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Seilbahn über der Wiener Donauinsel an einem sonnigen Tagv | Credit: ZOOM VP.AT/Genial Tourismus- & Projektentwicklung GmbH
ZOOM VP.AT/Genial Tourismus- & Projektentwicklung GmbH

Seilbahn für Gaffer: FKK-Fans fürchten Spanner

21.04.2023 um 11:27, Rudolf Grüner
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Ärger im Nudisten-Paradies auf der Wiener Donauinsel: Freunde der Freikörperkultur fürchten, dass ihnen Passagiere künftig mit Kameras auflauern.

Eine Seilbahn hoch über der Stadt: Diese Idee geistert immer wieder über Wien. Jetzt will ein Tourismusentwickler Heiligenstadt mit dem Kahlenberg hoch in den Lüften verbinden. Das Mammut-Projekt soll dabei unter anderem über die Donauinsel und Strebersdorf auf den Aussicht- und Ausflugs-Hotspot führen. Doch die geplante Linienführung bringt das Blut vieler Nudisten, die auf der Insel ihrem Freizeitvergnügen frönen, ganz gehörig in Wallung. Sie sehen ihre Privatsphäre schon jetzt verletzt. Widerstand regt sich.

Einladung für Foto-Jäger?

"Seit es Handykameras gibt, ist mir das nicht mehr wurscht. Ich will nicht, dass ich im Internet lande" erregt sich etwa Naturistin Barbara Hausjell gegenüber der APA. Die Pensionistin aalt sich regelmäßig im FKK-Bereich auf der Höhe Strebersdorf in der Sonne. Mögliche Spanner, die ihr dabei künftig aus den Kabinen zusehen, regen sie schon jetzt auf. "Auf so einer großen Strecke über und entlang der Donauinsel zu fahren, ist ja fast eine Einladung, die Kamera auszupacken", meint die 72-Jährige. Die eigene Intimsphäre würde schwer gestört. Ein Umstand, den Hausjell als sehr "bedauerlich" empfinden würde.

Front gegen das Projekt

Eine Beeinträchtigung erkennen auch die Floridsdorfer Grünen. Laut Klubobmann Heinz Berger sei die FKK-Zone aber nicht das einzige Argument, das gegen die Seilbahn sprechen würde. Innerhalb des 21. Bezirks ist man auf politischer Ebene ganz generell skeptisch. Jenseits der Donau hat sich mittlerweile eine breite Front gegen das Projekt gebildet, in der Vertreter fast aller Couleurs zu finden sind.

Auf so einer großen Strecke über und entlang der Donauinsel zu fahren, ist ja fast eine Einladung, die Kamera auszupacken.

Barbara Hausjell
nackte Damenbeine im grünen Gras
Nackte Tatsachen in der Wiener Wildnis.

Wenig Verständnis für Aufregung

Projektentwickler Hannes Dejaco kann die ganze Aufregung nicht nachvollziehen. Der Bereich, wo sich Streckenführung und FKK-Zone kreuzen würden, sei nur ein sehr kleiner, wie er gegenüber der APA betont hat. "Wir tangieren nur einen kurzen Ausschnitt in der Länge von 200 Metern." Um die Wogen zu glätten, hat die planende Genial Tourismus- und Projektentwicklungs-GmbH auch schon Lösungsvorschläge parat.

Kabine mit Sichtschutz

 

"Um Erholungssuchende auf der Donauinsel und hier besonders im FKK-Bereich vor Blicken der Fahrgäste zu schützen, können die Fenster der Kabinen bei Bedarf mit einer automatischen Milchglasschaltung versehen werden." Damit ließe sich beispielsweise der untere Teil der Kabinen bei der Überfahrt über die entsprechenden Bereiche automatisch undurchsichtig schalten. Für Dejaco sind die künftigen Seilbahn-Gäste aber nicht die wahren Störer der Intimsphäre. Schon jetzt führt ein Radweg entlang der Donau. "Da können die Radler genauso rüber schauen auf den FKK-Bereich."

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