ist ein absoluter Mittelklassestar gelungen. Das Redmi Note 10 Pro bekommt von mir 8 von 10 Bewertungspunkten, auch weil es einen hervorragenden Lieferumfang bietet. Sowohl Schnellladegerät (33W) inkl. Kabel als auch eine Hülle sind in der Box enthalten und das bei einem Gerät mit Einstiegspreisen unter 300 Euro (hust Apple, hust Samsung). Eine Displayschutzfolie ist außerdem ab Werk vorinstalliert. Zu haben ist es in drei Farben (Schwarz, Blau, Bronze).

Hinweis: Das Testgerät wurde mir von Xiaomi für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung gestellt. Der Testbericht entsteht unabhängig und wird vor Veröffentlichung nicht an Xiaomi zur Freigabe gesendet.

Weekend-Redakteur Lukas Steinberger-Weiß ist ein Technik-Freak sondergleichen. Wobei ihn die Bezeichnung „Nerd“ nicht beleidigt, sondern ehrt. Er saugt alle Neuheiten in sich auf und ist immer am neuesten Stand, liebt Computerspiele, beschäftigt sich ausführlich mit den neuesten Smartphones und den dazugehörigen Gadgets und ist ein Experte für Unterhaltungselektronik. In seinem Blog testet er Spiele, Konsolen, Smartphones, Gadgets und vieles mehr und lässt die Leser an seiner Faszination für die spannende Technik-Welt teilhaben.

Autor: Lukas Steinberger-Weiß, 19.04.2021