5 Tipps, wie man sein Kind beim Outing unterstützen kann

Sich zu outen ist nach wie vor ein großer Schritt. Umso wichtiger ist es, dass das Umfeld sensibel und unterstützend in dieser Situation auftritt – insbesondere die Eltern.
Autor: Teresa Frank, 14.06.2022 um 09:06 Uhr

Auch wenn unsere Gesellschaft mittlerweile offener und toleranter mit Coming-outs umgeht, ist dieser Schritt für viele nach wie vor nicht einfach. Auch im Familienleben ist das ein Thema. „Ihr Kind setzt sich mit einem Outing möglicher Kritik von Schulkolleg*innen, Freund*innen, Familie und der Gesellschaft aus. Ein Outing ist daher meist begleitet von vielen Ängsten“, so Arabella Brunner, Psychologin bei der Rat auf Draht Elternseite. „Es ist wichtig, dass Eltern ihren Kindern mit Verständnis und Mitgefühl begegnen und offen danach fragen, welche Unterstützung hilfreich sein könnte.“ Die Expertin hat daher für Eltern nützliche Tipps zusammengestellt, wie man am besten mit dieser Situation umgeht. 

1 Akzeptanz

Klar und deutlich Akzeptanz auszudrücken – das reicht oft schon. Denn viele Kinder fürchten sich davor, die Liebe ihrer Eltern zu verlieren, wenn sie ihr wahres Ich zeigen. Viele fürchten, sie mit ihrem „Anderssein“ zu entäuschen. Als Elternteil sollte man daher betonen, dass es vollkommen in Ordnung ist, eine andere sexuelle Orientierung zu haben und dass man seine Kinder immer liebt und wertschätzt.

2 Vertrauen wertschätzen

Offen und ehrlich über seine Sexualität zu sprechen, ist keinesfalls einfach. Wenn sich das eigene Kind also outet, ist das als ein großer Vertrauensbeweis – als solchen sollten Sie ihn auch wertschätzen. Gleichermaßen sollte man nicht enttäuscht sein, falls man auf andere Weise zufällig vom Outing hört. Wichtig ist, sich in die Situation Ihres Kindes einzufühlen und zu überlegen, welche Reaktion man sich an seiner Stelle von den Eltern wünschen würden.

3 Mut zur Selbstreflexion

Wenn das Outing Ihres Kindes Gefühle wie Angst, Ärger oder Unverständnis auslöst, sollten Sie sich damit auseinandersetzen, wieso das so ist. Liegt es an der Angst, dass das Kind in Zukunft Schwierigkeiten bekommen oder gemobbt werden könnte? Oder kann man sich einfach nicht vorstellen, dass der Sohn oder die Tochter in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung lebt? Veränderungen brauchen Zeit. Und es ist okay, sich eine Weile lang mit den eigenen Gefühlen auseinanderzusetzen. Wie andere Menschen auf das Outing reagieren, kann man schlecht beeinflussen – den Umgang mit den Reaktionen jedoch schon. Tröstend und verständnisvoll zur Seite zu stehen, trägt dazu einen wichtigen Teil bei.

4 Selbstbestimmung ermöglichen

Ob und vor wem sich Ihr Kind outen möchte, ist eine sehr persönliche Frage und seine eigene Entscheidung. Einfach anderen Familienmitgliedern oder Freunden davon zu erzählen, ist demnach ein absolutes No-Go. Fragen Sie ihr Kind direkt, wer von seinem Outing wissen darf und in welchem Rahmen es darüber sprechen möchte.

5 Sich helfen lassen

Zusätzlich zur Unterstützung der Eltern kann es Ihrem Kind auch helfen, mit einer außenstehenden Person über das Coming-out zu sprechen. Rat auf Draht ist eine erste Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche, die Rat auf Draht Elternseite steht bei Gesprächsbedarf für Eltern und Bezugspersonen zur Verfügung. Beide vermitteln an passende Anlaufstellen weiter. Elternseite.at ist ein Angebot von „Rat auf Draht“ speziell für Eltern und Bezugspersonen. Als Erstanlaufstelle unterstützt die Elternseite mit psychologischer Online-Videoberatung bei Fragen rund um Erziehung und Familienalltag. Außerdem bietet die Plattform fundierte Information und die Möglichkeit zum Austausch, zB. in Webinaren. 2021 wurde mit „Alles klar?!“ ein Themenschwerpunkt zu sexueller Aufklärung gestartet: www.elternseite.at/alles-klar