Manner in Österreich: 114 Prozent teurer als in Deutschland – warum?
- Manner kostet in Wien mehr als das Doppelte
- Österreich-Aufschlag trifft zahlreiche heimische Marken
- Hersteller und Handel schieben Verantwortung weiter
- EU prüft Maßnahmen gegen Österreich-Aufschlag
- Entscheidung fällt in Brüssel
Ausgerechnet in Österreich greifen Konsumenten für heimische Markenprodukte offenbar deutlich tiefer in die Tasche als in Deutschland. Ein Preisvergleich von Foodwatch Österreich zeigt besonders bei MannerSchnitten einen enormen Unterschied: Eine Packung der Original Neapolitaner Schnitten kostet bei Billa in Wien 1,69 Euro, bei Rewe in Deutschland hingegen nur 0,79 Euro. Der erhobene Preis liegt in Wien damit um 114 Prozent höher.
Österreich-Aufschlag im Preischeck
- 20 Produkte aus Österreich verglichen
- 20 von 20 sind in Deutschland günstiger
- 24 Prozent beträgt der durchschnittliche Preisunterschied
- 114 Prozent mehr kostet Manner im untersuchten Preisvergleich in Wien
Manner kostet in Wien mehr als das Doppelte
Foodwatch Österreich hat im August 2026 die Preise von 20 österreichischen Markenprodukten in Österreich und Deutschland verglichen. Das Ergebnis der Stichprobe fällt eindeutig aus: Alle 20 untersuchten Produkte sind in Deutschland günstiger. Im Durchschnitt liegen die erhobenen Preise in Österreich um 24 Prozent höher.
Besonders drastisch fällt der Unterschied bei Manner aus. Die 75-Gramm-Packung Original Neapolitaner kostet bei Billa in Wien 1,69 Euro. Bei Rewe in Deutschland werden für dieselbe Packung 0,79 Euro verlangt. Und das obwohl die Schnitten in Wien hergestellt und für den Verkauf in Deutschland zunächst exportiert werden.
Österreich-Aufschlag trifft zahlreiche heimische Marken
Manner ist allerdings kein Einzelfall. Im Preisvergleich finden sich auch Produkte von Handl Tyrol, Rauch, Julius Meinl, Vöslauer, Red Bull, Pfanner, Gösser, Almdudler, Casali und Mautner Markhof.
„Wenn ein Produkt in Österreich hergestellt, nach Deutschland transportiert und dort trotzdem deutlich günstiger verkauft wird als wenige Straßen vom Produktionsstandort entfernt, ist die Frage nach dem Österreich-Aufschlag mehr als berechtigt“, kritisiert Miriam Maurer von Foodwatch Österreich. Österreich dürfe nicht länger ein Hochpreis-Markt sein, während unklar bleibe, wie die Unterschiede zustande kommen.
Hersteller und Handel schieben Verantwortung weiter
Wer für den Österreich-Aufschlag verantwortlich ist, lässt sich aus dem Preisvergleich nicht ableiten. Foodwatch hat bei den betroffenen Herstellern nachgefragt. Diese verweisen darauf, dass die konkreten Verkaufspreise vom Handel festgelegt werden. Angaben zu Einkaufspreisen und Konditionen bleiben unter Verweis auf deren Vertraulichkeit aus.
Der Handel wiederum verweist auf die Hersteller. Rewe erklärt gegenüber Foodwatch, dass internationale Markenhersteller dem österreichischen Handel für idente Produkte teilweise höhere Einkaufspreise verrechnen würden als Abnehmern in Deutschland. Der Konzern spricht vom „Österreich-Aufschlag der Industrie“.
„Am Ende zahlen die Konsument die Rechnung, während Hersteller und Handel mit dem Finger aufeinander zeigen“, kritisiert Maurer. Wie die einzelnen Preisunterschiede tatsächlich entstehen, geht aus der Untersuchung nicht hervor.
EU prüft Maßnahmen gegen Österreich-Aufschlag
Als mögliche strukturelle Ursache nennt Foodwatch sogenannte territoriale Lieferbeschränkungen. Dabei können große Hersteller Händler daran hindern, Produkte grenzüberschreitend dort einzukaufen, wo sie günstiger angeboten werden. Gerade für kleinere Märkte wie Österreich könne dadurch der Wettbewerb eingeschränkt werden.
Auch die Europäische Kommission beschäftigt sich mit dem Problem und prüft mehrere Möglichkeiten gegen ungerechtfertigte territoriale Lieferbeschränkungen. Die Optionen reichen von freiwilligen Vereinbarungen bis zu verbindlichen gesetzlichen Vorgaben.
Entscheidung fällt in Brüssel
Foodwatch fordert eine verbindliche gesetzliche Regelung auf EU-Ebene. „Wir brauchen deshalb ein klares, verbindliches EU-Gesetz gegen territoriale Lieferbeschränkungen, keine freiwilligen Versprechen der Industrie“, sagt Maurer.
Die öffentliche Konsultation der Europäischen Kommission läuft noch bis 29. September 2026. Danach soll entschieden werden, welche politischen Maßnahmen weiterverfolgt werden. Bis dahin bleibt beim auffälligsten Beispiel vor allem eine Zahl hängen: Manner kostet in der untersuchten Wiener Billa-Filiale mehr als doppelt so viel wie bei Rewe in Deutschland.
FAQ: Manner und der Österreich-Aufschlag
Wie viel teurer ist Manner in Österreich?
Im Preisvergleich von Foodwatch kostet eine 75-Gramm-Packung Manner Original Neapolitaner Schnitten bei Billa in Wien 1,69 Euro. Bei Rewe in Deutschland kostet dieselbe Packung 0,79 Euro. Der erhobene Preis ist in Wien damit 114 Prozent höher.
Was bedeutet Österreich-Aufschlag?
Mit dem Österreich-Aufschlag werden Preisunterschiede bezeichnet, durch die Konsumenten in Österreich für vergleichbare oder identische Produkte mehr bezahlen als in anderen Ländern. Foodwatch hat bei 20 untersuchten österreichischen Markenprodukten im Durchschnitt einen um 24 Prozent höheren Preis als in Deutschland erhoben.
Warum ist Manner in Österreich teurer als in Deutschland?
Die konkrete Ursache für den Preisunterschied bei Manner geht aus dem Foodwatch-Preisvergleich nicht hervor. Hersteller verweisen auf die Preisgestaltung des Handels. Rewe wiederum erklärt, dass Markenhersteller österreichischen Händlern teilweise höhere Einkaufspreise verrechnen würden als deutschen Abnehmern.
Was sind territoriale Lieferbeschränkungen?
Territoriale Lieferbeschränkungen können Händler daran hindern, Waren grenzüberschreitend dort einzukaufen, wo sie günstiger erhältlich sind. Foodwatch sieht darin eine mögliche strukturelle Ursache für höhere Preise in kleineren Märkten wie Österreich und fordert verbindliche Regeln auf EU-Ebene.
Quellen und weiterführende Informationen
- Foodwatch Österreich: Österreich-Aufschlag Informationen zur Kampagne und Petition gegen den Österreich-Aufschlag.
- Foodwatch Österreich: Preisvergleich österreichischer Markenprodukte (PDF) Übersicht der erhobenen Preise in Österreich und Deutschland.