Erziehung – kein Kinderspiel

Wenn man sich mit dem Thema Familiengründung beschäftigt, spielen nicht nur der Name oder die Gestaltung des Kinderzimmers eine Rolle, sondern auch, wie man sein Kind erziehen will.
Autor: Judith Locher, 10.03.2022 um 00:01 Uhr

Erziehung trägt zwar „nur“ 30 Prozent zur Entwicklung von Kindern bei, heißt es, aber dieser Anteil ist alles andere als unwesentlich. Es ist ein großer Vorteil, wenn sich das Elternpaar in den wesentlichen Punkten einig ist. Gerade vor dem Hintergrund der vielen gutgemeinten Ratschläge und Empfehlungen von Eltern, Schwiegereltern, Großeltern und Freunden. Wie hilfreich jene am Ende tatsächlich sind, sei dahingestellt. Bei manchen Themen möchte man sich mit anderen austauschen. Bei anderen nicht.

Welcher Erziehungsstil ist der beste?

Antiautoritär,  egalitär, Helikopter, Curling, Rasenmäher, Laissez-Faire, Pipi Langstrumpf und so fort - angesichts der vielen Erziehungsstile kann man als Eltern heutzutage schon einmal leicht den Überblick verlieren. Für welchen man sich am Ende auch entscheidet: In manchen Fragen wird es nichts zu rütteln geben, egal was die anderen sagen oder meinen besser zu wissen! Eltern sollten sich nicht verunsichern lassen, sondern Mut zur Konsequenz beweisen. Streng hin, liberal her, für die Entwicklung von Kindern ist es wichtig, wenn sie wissen, woran sie sind.

Fröhliches Mädchen auf der Schaukel | Credit: iStock.com/Kerkez

Nicht ausspielen lassen

Natürlich haben unsere drei Söhne versucht, uns gegeneinander auszuspielen. Könnt' ja sein, wenn's bei Mama Nein heißt, dass Papa Ja sagt! Zum Glück für die Kleinen waren wir uns immer einig, was sie dürfen und was nicht. Denn am besten lernen die Kinder immer noch durch Nachahmung. Das Geheimnis gelungener Erziehung ist: Man muss eigentlich gar nicht soviel sagen, sondern mit gutem Beispiel vorangehen. Sport machen, wenn man Kindern die Freude an Bewegung vermitteln will. Sich gesund und abwechslungsreich ernähren, wenn man möchte, dass sie Obst und Gemüse essen. Auch, wenn man sich dafür überwinden muss, den Spinat am Teller anzurühren.

Elternmund wird zu Kindermund

Fluch und Segen gleichzeitig: Vor allem kleine Kinder, die gerade sprechen lernen, wiederholen, was sie aufschnappen und was man zu ihnen sagt. Ab und zu konnte ich mich dann selbst reden hören, wenn meine Söhne sprachen. So sind mir ein paar Sätze und Wörter aufgefallen, bei denen ich gar nicht so erfreut war, dass die Kleinen das jetzt auch können. Umgekehrt ist es ermutigend zu sehen, wie sehr sich Kinder in einem bestimmten Alter an ihren Eltern orientieren.

Ein Junge macht einen Kopfstand | Credit: iStock.com/BrianAJackson

Kein Kind ist gleich

Wenn das Ziel ist, alle seine Kinder gleich behandeln zu wollen und weder eines zu bevorzugen noch zu vernachlässigen, so wird man doch zu jedem einzelnen seine ganz eigene Beziehung haben. Jedes wird seine eigenen Vorlieben entwickeln. Jedes seine eigene Persönlichkeit. Und das ist gut so. Gerade das macht das Thema Erziehung auch so spannend. Eine Phase, die man auskosten sollte. Denn sobald Kinder erst einmal das Teenageralter erreicht haben, kämpfen sie um ihre Abnabelung und Eigenständigkeit. Dann ist die Zeit der Erziehung vorüber.

Wurzeln und Flügel

Was am Ende von allen Ratschlägen und Vorstellungen bleibt: Das Ziel, Kinder zu respektvollen und selbständigen Erwachsene zu erziehen, und sie, so gut es geht, in allen Lebenslagen zu unterstützen. Frei nach der Devise:

"Zwei Dinge sollten Kinder von ihren Eltern bekommen - Wurzeln und Flügel."

Elternpaar mit seinen beiden Kindern im Sonnenuntergang | Credit: iStock.com/evgenyatamanenko

Zur Autorin

Wer wie Judith Locher Mutter von drei Söhnen ist, schöpft aus einem großen Fundus, wenn es um das Thema "Männer im Alltag" geht. Mit Augenzwinkern und einer Prise feinem Humor teilt die Oberösterreicherin ihre Erlebnisse und Erkenntnisse auf www.weekend.at.