Meerschweinchen – Haltung, Pflege und Tipps

Das Besondere an Meerschweinchen ist, dass sie ein ausgezeichnetes Gehör haben, ihren Halter schnell erkennen und zu ihm auch eine innige Beziehung aufbauen – immerhin ist er ihr Futterlieferant. Und Meerschweinchen lieben es zu futtern. Kennt man ihre Bedürfnisse, so erweisen sie sich als spaßige Hausgenossen. Um das interessante Sozialverhalten von Meerschweinchen bestens beobachten zu können, ist es wichtig, sie nicht allein, sondern zumindest zu zweit zu halten. Meerschweinchen sind dämmerungsaktiv, das heißt, sie sind vor allem morgens und abends aktiv. Weshalb sie auch für Berufstätige ideale Haustiere sind, sofern man einige Tipps zur Haltung und Pflege beachtet.

Meerschweinchen: Kleine Tiere mit großer Verantwortung

Auf den ersten Blick scheint es einfach zu sein, Meerschweinchen zu halten. Doch der Schein trügt. Gleich zu Beginn stellt sich die Frage, woher bekomme ich meine Meerschweinchen. Am besten ist es, Sie suchen nach einem geeigneten Züchter oder Sie gehen in ein Tierheim, denn auch dort warten viele Meerschweinchen sehnsüchtig auf ein neues Zuhause. Meerschweinchen in einem Zoofachhandel zu kaufen, sollte die letzte Option sein. Oftmals werden dort Männchen und Weibchen nicht getrennt gehalten, was sehr schnell zu ungewolltem Nachwuchs führen kann.

Meerschweinchen sind fröhliche und lustige Weggefährten, denen man stundenlang dabei zusehen kann, wie sie quieken, laufen und fressen. Geht ihr Halter richtig mit ihnen um, verschönern sie den Alltag. Leider ignorieren viele Menschen die Bedürfnisse der Meerschweinchen. Denn oft werden sie als Kuscheltiere angepriesen, was sie überhaupt nicht sind. Meerschweinchen suchen keinen Körperkontakt zum Menschen. Natürlich lassen sie sich irgendwann an der Nase oder unterm Kinn kraulen, aber dennoch wollen die kleinen Nager nicht hochgehoben und gestreichelt werden. Am Arm verfallen sie meist in eine Schockstarre und haben einfach Angst. Lassen Sie lieber Ihre Meerschweinchen zu Ihnen kommen und bieten Sie ihnen ein Leckerchen – vor allem mit Gurken kann man ihr Herz erobern – an, das ist der ultimative Liebesbeweis an ihren niedlichen Nager.

Meerschweinchen sitzt in Höhle | Credit: iStock.com/coramueller

Meerschweinchenhaltung in der Wohnung

Haben Sie sich dafür entschieden, sich bis zu acht Jahre um Ihre Meerschweinchen zu kümmern, liegt das Augenmerk jetzt auf dem Zuhause Ihrer Nager. Auch in einer Wohnung ist es möglich, Meerschweinchen ein schönes Leben zu bieten. Das Meerschweinchenheim sollte eine Mindestfläche von 0,5 Quadratmetern pro Tier haben. Von handelsüblichen Käfigen ist daher abzuraten, sehr oft sind sie einfach zu klein, um den Nagern gerecht zu werden. Marke Eigenbau ist für Meerschweinchen besser geeignet. Haben Sie vielleicht alte Bücherregale zu Hause? Legen Sie diese auf den vorgesehenen Platz in Ihrer Wohnung und fügen Sie sie mit Plexiglas zusammen. Kleben Sie zusätzlich noch Teichfolie auf den Boden der Bücherregale, so schaffen Sie eine Feuchtigkeitsbarriere. In das Meerschweinchenzuhause kommen dann noch Häuser, Kuschelsachen, eine Trinkflasche und eine Heuraufe. Ebenso ist frischer Einstreu, auf den Sie wiederum Heu legen – damit die kleinen Pfoten geschützt sind –, wichtig. Wer Meerschweinchen in einer reinen Innenhaltung hält, sollte ihnen täglich mehrere Stunden Auslauf in der Wohnung gönnen, dann sind die Winzlinge glücklich und zufrieden.

Meerschweinchenhaltung im Garten

Meerschweinchen können gerne ganzjährig in Außenhaltung untergebracht werden. Das Außengehege muss natürlich über einen Meerschweinchenstall verfügen, der auch niedrigeren Temperaturen standhält. Im Handel findet man dazu meist keinen geeigneten Außenstall, deshalb gilt auch hier: Selbst Hand anlegen! Achten Sie bei der Außenhaltung besonders darauf, dass das Gehege vor potenziellen Feinden wie Füchsen, Mardern oder Raubvögeln geschützt ist. Für die Inneneinrichtung gilt in etwa dasselbe wie bei der Wohnungshaltung. Gleiches gilt für die Größe des Geheges, obwohl es hier heißt, je größer, desto besser. Im Winter muss das Außengehege vor Frost und Schnee schützen, und im Sommer braucht es viele schattige Stellen. Natürlich ist es auch möglich, abzuwechseln. Im Winter leben Ihre Meerschweinchen bei Ihnen im Haus und im Sommer dürfen sie in den Garten umziehen.

