Tech-Blog: ZTE Axon 30 Ultra im Test - Würdiges Flaggschiff?

Bevor ich mich dem Gerät widme, ein kurzer Exkurs zum Thema Namensgebung. ZTE hat sein letztes Flaggschiff Axon 10 Pro genannt, darauf folgten Axon 11 und Axon 20, beide Geräte waren in der Mittelklasse angesiedelt. Und heuer kommt das Axon 30 Ultra. Schwer durchzublicken? Ja ist es, besonders wenn man sich nicht ständig mit der Materie beschäftigt. Vor allem: Warum ist ein Axon-Gerät, welches eigentlich für Flaggschiff und State-of-the-Art-Hardware steht, auf einmal nur mehr Mittelklasse? ZTE ist hier nicht alleine, auch andere Hersteller machen sich in letzter Zeit nicht unbedingt Freunde mit ihren Bezeichnungen, vor allem die Chinesischen Firmen. Es wirkt, als würde eine Namenslotterie abgehalten. Aber nur soviel dazu - jetzt zum Axon 30 Ultra. ZTE verspricht diesmal volles Flaggschiff-Erlebnis, dieses Versprechen wird jedoch nur teilweise erfüllt. Im Großen und Ganzen ist das Axon 30 Ultra ein beeindruckendes Smartphone, leider fehlt hier und da der letzte Feinschliff.

Design und Hardware - Top mit kleinen Abstrichen!

Das Design des Axon 30 Ultra ist sehr gelungen. Gorilla Glas 5 schützt die Rückseite und die Front, dazwischen ist Aluminium. Also an der Stabilität ist nichts auszusetzen. Hier aber bereits der erste Hinweis. Mittlerweile gibt es Gorilla Glas Victus (Generation 7). Also in die vollen geht ZTE beim Glas nicht. Das Display ist leicht abgerundet, aber bei weitem nicht mehr so stark wie in vorherigen Generationen. Das sieht edel aus, ohne den Betrieb zu behindern. Die graue, matte Rückseite wirkt sehr edel. Das Hauptkamermodul steht zwar etwas aus dem Gehäuse und wirkt wuchtig, macht aber vor allem im Case keine Probleme. Das Gerät wirkt wie aus einem Guss und ist auf Top-Niveau.

Angetrieben wird es vom "Problemprozessor" Snapdragon 888. Diese Meinung vertrete ich, seit den ersten Modellen die mit diesem Prozessor erschienen sind. Er läuft einfach zu oft heiß und verliert seine zugegebenermaßen vorhandene Top-Leistung. Einige Geräte mit diesem Prozessor ließen sich nach einer Stunde spielen kaum mehr angreifen. Die Sensoren zeigten mir rund 55 Grad an. Das ist nicht gut, weder für die Hardware, noch für den Akkuverbauch. Und jetzt kommt die positive Nachricht: Im Axon 30 Ultra ist die Situation erträglich. Es wird auch relativ warm, aber nie unhaltbar heiß. Leider drosselt es jedoch die Leistung merkbar. Vor allem bei Benchmarks kommt es zu Abbrüchen. Im Normalbetrieb funktioniert das System aber sehr gut und bis auf ein wenig Wärme ist mir nichts Negatives aufgefallen.

Die restliche Hardware ist stark. 12GB RAM, 256 GB Speicher (nicht erweiterbar!), 4.600 mAh Akku, 6,67-Zoll AMOLED-Display mit einer Billion Farben und satten 144 Hz-Bildwiederholrate, Stereo Lautsprecher, In-Display Fingerabdrucksensor, Bluetooth 5.2, USB-C 3.1 und und und. Alles da, was ein Flaggschiff primär braucht. Leider fehlt eine IP-Zertifizierung (Wasserdichtigkeit) und drahtloses Laden. Zwei Dinge die ein Gerät mit diesem Anspruch und in der Preisklasse um 900 Euro eigentlich haben muss. Positiv: Geladen wird der Akku mit bis zu 65-Watt, das Ladegerät liegt bei.

Das System läuft butterweich, zu Verzögerungen kommt es nicht. Durch die 144-Hz-Bildwiederholrate ist Scrollen eine Freude. Die Bildwiederholrate kann fix auf 144-Hz, 60 Hz oder Adaptiv eingestellt werden. Während meines Tests hat sich die adaptive Einstellung als goldener Standard herausgestellt. Postiv erwähnt sei auch die Akkulaufzeit. Ich kam mit dem Axon 30 Ultra problemlos durch den Tag und hatte abends noch Reserven. Ein Faktum, das bei anderen Geräten mit Snapdragon 888 nicht immer so war. Die Empfangsqualität im 5G und im W-LAN war stets hervorragend. Sprachqualität und Audioqualität sind mehr als ordentlich.

