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Ein Weinglas vor Reben auf einem Weinberg.
Der Umgang mit Bio-Zertifizierung steht nun im Fokus.
Der Umgang mit Bio-Zertifizierung steht nun im Fokus.
iStock.com/reinobjektiv

Weingut Cobenzl: Mega-Skandal um „Bio-Wein“

21.01.2026 um 12:08, Simone Reitmeier
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Wirbel um Weingut Cobenzl: Trotz Bio-Siegel soll auf großen Flächen konventionell mit chemischen Hilfsmitteln gearbeitet worden sein.

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Rund um das Weingut Cobenzl braut sich gerade ein ordentliches Gewitter zusammen. Offenbar wurde auf dem städtischen Wiener Weingut trotz offiziellem Bio-Gütesiegel alles andere als biologisch gewirtschaftet. Das will der Kurier bei Recherchen herausgefunden haben.

Wohl doch nicht so bio

2024 hat SPÖ-Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky noch groß verkündet, dass Cobenzl-Weine ab dem Jahrgang 2023 das Bio-Gütesiegel tragen dürfen. Doch so genau hat man es mit dem biologischen Anbau wohl doch nicht genommen. Wie der Kurier herausgefunden hat, wurden auf der Hälfte des 60 Hektar großen Weinbergs chemische Hilfsmittel verwendet – für einen Bio-Betrieb quasi ein No-Go. Die zuständige MA 49 (Forst- und Landwirtschaftsbetriebe) hat auf eine Anfrage wie folgt reagiert: „Im Jahr 2024 wurden aus betriebsstrategischen Gründen rund 30 Hektar am Bisamberg auf konventionelle Art und Weise bewirtschaftet. Die Rebflächen befinden sich bereits wieder in der Umstellungsphase auf Bio.“ Das ist ein Eingeständnis, dass die Fläche nicht biologisch bewirtschaftet wurde, wie offiziell verkündet.

Enormer und teurer Imageschaden

In der Weinszene ist die Aufregung mittlerweile groß, für Cobenzl bedeutet das einen immensen Imageschaden. Aber nicht nur das – die ganze Sache dürfte auch richtig teuer werden. Denn wenn man auf Bio umrüstet, ist eine dreijährige Umstellungsphase einzuhalten. Das heißt: Erst ab 2028 darf das Weingut wieder die teureren Bio-Tropfen verkaufen.

Wurden Kunden getäuscht?

Nicht nur, dass Bio-Bestimmungen trotz Zertifikat nicht eingehalten wurden und das offenbar geheim bleiben sollte – zumindest wurde es nicht kommuniziert –, könnte auch noch hinzukommen, dass Kunden getäuscht wurden. Der Kurier hat in seinen Recherchen die Regale bei Interspar (größter Abnehmer von Cobenzl) durchforstet – und ist fündig geworden. Im Regal habe man einen Bio-Wein entdeckt, den es den Enthüllungen zufolge gar nicht geben dürfte. Laut MA 49 habe man aber alle Flaschen ordnungsgemäß etikettiert und nicht als Bio-Weine in den Handel gebracht. Offenbar ist das so aber nicht ganz richtig.

Entsetzen in der Stadt Wien

Die Causa schlägt auch in der Wiener Stadtpolitik hohe Wellen. Von einem „Weinskandal ungeahnten Ausmaßes“ und einem „schweren Imageschaden für den Wiener Weinbau“ spricht beispielsweise LAbg. Michael Stumpf von der FPÖ Wien. Die FPÖ Wien werde entsprechende Anfragen an den zuständigen SPÖ-Stadtrat Czernohorszky einbringen, um für eine lückenlose Aufklärung zu sorgen. 

Ähnlich reagieren die Grünen: „Wenn eines der größten städtischen Weingüter Flächen konventionell bewirtschaftet, während es sich als Bio-Vorzeigebetrieb präsentiert, dann ist das nicht nur ein Imageschaden für das Weingut Cobenzl, sondern auch ein Vertrauensverlust in die gesamte Bio-Zertifizierung“, zeigt sich Tina Wirnsberger (Umwelt- und Ernährungssprecherin) empört. Auch sie fordert eine rasche und transparente Aufklärung. 

Aus dem gleichen Rohr pfeift auch die Wiener ÖVP. Laut Umweltsprecherin Elisabeth Olischar werfe das „schwerwiegende Fragen auf und sei ein erheblicher Schaden für die Glaubwürdigkeit“. Der aktuelle Fall reihe sich in eine Serie von Vorgängen ein, bei denen es im Bereich der MA 49 wiederholt an Transparenz und nachvollziehbarer Kommunikation mangle. Olischar fordert ebenfalls vollständige Aufklärung.

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