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Ein junger Mann schaut kritisch in den Spiegel.
Schön um jeden Preis: Beim Looksmaxxing wird Selbstoptimierung für manche zum gefährlichen Extrem.
Schön um jeden Preis: Beim Looksmaxxing wird Selbstoptimierung für manche zum gefährlichen Extrem.
ArtOfPhotos/Shutterstock

Looksmaxxing: Junge Männer im gefährlichen Schönheitswahn

02.10.2026 um 11:47, Simone Reitmeier
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Looksmaxxing boomt unter jungen Männern. Was mit Fitness und Hautpflege beginnt, kann in riskante Eingriffe und frauenfeindliche Ideologien kippen.

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der Schönste im ganzen Land? Früher stellte diese Frage eine Märchenkönigin, heute stellen sie junge Männer ins Internet. Sie laden Fotos hoch und warten auf das Urteil: Wie sehe ich aus? Was ist mein größter Makel? Andere User vergeben Punkte und entscheiden, wer als attraktiv, durchschnittlich oder chancenlos gilt. Wer in der Rangordnung nach oben will, ist mitunter bereit, einiges dafür in Kauf zu nehmen. Willkommen in der Welt des Looksmaxxing. „Looks“ steht dabei für Aussehen, „maxxing“ für Maximierung.

Projekt Körper

Gemeint ist eine Onlinekultur, in der Männer ihr Aussehen maximal optimieren wollen. Das Ideal: ein breiter Kiefer, markantes Kinn, trainierter Body und am besten mindestens 1,83 Meter Körpergröße. Models wie Francisco Lachowski und Jordan Barrett dienen dabei als Vorbilder. Auch Schönheitschirurg Dr. Matthias Koller beobachtet, dass Männer heute stärker auf ihr Aussehen achten: „Sie sind zunehmend schönheitsbewusst und lassen sich auch behandeln.“ Die Rechnung dahinter klingt simpel: Wer besser aussieht, bekommt mehr Anerkennung und hat bessere Chancen bei Frauen. Schönheit wird zur Checkliste, der Körper zum Projekt.

Ein junger Mann trainiert in einem Fitnesstudio.
Softmaxxing in Form von Krafttraining, Körperpflege und gesundem Lebensstil ist durchaus positiv. Problematisch sind riskante Hardmaxxing-Methoden.

Die Ideale von jungen Männern

Sean O’Pry (37) 
Der US-Amerikaner wurde mit ausgeprägten Gesichtszügen zu einem der erfolgreichsten männlichen Models. Sein Aussehen gilt in vielen Foren als besonders maskulin. 

Francisco Lachowski (35) 
Looksmaxxing-Anhänger sehen in dem Brasilianer eine maskuline und ausgewogene Ästhetik: markante Kieferlinie, dunkles Haar und ein weicherer Ausdruck. 

Jordan Barrett (29) 
Helle Augen, hohe Wangenknochen, volle Lippen, kantiges Gesicht: Für die Szene vereint der Australier Attraktivität, Jugendlichkeit und androgynen Stil.

Eine Spritze in der Nähe eines männlichen Auges.
Hardmaxxing: Selbst injizierte Substanzen sollen Gesichtskonturen verändern. Fachleute warnen vor Infektionen und Gewebeschäden.

Schönheit um jeden Preis

Zunächst beginnt die Selbstoptimierung harmlos mit Skincare, ausreichend Schlaf, Krafttraining, Styling. In der Community wird das „Softmaxxing“ genannt. Klingt sinnvoll, vieles davon ist es auch. Doch für manche reicht das nicht. Der Kiefer muss definierter werden, die Wangen schmaler, die Methoden werden immer extremer. Männer nehmen entwässernde Medikamente oder Steroide, spritzen sich selbst Fettlöser ins Gesicht oder verletzen beim „Bone Smashing“ gezielt ihre Gesichtsknochen, um markantere Züge zu bekommen. „Diese Selbstversuche sind sehr gefährlich. Abgesehen davon würde ich diesen Menschen dringend raten, sich psychologische Hilfe zu holen“, warnt Dr. Koller. Andere lassen sich für Zehntausende Euro sogar die Beine verlängern, eine schmerzhafte Prozedur. Spätestens hier spricht man von „Hardmaxxing“, bei dem die Grenze zwischen Optimierung und Selbstschädigung verschwimmt.

