Wolf: Eiernockerl sind Nazi-Code

Jährlich sorgen ausgerechnet Eiernockerl und Salat am 20. April in den sozialen Medien für Aufregung.
Autor: Stefanie Hermann, 20.04.2022 um 12:02 Uhr

Eiernockerl mit Salat, das soll die Leibspeise von Adolf Hitler gewesen sein. Pünktlich zum Geburtstag des Führes am 20. April findet sie sich noch immer im Tagesmenü etlicher Gaststätten des Landes. Und nicht nur das: Um keinen Zweifel am Kontext zu lassen, wird sie zudem häufig mit 8,80 Euro ausgepreist. 88 ist ein Neonazi-Code für HH. H ist der achte Buchstabe des Alphabets, HH steht in der Szene für "Heil Hitler".

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Reiner Zufall?

Dass es sich dabei um einen reinen Zufall handelt, kann in einem Großteil der Fälle ausgeschlossen werden. Erst 2021 wurde ein Polizist wegen Wiederbetätigung zu einer Geldstrafe von 6.300 Euro verurteilt. Stein des Anstoßes war ein Internetposting von Eiernockerln mit grünem Salat - am 20. April. Auch Armin Wolf ist sicher: "Zufällige Eiernockerl" am 20. April gibt es nicht und verweist auf einen Artikel der Online-Plattform Vice aus dem Jahr 2016. Wolf auf Twitter: "Es gibt tatsächlich noch immer Lokale, die zufällig am Tag von Hitlers Geburtstag dessen Lieblingsgericht auf die Tageskarte setzen.Ganz zufällig um € 8,80, sicher ohne zu wissen, dass '88' ein Neonazi-Code für 'Heil Hitler' ist. Zufälle gibts…'

Einzelfälle häufen sich

Nichtdestotrotz findet sich das Gericht auch heute wieder in etlichen Tagesmenüs des Landes - darunter auch im Restaurant einer bekannten Möbelhauskette. Wie die Recherchen von weekend.at ergeben haben, haben sowohl der Marienhof als auch Nekam's Stüberl die Nockerl mittlerweile von der Karte genommen.

 

Sturm im Wasserglas?

So mancher User vermutet hinter dem Wirbel um die Eiernockerl ein reines Social Media Phänomen und kann die Aufregung nicht verstehen. So etwa Rey Mcsriff:  "Die Wiederauferstehung des Nationalsozialismus begann mit Bildern von Eiernockerl und grünen Salat in sozialen Netzwerken." Für einen Wiener Wirten ist die Aufregung bitterer Ernst geworden. Er sieht sich jetzt in seiner Existenz bedroht und mit Morddrohungen konfrontiert.

"Er isst wieder da"

Und auch Wolf nimmt's im weiteren Thread entspannt. Den Titelvorschlag haben wir diesmal zwar ungenützt lassen müssen, wollen ihn aber nicht vorenthalten:  "Sollte zu den Eiernockerln am 20. April zufällig wer eine aktuelle Geschichte planen, hätte ich einen Titelvorschlag: 'Er isst wieder da'."