Asexuell – und was das bedeutet

Seit 2021 wird am 6. April der Tag der Asexualität gefeiert. Was genau hinter der Bedeutung asexuell steckt, wie die Definition von asexuell lautet und welche Arten von Asexualität es gibt, erfahren Sie bei uns.
Autor: Teresa Frank, 06.04.2022 um 09:32 Uhr

Es gibt viele Gründe für mangelndes Interesse an Sex. Bei beruflichem oder privatem Stress sinkt natürlich das Verlangen nach sexueller Aktivität. Sexlose Phasen sind Bestandteil einer jeden Beziehung. Meist sind sie aber nicht von Dauer. Denn sobald das Leben wieder ruhiger wird, kommt auch die Freude am Sex zurück. Doch gibt es Menschen, denen bleibt sexuelle Anziehung ein Leben lang fremd. Sie bezeichnen sich selbst als asexuell. Schnell tauchen da Fragen auf wie: "Wie erkenne ich, ob ich asexuell bin?", "Wie kommt es zu Asexualität?" oder "Bin ich demisexuell oder asexuell?". Asexualität ist keine Krankheit, zeigt sich nicht anhand von Symptomen und muss nicht therapiert werden. Mit welchen Vorurteilen asexuelle Menschen zu kämpfen haben und was es noch zum Thema „Asexualität“ zu wissen gibt – wir haben recherchiert, denn asexuell werden oder sein, heißt nicht krank sein.

Asexuell und sexuelle Anziehung: Definition

Asexualität betrifft Männer wie Frauen. Um zu verstehen, was Asexualität bzw. asexuell bedeutet, muss zuerst verstanden werden, was sexuelle Anziehung ist. Sexuelle Anziehung ist die Kraft, die uns andere Menschen erotisch und sexuell anziehend finden lässt. Sie ist ein unbewusster Auswahlprozess und bei den meisten Menschen auf ein Geschlecht begrenzt. Während sich heterosexuelle Menschen vom anderen Geschlecht sexuell angezogen fühlen, fühlen sich homosexuelle Menschen vom gleichen Geschlecht sexuell angezogen. Asexuelle Menschen fühlen sich von keinem Geschlecht angezogen.

Mann und Frau zerreissen ein Blatt Papier | Credit: iStock.com/Motortion

Was bedeutet asexuell?

Auch wenn viele Menschen den Begriff „Asexualität“ schon öfter gehört haben, wissen die meisten nicht, was es damit eigentlich auf sich hat. Asexualität ist keine bewusste Entscheidung, sondern vielmehr eine sexuelle Orientierung. Asexuelle Menschen haben wenig bis kein Bedürfnis nach Sexualität, verspüren keine sexuelle Anziehung und haben auch kein Interesse an sexuellen Interaktionen mit anderen. Diese Präferenz tritt in verschiedenen Ausprägungen auf: Beispielsweise können Asexuelle andere Menschen durchaus attraktiv finden, sich aber einfach nicht zu ihnen hingezogen fühlen. Sie können sich auch verlieben – meist bevorzugen sie jedoch eine platonische Beziehung.

Was ist das demisexuell?

Der Asexuellen-Community werden auch Menschen zugerechnet, die sich als demisexuell oder grau-asexuell definieren. Demisexualität bedeutet, dass man nur sexuelle Gefühle zu Personen entwickeln kann, mit denen man eine starke emotionale Bindung hat. Wer nur ein sehr schwaches sexuelles Verlangen hat, der definiert sich mit der Orientierung Grau-Asexualität. Generell fühlen sich asexuelle Personen der queeren Gemeinschaft zugehörig. 

Frau steht allein in einer Menschengruppe | Credit: iStock.com/Tero Vesalainen

Asexualität: Was sind die Ursachen?

Plötzlich asexuell? Eher nicht. Es gibt nämlich keine Ursachen für Asexualität. Vermutet wird, dass sie angeboren und von Dauer ist. Deshalb ist Asexualität auch nicht „heilbar“. Asexuellen Menschen fehlt schließlich nichts. Sie leiden nicht unter dem Mangel an sexueller Interaktion. Vielmehr leiden sie unter den Vorurteilen, wenn ihre Orientierung thematisiert wird.

Woran erkennt man, dass man asexuell ist?

Kann man asexuell werden? Dass man selbst asexuell ist, erkennen viele Betroffene bereits in der Pubertät. Denn stellt sich kein Interesse an sexueller Interaktion ein. Dieses Gefühl, jemanden sexuell zu begehren, kennen Asexuelle einfach nicht. Deshalb fühlen sich viele erstmals verunsichert. Immerhin ist Sex ein Thema, das in Werbung und Medien stets präsent ist. Asexuelle zweifeln lange, ob etwas mit ihnen nicht stimmt. Oft wird geglaubt, homo- oder bisexuell zu sein – vielleicht sogar verklemmt oder frigide. Diese Vorurteile gilt es zu bekämpfen, damit auch asexuelle Menschen ein erfülltes und vor allem selbstbestimmtes Leben führen können.

Asexualität: Vorurteile bekämpfen

Asexuell und einsam? Asexuelle Menschen werden in der Gesellschaft oft mit Vorurteilen konfrontiert und als psychisch krank oder „nicht normal“ dargestellt. Betroffene haben daher nicht selten mit Selbstzweifeln zu kämpfen und fühlen sich isoliert. Genau daher wurde der Tag der Asexualität 2021 ins Leben gerufen. Mit falschen Informationen soll nämlich endlich aufgeräumt werden. Außerdem soll die Orientierung in der öffentlichen Wahrnehmung präsenter werden.

„Wir ermutigen alle Menschen, die sich unter dem Ace-Umbrella identifizieren, insbesondere, aber nicht ausschließlich in nicht-englischsprachigen und/oder nicht-“westlichen” Ländern, beim ITA (Internationalen Tag der Asexualtiöt) mitzumachen. Die Teilnahme kann etwas so Einfaches sein, wie einen Social-Media-Post zu teilen, zudem werden Organisationen überall auf der Welt Veranstaltungen organisieren, Kampagnen starten und sich für unsere Sache engagieren“, steht beispielsweise auf der Homepage des International Asexuality Day geschrieben.

Asexuell-Flagge: Erklärung

Seit 2010 hat die asexuelle Gemeinschaft außerdem eine eigene Flagge: Sie besteht aus vier horizontalen Streifen in den Farben schwarz, grau, weiß und violett. Jede einzelne Farbe bezeichnet eine sexuelle Orientierung:

  • Schwarz steht dabei für Asexualität;
  • Grau symbolisiert die Grauzone zwischen sexuell und asexuell;
  • Weiß steht für demisexuell und
  • Violett für die gesamte Community.

Asexuell: Ist eine Beziehung möglich?

Natürlich ist das möglich! Dennoch wird es keine leichte Beziehung werden, wenn der eine Partner asexuell ist und der andere Sex haben möchte. Wie in jeder Beziehung ist Kommunikation der Schlüssel. Beide Partner sollten deshalb ehrlich und offen über ihre Wünsche und Ansprüche an die Beziehung sprechen. So verhindert man, dass das sexuelle Desinteresse zu Spannungen und letzten Endes zur Trennung führt.

Viele asexuelle Menschen befürchten, dass sie krank oder gestört seien. Was sie nicht sind. Denn diese Vorurteile sind nur Anzeichen dafür, dass das Wissen über Asexualität noch nicht genug verbreitet ist – weshalb der 6. April doppelt gefeiert werden sollte.