Kamera und Software - nicht alles Gold was glänzt!

Das Axon 30 Ultra soll vor allem mit seiner Kamera glänzen. Deswegen verbauen die Chinesen gleich drei 64-Megapixel-Sensoren (Normal, Weitwinkel und Ultraweitwinkel). Dazu gibt es eine 8-Megapixel-Periskoplinse für bis zu fünffach optischen Zoom. Am Papier ein mehr als beeindruckendes Setup. Näher betrachtet sind jedoch die Sensoren doch unterschiedlich bei Blende und Lichtempfindlichkeit. Das Axon 30 Ultra macht in fast jeder Situation trotzdem sehr gute Fotos, von der Spitze ist es jedoch etwas entfernt. Xiaomi Mi 11 Ultra, Samsung S21 Ultra und Pixel 5 sind in der Android-Welt noch immer die Kamerakrösusse. Das Mi 11 Ultra als Allrounder, das Samsung S21 Ultra beim Zoom und das Pixel 5 mit seiner perfekten Nachbearbeitung durch die Software. Das ZTE ist aber ein sehr potenter Kamerabegleiter und kann, dank seiner Vielfalt, locker eine kleine Kompaktkamera ersetzen.

Das Thema Software war bei ZTE leider oft eine Achillesferse. Das Axon 10 Pro kam mit Android 9 auf den Markt und das Update auf Android 10 erschien sehr sehr spät. Noch dazu war es voll mit Übersetzungsfehlern und selbst Sicherheitsupdates kamen nur sehr sporadisch. Auch Axon 11 und Axon 20 hängen noch auf Android 10 fest - ein Update auf Android 11 ist fraglich. Das soll beim Axon 30 Ultra besser sein, setzt es doch auch auf eine neue Software namens MyOS 11 (früher MiFavor). Die gefällt mir im Test ganz gut, grobe Schnitzer in der deutschen Übersetzung fand ich keine mehr und ich bekam sogar ein Sicherheitsupdate während des Testzeitraumes (Juni 2021). Das ist zwar noch immer nicht topaktuell, aber um Welten besser als davor. Die Optik von MyOS ist teils sehr nahe an Stock-Android, teils extrem bunt und etwas überfrachtet. Alles in allem aber mehr als ok.

Fazit - ein gelungenes Comback!

ZTE ist mit dem Axon 30 Ultra wieder in der Riege der Flaggschiffhersteller angekommen und schlägt sich dort, bis auf ein paar fehlende Details wie Wireless-Charging oder IP-Zertifizierung, sehr gut! Die Kamera ist zwar nicht ganz auf dem Niveau anderer "Ultras" aber ein mehr als brauchbarer Begleiter. Die Akkulaufzeit ist für ein Snapdragon 888 Gerät sehr gut, der Fingerabdrucksensor funktioniert einwandfrei und das Display ist sehr schön und leistet mit 144-Hz Bildwiederholrate mehr als andere Geräte.

Preislich ist für das Axon 30 Ultra eine UVP von 899 Euro angesetzt, damit ist es billiger als Mi 11 Ultra oder S21 Ultra, aber man muss eben mit den kleinen Abstrichen leben. Das Axon 30 Ultra bekommt von mir sehr gute 8 von 10 Bewertungspunkte. Es sticht zwar nicht groß aus der Masse heraus, ist aber doch einmal etwas anderes, abseits der mehr als ausgetrampelten Pfade von Samsung, Apple und Xiaomi. Und es kostet, trotz Ultra-Beisatz, eben unter 1.000 Euro.

Mehr Fotos:

Bis zum nächsten Mal!

Hinweis: Das Testgerät wurde mir von ZTE Austria für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung gestellt. Der Testbericht entsteht unabhängig und wird vor Veröffentlichung nicht an ZTE zur Freigabe gesendet.

Weekend-Redakteur Lukas Steinberger-Weiß ist ein Technik-Freak sondergleichen. Wobei ihn die Bezeichnung „Nerd“ nicht beleidigt, sondern ehrt. Er saugt alle Neuheiten in sich auf und ist immer am neuesten Stand, liebt Computerspiele, beschäftigt sich ausführlich mit den neuesten Smartphones und den dazugehörigen Gadgets und ist ein Experte für Unterhaltungselektronik. In seinem Blog testet er Spiele, Konsolen, Smartphones, Gadgets und vieles mehr und lässt die Leser an seiner Faszination für die spannende Technik-Welt teilhaben.

Autor: Lukas Steinberger-Weiß, 01.09.2021