Internet ist Horror, sagt Schönheitschirurg Werner Mang

Die Lindauer Klinik ist eine der größten Einrichtungen für ästhetische Chirurgie in Europa, Prof. Mang geht seinem Business aber auch in Moskau und Shanghai nach. Und er hat eine besondere Affinität zu Wien: Als Student hat er in der Mariannengasse gewohnt, in einem Zimmer mit Kohleheizung. Im Winter war es dort so kalt, dass an den Fenstern Blumen aus Eis entstanden sind. Eine unvergessliche Zeit. Allein schon die Besuche im Hawelka habe ich nicht vergessen!“

Ein ausladender Po oder eine Stupsnase wie bestimmte Celebreties: Kommen junge Menschen tatsächlich mit solchen Wünschen und Vorstellungen zu Ihnen?

Werner Mang: Bis 1945 war das Schönheitsideal konstant. Bei den Männern der David von Michelangelo und bei den Frauen die Venus von Milo. Kleine Brüste, üppige Formen im Bauch und Oberschenkelbereich. Seit Beginn des Medienzeitalters hat sich das Schönheitsideal immer wieder gewandelt. Zunächst kam die Bardot, volle Lippen, kleine Nase, große Brüste. Dann Twiggy, da waren alle Mädchen abgemagert, gefolgt von der Ära Claudia Schiffer mit Stupsnase, Maße: 90-60-90. Zeitweise Brigitte Nielsen mit übertriebenen Brüsten und Pamela Anderson.

 

Und jetzt wollen alle den Po von Kim Kardashian haben, die Nase von Selena Gomez. Bei den Männern sind nicht mehr George Clooney oder Brad Pitt gefragt, sondern Justin Bieber und Co. Eine verrückte Welt. Mein Schönheitsideal ist aber nicht, dass man ein Champagnerglas auf dem Po abstellen kann, sondern natürliche Schönheit.

Wie gehen Sie vor, um abstruse Wünsche von jenen zu unterscheiden, die Sie tatsächlich behandeln?

Werner Mang: Als verantwortungsvoller Schönheitschirurg muss man nicht nur gut ausgebildet und künstlerisch veranlagt, sondern auch Psychologe sein. Etwa zehn Prozent meiner Patienten schicke ich wieder nach Hause oder zum Psychologen. Beispiele aus meiner täglichen Praxis: Herausschneiden der siebten Rippe, um eine Taille wie Victoria Beckham zu haben, Brustimplantate bei Männern, um den früheren Body von Silvester Stallone nachzuahmen, Mega-Brustimplantate über 500 Gramm bei Frauen. Mein Motto ist: vernünftige Schönheitschirurgie ja, Schönheitswahn nein.

US-Reality Star Kim Kardashian in einem Jeanseinteiler

Mein Motto ist: vernünftige Schönheitschirurgie ja, Schönheitswahn nein. Vernünftige ästhetische Chirurgie ist die gesamte Facelift-Chirurgie im Alter. Nasenchirurgie, wenn jemand eine Höcker-Lang-Nase und ein fliehendes Kinn hat. Viele Frauen haben gar keine Brüste, oder riesige Brüste. Das sind medizinische Indikationen, und natürlich die Modellierungen, wenn ein Mädchen eine Reithose von der Oma geerbt hat, dann traut sie sich nicht ins Schwimmbad. Das kann man wunderbar absaugen. Auch Haartransplantationen sind der Renner. Seit sich der Trainer Jürgen Klopp und viele Fußballstars geoutet haben, will jeder mehr Haare haben.

Es gibt doch sicher zahlreiche Prominente, die sich in Ihrer Klinik von Ihnen verschönern lassen?

Werner Mang: Natürlich. Als Pionier der Schönheitschirurgie habe ich etwa Anfang der achtziger Jahre Götz George an der Nase operiert, nachdem er sich beim Tatort bei einer Actionszene nicht doubeln ließ. Ich habe ihn nach einer Gesichtsfraktur wieder zusammengeflickt. Ingrid Steeger war auch eines der ersten Liftings in Deutschland, die ich erfolgreich durchgeführt habe. Von Anfang an waren viele Prominente in meiner Behandlung. Das ist bis heute so geblieben. In der Bodenseeklinik wird das ganz anonym gemacht, denn die Schönheitschirurgie ist immer noch ein Tabu-Thema. Warum, weiß ich nicht, denn wenn ich mir einmal meine Schlupflider und Tränensäcke vom Oberarzt operieren lasse, dann stehe ich dazu.

 

Porträt des verstorbenen Schauspielers Götz George

Welchem Star hätten Sie persönlich von einem Eingriff abgeraten?


Werner Mang: Obwohl mich die Nase von Steffi Graf schon sehr gejuckt hätte, würde ich ihr von einer Korrektur trotzdem abraten. Sie ist ein sportlicher Typ, steht zu ihrem Aussehen und ist glücklich in Las Vegas mit ihrer Familie.

Man kann auch viel selbst tun. Durch mediterrane Ernährung, gesunden Schlaf, Sport und Bewegung. Denn der Schönheitskiller Nummer Eins ist das Übergewicht. Nicht über Bodymaßindex 24!

1987 haben Sie die Deutsche Gesellschaft für Ästhetische Medizin gegründet. Was ist für Sie seither die größte Errungenschaft?

Werner Mang: Es hat sich viel verändert. Sowohl von den Materialien her, die sind viel besser geworden, als auch von der OP-Technik. Kürzere Liegezeiten durch die Endoskopien, Coolsculpting, Vampirlift, Minilift, und so weiter: Die Methoden haben sich deutlich verbessert. Eine Nasenkorrektur in den Achtzigern hatte wochenlang Schwellungen und Blutergüsse zur Folge. Heute wird die OP nahezu schmerzfrei und ohne Schwellungen ausgeführt. Facelift-Patienten sind bei guter Heilung nach zehn Tagen wieder gesellschaftsfähig.

Porträt des deutschen Schönheitschirurgen Werner Mang

Wie sieht heute eine typische PatientInnenkarriere aus? 

Werner Mang: Die typische Patientenkarriere fängt heute leider im Internet an. Schon Teenager sind mit ihrem Aussehen unzufrieden, in Österreich laut Studien jedes dritte 14-jährige Mädchen. Ich kann nur sagen: Horror Internet. Auf Instagram wird den Jugendlichen erzählt, wenn du gut aussiehst und schlank bist, dann machst du eine Karriere! Deshalb sitzen teilweise 15-jährige Buben und Mädchen bei mir in der Sprechstunde und wollen aussehen wie irgendwelche Influencer, deren Bilder meistens ohnehin manipuliert sind. Also Vorsicht vor den Idealen im Internet und sich nur von einem seriösen Arzt beraten lassen, der auch mal nein sagt.

Ihr Signature-Eingriff war und ist die Nasenkorrektur. Wieviele Nasen haben Sie schon gemacht? 

Werner Mang: Ja, bei 10.000 Nasenkorrekturen habe ich aufgehört zu zählen. Es ist tatsächlich so, dass ich jeden Tag als Erstes in der Früh eine Nasenkorrektur durchführe, dann beginnt der Tag schon sehr schön und ich hoffe, dass ich das auch noch die nächsten zehn Jahre machen kann. Eine Nase zum Frühstück, dann ist der Tag in Ordnung.

Luftansicht der Bodenseeklinik in Lindau
Autor: Andrea Schröder, 08.02.2021