Lieben wir in 10 Jahren nur noch digital?

Zukunftsforscher Tristan Horx blickt eigentlich optimistisch in die nächsten zehn Jahre. Nur unser Dating-Verhalten bereitet ihm Sorgen. Vereinsam wir trotz der Vielfalt an digitalen Kommunikationsmöglichkeiten immer mehr?
Autor: Teresa Frank, 28.04.2022 um 13:56 Uhr

Es ist absolut kein optimistisches Bild, das Zukunftsforscher Tristan Horx über das Datingverhalten in zehn Jahren zeichnet. Bald stehe uns nämlich eine Art digitale Krise bevor. „Paradoxerweise lässt sich feststellen, dass durch die Einführung dieser Online-Kommunikations-Tools und Dating-Apps die Zahl der jungen Menschen, die im letzten Jahr Sex hatte, gesunken ist“, erzählt Horx. „Und das steht doch im direkten Gegensatz zu der These, dass online der zwischenmenschliche Kontakt verstärkt wird“, betont er. Auch wenn die Menschen immer besser vernetzt seien, so würden sie doch immer einsamer werden, wie der Zukunftsforscher erklärt. 

Digitale Einsamkeit

Die Frage lautet nun, wir mit dieser Entwicklung umgehen. Wenn Menschen nur mehr Online-Kontakte pflegen und verlernen, in der realen Welt miteinander zu kommunizieren, kann das nämlich verheerende Auswirkungen in der Gesellschaft haben. „Irgendwann muss die Politik eingreifen, um das Bevölkerungswachstum zu fördern, wenn diese Entwicklung wirklich so weitergeht“, so Horx. „Wenn die meisten Menschen nur mehr zu Hause bleiben und digitale Masturbation betreiben, müssen wir uns eingestehen, dass wir als Gesellschaft versagt haben“, betont er. In Japan sei es bereits gang und gäbe, dass man sich digitale Freunde holt. Menschen seien anstrengend, einen Algorithmus könne man aber so einstellen, wie man will. „Zum Thema digitale Einsamkeit hat Corona sicher viel beigetragen. Da besteht mittlerweile viel Aufholbedarf“, ergänzt er.

Wenn sich amerikanische Billionäre untereinander ausmachen, wie unsere gesellschaftlichen Beziehungen im Digitalen funktionieren und das auch noch profitbasiert ist, dann ist das kein Wunder, dass es nicht gerade zu gesellschaftlicher Harmonie führt.

Tristan Horx, Trend- und Zukunftsforscher 

Gezielte Regulierung

Und gibt es auch eine Lösung für das Problem? „Wir müssen mit diesem Thema viel offener umgehen. Besonders über Dating und die Gefühle von Männern wird immer noch viel zu wenig gesprochen“, wie der Experte erklärt. Irgendwann werde es außerdem auch eine gezielte Regulierung des digitalen Bereiches brauchen. „Wenn sich amerikanische Billionäre untereinander ausmachen, wie unsere gesellschaftlichen Beziehungen im Digitalen funktionieren und das auch noch profitbasiert ist, dann ist das kein Wunder, dass es nicht gerade zu gesellschaftlicher Harmonie führt“, so Horx. Dating- und Social-Media-Plattformen werden auch in zehn Jahren noch eine wichtige Rolle spielen, doch es müssten gewisse Mechanismen herrschen, wie beispielsweise in der Medizin, die sie von der Profitlogik abgrenzen.

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