E-Bike Boom: Steigende Preise, lange Wartezeit

Die Liebe zum Fahrrad greift weiter flächenbrandartig um sich. Corona, Social Distancing und neue Mobilitätskonzepte haben die Nachfrage zusätzlich angeheizt. Mit 2021 steht der Fahrradindustrie ein weiteres Rekordjahr ins Haus. Absatzzahlen steigen aktuell im zweistelligen Prozentbereich. Die Nachfrage ist so hoch, dass manche Modelle Mitte März bereits restlos ausverkauft waren. Wer eine besondere Ausführung möchte, muss bis zu drei Monate Wartezeit in Kauf nehmen. „Für einige Räder können wir aktuell keine seriöse Lieferzeit nennen“, berichtet ein Händler. „Wir mussten teils treue Kunden zur Konkurrenz weiterschicken.“

Lieferschwierigkeiten führen zu Wartezeiten

Die leeren Lager liegen aber leider nur teilweise an der unbändigen Radel-Lust: Schuld sind in erster Linie Lieferschwierigkeiten der Zulieferindustrie: Ohne Sattel, Schaltung und Bremsscheibe kommt die Produktion nicht ins Rollen. Genau diese Teile werden aber nur von einigen wenigen Herstellern produziert. Und wieder führt das Problem nach China. Lockdown, Quarantäne, Entlassungen: Shimano, dem größten Hersteller von Schaltungen und Bremsen, ist bis heute weder eine Rückkehr zum Produktions- noch Aufholung des Rückstands gelungen. Damit nicht genug, kommt es auf den Weltmeeren zu regelrechten Staus. Von Asien nach Europa verschiffte Ware verzögert sich phasenweise empfindlich.

Preise steigen - Lieferkosten sind schuld

Die brenzlige Situation der Lieferketten kommt zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt: E-Bikes erleben weltweit einen Boom. Hitzige Gefechte um verfügbare Waren und Preisschlachten sind die Folge. Und das Ausnahmsweise nicht zur Freude der Konsumenten. „Die Transportkosten haben sich verdrei- bis vierfacht“, berichtet Intersport Geschäftsführer Thorsten Schmitz. Zum Teil sei das an die Kunden weitergereicht worden. Die Nachfrage habe zwar sonst keine Auswirkungen auf den Preis gehabt, aber: „Es gibt weniger Spielraum bei Nachlässen, weil eben die Kapazitäten ohnehin schon recht klein sind.“

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Österreichische Hersteller profitieren

Allein der europäische Markt für E-Bikes soll sich bis 2025 verdreifachen. Das freut auch österreichische Hersteller: Verließen im abgelaufenen Geschäftsjahr 160.000 Elektrofahrräder das KTM-Fahrrad-Werk in Oberösterreich, sind es in diesem Jahr 240.000 und nächstes Jahr 290.000 Einheiten. Nicht nur traditionsreiche Platzhirsche, auch die Start-Up-Szene mischt am Markt emsig mit. Eine Erfolgsgeschichte „Made in Vienna“ ist das 2013 gegründete Unternehmen woom. Heute zählt es zu den erfolgreichsten Kinderfahrrad-Marken Europas. Im Vorjahr wurde das erste E-Mountainbike für Kinder vorgestellt. Apropos: Die starke Nachfrage nach E-Mountainbikes ist übrigens eine typisch österreichische Eigenart. Aber kein Wunder im Land der Berge und Outdoorsport-Begeisterten.

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Finanzielle Vorteile und Fördermodelle für E-Bikes

Die E-Drahtesel halten vermehrt in den Straßenbildern der Citys Einzug. Neben umstrittenen Pop Up-Fahrradwegen, sind es Mobilitätskonzepte wie elektrobetriebene Diensträder, die die Entwicklung zusätzlich befeuern. Vor allem finanzielle Vergünstigungen locken auch zweifelnde Stadtbewohner aufs Zweirad. Die Devise: Dienstfahrrad statt -Wagen! Plattformen und geförderte Leasingmodelle (z.B. Will-Dienstrad oder Firmenradl) unterstützen Arbeitgeber und -nehmer beim Umsatteln.

Autor: Stefanie Hermann, 19.04.2021