Der Revoluzzer mit Schmäh: Interview mit Michael Mittermeier

Warum heißt Ihr neues Programm "Blackout"?

Michael Mittermeier: Weil so viele Blackouts in der Welt passieren und alle permanent Angst vor Blackouts haben: Ob im Strom, Internet oder davor, dass einer durchdreht und mit der Pumpgun in den Supermarkt geht. Ich mache immer gerne große und ernste Themen, die aktuell sind.

Hatten Sie selbst auch schon Blackouts?

Michael Mittermeier: Na klar, geht doch gar nicht ohne! Aber dann improvisiert man man und meist wird’s lustiger als vorher. Man muss sich nur darauf einlassen. Ich spiele ja auch immer österreichische Varianten meiner Programme – da hab ich zum Teil keine festgeschriebenen Texte und muss auch improvisieren.

London, New York, Dublin: Sie jetten um die Welt. Gibt es kulturelle Unterschiede im Humor?

Michael Mittermeier: Das sind alles Klischees, die nicht stimmen. Vor dir sitzen 150 Leute und die interessieren sich nicht für Klischees. Ich habe eine Woche in London gespielt – da hast du auch Typen aus Manchester drin sitzen. Es gibt nicht DEN Engländer, du hast kein homogenes Publikum. In Wien sitzen ja auch nicht nur Wiener drin. Nie würde einer sagen: Alle Österreicher sind genau so und so.

Oft sagt man, Österreicher haben einen trockenen Humor ...?

Michael Mittermeier: Aber nicht alle! Der Strache z.B. hat gar keinen Humor, also ist er auch kein Österreicher, oder? Oh, war das jetzt anti-national? Er ist ein Hetzer, und wenn man was Lustiges über ihn sagt, dann klagt er. Also ist er kein Österreicher und wir sollten ihn eigentlich ausweisen.

Sie sind streng katholisch aufgewachsen, besuchten eine Klosterschule. Gibt es für Sie Grenzen im Humor?

Michael Mittermeier: Nicht wirklich. Der Österreicher würd' sagen: A guade Wuchtl rechtfertigt auch a schwieriges Thema – und genauso ist es. Wenn du ein Thema hast wie z. B. die ISIS - natürlich sind das Hardcore-Themen, die nicht per se lustig sind. Aber das Wesen des Humors ist ein Loslassen und eine Befreiung. Du machst Witze über den Tod, weil du Angst vor dem Tod hast. Aber wenigstens lässt du's mal raus! Wir machen Witze über Hitler, weil wir das Böse so klein machen.

Damit meinen Sie also Galgenhumor?

Michael Mittermeier: Galgenhumor hat eine lange Tradition, z. B. im jüdischen Humor, der ein großartiger Humor ist. Das war auch eine Art Verteidigung, weil Juden immer schon verfolgt worden sind, nicht nur in der Nazizeit. Da gibt es Beispiele in Zellen, wo die Menschen wussten, sie werden gleich umgebracht und haben noch Witze auf die Wände geschrieben. Es war wie eine Befreiung, eine Selbstreinigung, ein Rauslassen – damit man mit diesem Wahnsinn dealen konnte. Der Punkt ist auch, dass du mit dem Wahnsinn draußen oft nur umgehen kannst, indem du Humor einbaust, es als surreal hinstellst. Das ist mein Job! Ich bilde das Absurde ab.

Wie sind Sie Comedian geworden?

Michael Mittermeier: Ich bin mit zehn Jahren schon auf der Bühne gestanden und habe gemerkt, dass etwas mit dem Publikum und mir passiert. Als Kind ist es so: Macht dir etwas Spaß, machst du weiter. Aus Zufall passieren die Dinge nicht, sondern weil du gute Sachen machst. OK, es gibt auch viele schlechte Comedians, bei denen ist es wohl wirklich Glück. Aber ich hab' mir den Arsch aufgerissen.

Was sagen Sie zu Menschen, die Sie nicht lustig finden?

Michael Mittermeier: Gar nichts, die sind nicht mein Problem. Man muss Meinungsfreiheit tolerieren.

Kurz-Bio

Geboren: 13. April 1966 im bayerischen Dorfen.

Karriere: Mittermeier studierte in München Amerikanistik, schrieb in seiner Abschlussarbeit über "Amerikanische Stand-Up-Comedy". Noch vor Beendigung des Studiums feierte Mittermeier erste Erfolge als Komiker. Im Jahr 1996 gelang ihm mit "Zapped" der Durchbruch. Seitdem ist er auf internationalen Bühnen unterwegs.

Termine: Am 2. bis 5. Juni 2015 spielt er sein Programm "Blackout" in der Wiener Stadthalle.

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Autor: Tamara Hörmann, 12.05.2015