Wenn Kinder in die Pubertät kommen

Geht's zuerst noch um aufgeschlagene Knie, kaputte Spielsachen und das eine oder andere Fersehverbot, wenn sie in der Kindergarten oder zur Volksschule gehen. Da ist man als Eltern noch verständnisvoll, mitfühlend und spricht nur ungern ein Verbot aus. Aber wenn man keine Konsequenzen setzt, geht man hoffnungslos unter, und die lieben Kleinen tanzen einem auf der Nase herum.

Draußen vor der Tür

Wenn die Pubertät einsetzt, kommt es einem dann so vor, als würden sie das sowieso immer tun. Das Pubertieren setzt schleichend ein, einen richtigen Anfang gibt es nicht. Plötzlich ist die Zimmertür des Nachwuchses zu oder sogar versperrt. Eltern und Geschwister müssen nun anklopfen, wenn sie etwas von ihnen wollen. Man kann nicht mehr einfach plötzlich im Kinderzimmer stehen, auch wenn man nur die frisch gewaschene Wäsche bringt.

Was vom Kinderzimmer übrig bleibt

Die Jalousien können eigentlich für immer geschlossen bleiben, und so gerne die Kleinen draußen oder auf dem Spielplatz ihre Zeit verbracht haben, jetzt könnten sie plötzlich mit dem Schreibtischstuhl verschmelzen und den Platz vor dem PC oder Handy nie wieder verlassen. Als Jungsmama bin ich Chaos und Unordnung schon etwas gewöhnt, was allerdings die Pubertät aus einem Kinderzimmer machen kann, das toppt alles bisherige bei Weitem! Wäsche (egal ob gewaschen oder getragen), leere Getränkegebinde (egal ob Dosen, Flaschen oder Gläser) oder Pizzaschachteln bedecken Bett, Sofa und den letzten Rest freien Boden, sofern es ihn je gab. Es kostet viel Nerven, Geduld und Konsequenz, hier nicht einzugreifen und immer wieder das Gleiche zu sagen: „Aufräumen!“

Sprachgebrauch eines Teenagers

Gelber Sack, Wäschekorb und Staubsauger werden einfach im Zimmer des Pubertiers deponiert und nach „angemessener“ Zeit (für einen Erwachsenen) wieder zurückgefordert – im vollen Zustand natürlich. Meist dauert es dann doch eine ganze Weile! Und das „Ich mach's dann eh", das ich auf Nachfrage immer zu hören bekomme, ist irgendwann nervtötend! Lernen, Familienfeste, frische Luft, Ausgangsbeschränkungen und Aufräumen sind zu dieser Zeit einfach nicht im Sprachgebrauch eines Teenagers. Doch als Eltern reitet man auf diesen Themen herum und redet sich den Mund fusslig. Die Kinder sollen doch einen guten Abschluss machen, das wär' wichtig für den späteren Berufsweg. Oma und Opa freuen sich, wenn ihre Enkel sie besuchen. Allerdings hat man als Pubertierender so gar keine Zeit dafür – und dort ist es immer soooo langweilig.

Kinder springen im Sonnenuntergang gemeinsam in die Luft | Credit: iStock.com/Tijana87

Freiheiten mit unerwünschten Nebenwirkungen

Frische Luft ist was für Pensionisten und Sportler (also ein Pluspunkt, sollte Ihr Nachwuchs sportlich sein) – ansonsten kann man im Teenager-Alter auch sein Zimmer nie wieder verlassen! Dass man als Erziehungsberechtigter auch zum Thema Ausgehzeiten etwas zu sagen hat, scheitert meist an dem tollen Jugendschutzgesetz, dass jungen Menschen ab 16 eine Menge für Eltern nicht erwünschte Freiheiten schenkt. Und dagegen zu argumentieren ist ein schwieriges Unterfangen - und falls Sie es schon vergessen haben sollten: Aufräumen war schon immer überbewertet ...

Als Eltern cool bleiben wollen? Netter Versuch!

Alle tollen und gut gemeinten Ratschläge, die wir als Erziehungsberechtigte zur Hand haben, verhallen ungehört im Nirgendwo. Meistens kann man das offensichtliche Desinteresse nur allzu deutlich in ihren Gesichtern sehen. Und da soll man dann cool bleiben! Sollte man ihnen mit 16 nicht die ersehnte Unterschrift fürs Tätowieren oder Piercen geben, werden sie es früher oder später trotzdem tun und auch nicht auf die elterlichen Empfehlungen hören: "Bist du sicher, dass es dir in zehn Jahren noch gefällt? Hast du gut drüber nachgedacht ...?" Natürlich nicht. Was soll's.

Es gibt ein Leben nach der Pubertät

Wenn Eltern und Kinder mitten in der Pubertätsbewältigung stecken, glaubt man als Mutter oder Vater: Das geht nie vorbei! Doch so anstrengend diese Zeit für alle Beteiligten ist (Eltern und Kinder) – das Gute ist: Alles hat ein Ende, auch diese Phase. Und plötzlich hat man das Gefühl, sich nun endlich wieder zu verstehen und im gleichen Universum zu leben. Muss das schön sein. Ich freu' mich schon mal drauf ...

Zur Autorin

Wer wie Judith Locher Mutter von drei Söhnen ist, schöpft aus einem großen Fundus, wenn es um das Thema "Männer im Alltag" geht. Mit Augenzwinkern und einer Prise feinem Humor teilt die Oberösterreicherin ihre Erlebnisse und Erkenntnisse auf www.weekend.at.

Autor: Judith Locher, 30.09.2021