Meerschweinchen frisst | Credit: iStock.com/Shandor_gor

Speiseplan: Was darf gefüttert werden und was nicht?

Die Basiskost für Meerschweinchen besteht aus Heu. Das Heu ist wichtig für die Verdauung und für ihre ständig wachsenden Zähne, deshalb muss es immer zur Verfügung stehen. Auch Kräuter werden gerne von den kleinen Nagern angenommen. Greifen Sie hierzu zu getrockneten Löwenzahn- und Wildkräutermischungen. Wenn Sie im Garten unbehandelten Löwenzahn haben, dürfen Sie diesen gerne auch frisch servieren.

Frischfutter ist besonders wichtig für Meerschweinchen. Füttern Sie vor allem Gemüse wie Salat, Gurken, Tomaten, Paprika, Karotten, Fenchel und Sellerie. Manche Schweinchen fressen auch gerne Brokkoli oder Petersilie. Mit Obst sollte sparsam umgegangen werden – manchmal ein Stück Apfel ist aber in Ordnung –, da es zu viel Zucker enthält. Genauso verhält es sich mit Meerschweinchenfutter aus dem Zoofachhandel, es macht Ihre Meerschweinchen dick und fördert Verdauungsprobleme. Gerne dürfen Sie aber hartes bzw. getrocknetes Brot und Äste vom Apfelbaum verfüttern, das hilft dem Zahnabrieb.

Zwei Meerschweinchen in Kuschelhöhle | Credit: iStock.com/alkir

Meerschweinchen: Wie sieht die richtige Gruppenhaltung aus?

Dass Einzelhaltung und Meerschweinchen keine gute Kombination ist, sollte klar sein. Meerschweinchen leben in der Natur in kleinen Gruppen von drei bis zehn Tieren, so fühlen sie sich richtig wohl. Die Einzelhaltung ist in Österreich verboten und gilt zurecht als Tierquälerei. Um den Bedürfnissen der kleinen Nager gerecht zu werden, sollten sie also mindestens zu zweit gehalten werden. Obendrein muss unbedingt auf die Geschlechtszusammenstellung geachtet werden. Mit einer reinen Mädchenmeute oder mehreren Weibchen und einem kastrierten Bock machen Sie alles richtig. Reine Böckchenhaltung ist schon schwieriger und sollte erfahrenen Haltern überlassen werden, da es trotz Kastration zu heftigen Revierkämpfen kommen kann.

Tipps für die Vergesellschaftung

Haben Sie zu Hause bereits beispielsweise zwei Weibchen und möchten einen kastrierten Bock in Ihre Gruppe integrieren, so ist es ratsam, das Böckchen zuerst allein durch sein neues Zuhause streifen zu lassen. So kann er seine ungewohnte Umgebung kennenlernen und Stress abbauen. Wenn der Neuankömmling gefressen hat, kann es mit der Vergesellschaftung losgehen. Bringen Sie alle drei Meerschweinchen an einen neutralen Ort. Vielleicht können Sie die Küche dafür nutzen, aber auf keinen Fall setzen Sie das neue Schweinchen einfach in das Heim der anderen. Sie würden es ja auch nicht gutheißen, wenn Sie nach Hause kommen, und ein Fremder sitzt auf Ihrem Sofa. Für die nächsten Stunden beobachten Sie am besten, wie sich alle verhalten. Bitte greifen Sie aber nur in die Vergesellschaftung ein, wenn sich zwei Schweinchen verbeißen oder Blut fließt, sonst gilt: Ruhig bleiben – Ihre Meerschweinchen wissen, was sie tun.

Kind mit Meerschweinchen | Credit: iStock.com/bondarillia

Kinder und Meerschweinchen

Meerschweinchen als Haustiere scheinen vor allem bei Kindern sehr beliebt zu sein. Viele Eltern ignorieren jedoch, dass Meerschweinchen zwar niedlich, aber für Kinder nur eingeschränkt zu empfehlen sind. Kleine Kinder handeln oftmals zu ungestüm oder rütteln am Gehege, was die Meerschweinchen unnötigem Stress aussetzt. Ab dem Grundschulalter sind Kinder dagegen gut in der Lage, sich selbst um ihre Meerschweinchen zu kümmern – natürlich darf Ihre unterstützende Hand hierbei nicht fehlen. Es liegt in Ihrer Verantwortung als Eltern, Ihren Kindern einen respektvollen Umgang mit Tieren beizubringen. Bei Meerschweinchen bedeutet dies, dass sie nicht aus dem Schlaf gerissen, einfach hochgehoben oder gestreichelt werden dürfen.

Wie Sie sehen, sind Meerschweinchen – wenn man einige Dinge beachtet – großartige Haustiere, aber: Sie sind keine Kuscheltiere.

Autor: Jacqueline Klein, 12.01.2022