Ich möchte nicht, dass unsere Kinder in einer Welt groß werden, in der Gesichtsmaße eine wertende Rolle spielen.

Dr. Matthias Koller, Plastischer Chirurg, Puchenau bei Linz

So klingt Looksmaxxing in Foren

„Seid brutal ehrlich: Was zieht mein Aussehen am meisten runter? Auch das, was ich nicht fixen kann.“ 
Lukas H., 18 

„Bewertet mich von 1 bis 10: Kiefer, Wangen, Symmetrie, Haut, Augen.“ 
Milan I., 22 

„Wie komme ich zu einer beidseitigen Kieferoperation?“ 
Daniel S, 17 

„Mein Side Profile sieht nach dem Bone Smashing legit besser aus... Rating, pls.“ 
Samir H., 24 

„Alle sagen, Look ist nicht alles. Warum bekommen dann immer die Chads die besten Frauen?“ 
Phil A., 20 

„Frauen wollen Versorger... aber sobald er Grenzen setzt, kommt direkt das Toxisch-Label.“ 
Sam K., 27

Jemand schaut sich etwas auf dem Handy an. Nur Finger sind zu sehen.
Männer tauschen sich auf Social Media und in gezielten Foren aus.

Hass auf Frauen

Hinter dem Wunsch, immer besser auszusehen, steckt oft mehr: die Suche nach Selbstwert, Bestätigung und einem Ideal davon, wie ein Mann sein soll. Viele Teenager fühlen sich einsam, unsicher und ausgegrenzt. In Looksmaxxing-Foren und auf Social Media finden sie Gleichgesinnte und eine einfache Erklärung für ihre Probleme. Nicht Schüchternheit, fehlende soziale Kontakte oder eine schwierige Lebenssituation seien das Problem, sondern Gesicht und Körper. Hier berührt Looksmaxxing die Incel-Szene und die sogenannte Manosphere. Dort gilt Aussehen als Eintrittskarte zu Status, Karriere und weiblicher Aufmerksamkeit. Bleibt das Interesse von Frauen dennoch auch, ist der Schuldige schnell gefunden: die Frauen selbst, angeblich oberflächlich, unehrlich und nur auf Status bedacht. Aus Selbstzweifel wird Fatalismus, aus Fatalismus kann Frauenfeindlichkeit werden.

Vorbilder der Wut

Bedient werden diese Vorstellungen von ideologischen Leitfiguren der Szene. Dazu zählt Influencer Braden Peters alias „Clavicular“. Der 20-Jährige ist durch misogynen Aussagen aufgefallen, jüngst wurde wegen Vergewaltigung Anklage gegen ihn erhoben. Im Manosphere-Kosmos prägt Andrew Tate ein radikales Männerbild, in dem sich Frauen Männern unterordnen sollen. Gegen ihn laufen in mehreren Ländern Verfahren unter anderem wegen Vergewaltigung und Menschenhandels. Der 39-Jährige sitzt derzeit in Miami in Haft. Diese Fälle sind kein Beweis dafür, dass Looksmaxxing automatisch zu Gewalt führt. Sie zeigen aber, wohin ein Umfeld führen kann, in dem Aussehen, sexueller Erfolg, Dominanz und der Wert von Frauen ständig miteinander verknüpft werden. Die Frage lautet dann nicht mehr nur: Wie werde ich attraktiver? Sondern: Wem gebe ich die Schuld, wenn ich trotzdem nicht begehrt werde?

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