Direkt zum Inhalt
Mann mit weißen T-Shirt und offenem Hemd zeigt mit einem Finger auf die Ingwerwurzel in seiner anderen Hand
Fit und gesund mit Ingwer: Das Steckt alles in der tollen Knolle.
Fit und gesund mit Ingwer: Das Steckt alles in der tollen Knolle.
istock.com/AVI stock

Wunderwurzel: So heilsam ist Ingwer

21.07.2026 um 11:38, Rudolf Grüner
min read
Drücke "Play" zum Laden und Hören
  • Lädt Sprachdatei
  • Buffering...
  • In Kürze bereit zum Abspielen
Beim Erstellen der Sprachdatei ist ein Fehler passiert
0:00 /
Vom Superfood zur Heilpflanze: Ingwer überzeugt mit entzündungshemmender Wirkung und erhält dafür den Titel „Arzneipflanze des Jahres 2026“.

Inhalt

Die ursprünglich aus Asien stammende Pflanze polarisiert wie kaum ein anderes Gewürz. Für die einen ist Ingwer das willkommene Superfood schlechthin, für die anderen schlicht ungenießbar. Doch die Knolle, die die Geschmacksknospen spaltet, hat es gesundheitlich in sich. Die Wurzel wird heute gezielt in Prävention, Schmerztherapie und integrativer Medizin eingesetzt. Nun wurde die aromatische Wurzel auch vom Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde an der Uni Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres 2026 gewählt. 

Die Auszeichnung würdigt Pflanzen, deren Wirkung wissenschaftlich gut belegt ist und die gleichzeitig im Alltag leicht nutzbar sind. Ingwer „befeuert“ vor allem durch seine Scharfstoffe. Besonders relevant sind dabei die sogenannten Gingerole und Shogaole. Erstere sind in der frischen Wurzel enthalten, Letztere entstehen beim Trocknen oder Erhitzen des Rhizoms.

Ingerwurzeln, geschnittener Ingwer und Ingwerblätter auf weißem Hintergrund
Ingwer kann vielfach eingesetzt werden.

Wirksamkeit

Beide wirken laut einer im „Journal of Herbal Medicine“ publizierten Studie durch­blutungsfördernd und antioxidativ. Analysen zeigen, dass sie bestimmte Enzyme hemmen, die an Entzündungsprozessen beteiligt sind – also ähnlich wie milde Schmerzmittel wirken. Spe­ziell bei Arthrose, Muskelschmerzen oder Menstruationskrämpfen scheint Ingwer zu helfen. Vorausgesetzt, man greift regelmäßig zur Pflanze, zu darauf basierenden Essenzen oder Kapseln. 

Am besten belegt ist die Wirksamkeit von Ingwer bei Problemen im Verdauungstrakt. Die „tolle Knolle“ fördert die Magensaftproduktion, beschleunigt die Entleerung und kann ein flaues Bauchgefühl lindern – etwa bei Reiseübelkeit oder nach Operationen. 

Nicht immer gesund

Neuere Forschungsfelder beschäftigen sich zudem mit möglichen Effekten auf den Stoffwechsel und das Herz-­Kreislauf-System. Medizinische Daten legen nahe, dass die Wurzel Blutzucker- und Cholesterinwerte positiv beeinflussen und eine gesunde Lebensweise unterstützen kann. 

Aber Achtung: Konventionelle Pharmaprodukte lassen sich dadurch nicht ersetzen! Trotz seiner positiven Eigenschaften ist Ingwer kein völlig harmloses Gewürz. In größeren Mengen kann das Naturprodukt genau die gegenteiligen Effekte auslösen und vom Magenliebling zum -gegner mutieren. Dann drohen Sodbrennen oder Durchfall. Mediziner raten Menschen mit empfindlichem Magen, Gal­lensteinen oder solchen, die blutverdünnende Me­dikamente einnehmen, zu besonderer Vorsicht. Auch Schwangere sollten auf hochdosierte Extrakte verzichten und Ingwer nur in moderaten Mengen verwenden. 

Empfohlen werden für Erwachsene etwa zwei bis fünf Gramm frischer Ingwer pro Tag, das entspricht ungefähr zwei bis drei dünnen Scheiben. Die getrocknete Variante ist deutlich konzentrierter, hier reichen 0,5 bis ein Gramm täglich aus. Bei Ingwerextrakten oder Kapselpräparaten sollten 500 bis 1.000 Milligramm pro Tag eingehalten werden. 

Ingwerwurzel in schwarzer Erde
Ingwer-Fans können die Wurzel auch im heimischen Garten ziehen.

Frisch aus dem Garten

In Österreich wächst das Interesse an regionalem Ingwer. In Gewächshäusern, Folientunneln oder als Topfpflanze lässt sich die Pflanze auch hierzulande kultivieren.  Für den Hausgarten eignet sich die Alternativarznei ebenfalls: Benötigt werden ein hell-warmer Standort, lo­ckere Erde und ausreichend Wasser. Geerntet wird meist im Herbst. Der Vorteil: Frisch geernteter Ingwer enthält besonders viele Gingerole und kommt ohne lange Transportwege oder Lagerzeiten auf den Tisch. 

Ingwer auf einen Blick

  • Botanischer Name: Zingiber officinale
  • Wichtige Inhaltsstoffe: Gingerole und Shogaole (Scharfstoffe), ätherische Öle (u. a. Zingiberol)
  • Hauptwirkungen: entzündungshemmend, verdauungsfördernd, gegen Übelkeit, immunstärkend
  • Anwendung: Tee, Shots, Kapseln, frisch in der Küche, Wickel
  • Vorsicht bei: Blutverdünnern, empfindlichem Magen, Gallensteinen
Ingwerwurzlen und eine Tasse Ingwertee auf einem Holztisch
Bei Erkältungen hilft frischer Ingwertee.

Ingwer: einfache Anwendungen

Der größte Vorteil der Heilpflanze liegt in ihrer praktischen Anwendbarkeit. Schon kleine Mengen entfalten Wirkung:

  • Ingwertee: Frischer Ingwer in Scheiben, mit heißem Wasser übergossen, hilft nicht nur in der kalten Jahreszeit gegen Erkältungen.
  • Ingwer-Shot: Konzentrierte Mischung aus Ingwer, Zitrone und optional Honig – beliebt zur Stärkung des Immunsystems.
  • Kulinarisch: Frisch gerieben in Suppen, Currys oder Gemüsegerichten verbindet Ingwer Genuss mit gesundheitlichem Nutzen.
  • Äußerlich: Als Wickel oder Auflage kann Ingwer bei Muskelverspannungen und Kältegefühl helfen.

Tipp: Ingwer-Pfeffer-Salbe

Mann mit nacktem Oberkörper greift sich an den verspannten Hals
: Wohltuend und entspannend: Ingwer hilft nach körperlicher Belastung oder nach einer unruhigen Nacht.

Bei schmerzenden, verspannten Muskeln greifen viele gern zu einfachen Hausmitteln. 

Zutaten: 100 ml Pflanzenöl, 2–3 EL fein geriebener Ingwer, ½–1 TL schwarzer Pfeffer oder Cayennepfeffer (sehr sparsam), ca. 10 g Bienenwachs. 

Herstellung: 1. Öl, Ingwer und Pfeffer im Wasserbad 30–60 Minuten sanft erwärmen. 2. Pflanzenreste abseihen. 3. Bienenwachs im warmen Öl schmelzen. 4. In ein sauberes Glas füllen und abkühlen lassen.

more