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Stifte und Akten, die auf ein Insolvenzverfahren hinweisen sollen
Die Atlas GmbH setzt die Produktion ihrer Bagger und Krane trotz des laufenden Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung uneingeschränkt fort.
Die Atlas GmbH setzt die Produktion ihrer Bagger und Krane trotz des laufenden Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung uneingeschränkt fort.
designer491/iStock

400 Jobs wackeln: Traditionsbetrieb ist pleite

12.02.2026 um 14:23, Weekend Redaktion
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Die Atlas GmbH stellt Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Eine ganze Gemeinde kämpft um einen großen Traditionsbetrieb.

Die Atlas GmbH mit Sitz in Ganderkesee (Deutschland) befindet sich in einer wirtschaftlich kritischen Phase. Am 6. Februar 2026 ordnete das Amtsgericht Delmenhorst ein (vorläufiges) Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung an. Von diesem Schritt sind mehrere Gesellschaften der traditionsreichen Atlas-Gruppe betroffen, die nun einen umfassenden Sanierungsprozess einleiten.

Unternehmen, Bedeutung und Geschäft

Die Atlas GmbH ist ein seit 1919 bestehendes Traditionsunternehmen und zählt in der Gemeinde Ganderkesee zu den bedeutendsten Arbeitgebern der Region. Als bekannter Hersteller von Baumaschinen umfasst das Portfolio insbesondere Mobilbagger, Raupenbagger sowie hochwertige Ladekrane. Die Atlas-Gruppe betreibt drei Standorte in Ganderkesee, Delmenhorst und Vechta, an denen zuletzt mehr als 400 Mitarbeiter beschäftigt waren. Der Jahresumsatz der vom Insolvenzverfahren betroffenen Gesellschaften belief sich zuletzt auf rund 150 Millionen Euro.

Ursachen der Krise und Ausgangslage

Den Antrag auf ein Insolvenzverfahren begründet die Atlas-Gruppe mit einer anhaltenden Marktschwäche in der internationalen Bauwirtschaft. Sinkende Auftragseingänge und eine mangelnde Auslastung der Produktion belasten die Liquidität der Atlas GmbH. Laut Betriebsrat spielen zudem die Krise im deutschen Bausektor sowie die aktuelle Zollpolitik der USA eine wesentliche Rolle bei der Zuspitzung der wirtschaftlichen Lage. Trotz vorheriger Restrukturierungsversuche und finanzieller Unterstützung durch die Gesellschafterseite konnte der Gang zum Insolvenzgericht nicht vermieden werden.

Insolvenz in Eigenverwaltung und rechtlicher Rahmen

Das Amtsgericht Delmenhorst hat für die Atlas GmbH sowie weitere Tochtergesellschaften (darunter Atlas Spare Parts und Atlas Kompakt) die Sanierung in Eigenverwaltung genehmigt. In diesem speziellen Insolvenzverfahren bleibt die bisherige Geschäftsführung voll handlungsfähig. Sie wird jedoch durch einen gerichtlich bestellten Sachwalter überwacht.

Für die Belegschaft der Atlas GmbH gibt es eine erste Entwarnung: Die Löhne und Gehälter sind über das Insolvenzgeld bis Ende April 2026 abgesichert. Der laufende Geschäftsbetrieb, die Produktion sowie der Ersatzteilservice werden uneingeschränkt fortgeführt. Parallel dazu wurde eine internationale Suche nach neuen Investoren eingeleitet, um die Atlas-Gruppe langfristig zu stabilisieren.

Akteure, Rollen und neue Führungsstruktur

Als vorläufiger Sachwalter im Insolvenzverfahren der Atlas GmbH wurde Rechtsanwalt Hendrik Gittermann (Kanzlei Reimer) bestellt. Die operative Restrukturierung leiten die Sanierungsexperten Dr. Malte Köster und Dr. Hans-Joachim Berner als Generalbevollmächtigte.

Im Zuge der Krise gab es personelle Veränderungen an der Spitze der Atlas GmbH. Der langjährige CEO Brahim Stitou wurde abberufen. Die neue Geschäftsführung besteht nun aus einem Trio:

  • Lubomir Litchev (CEO, ehemals Manitex International)
  • Uri Toudjarov (Experte für digitale Baumaschinen-Marktplätze)
  • Volker Walter

Ziele des Verfahrens und Einordnung

Das primäre Ziel im Insolvenzverfahren ist die nachhaltige Sanierung der Atlas GmbH. Da das Gericht die Eigenverwaltung angeordnet hat, bestehen laut Experten belastbare Aussichten auf eine erfolgreiche Fortführung. Die starke Marke Atlas und die operative Leistungsfähigkeit der Werke bilden hierfür das Fundament. Die Gemeinde Ganderkesee begleitet den Prozess eng, da das Schicksal der Atlas GmbH für den lokalen Arbeitsmarkt von höchster Relevanz ist.

Reaktionen von Belegschaftsseite und Arbeitnehmervertretung

Die Arbeitnehmerseite, vertreten durch den Betriebsrat und die IG Metall, sieht in der personellen Neuausrichtung ein wichtiges Signal für einen Kurswechsel. Die Belegschaft hofft, dass die Atlas GmbH durch das Insolvenzverfahren die nötige Flexibilität gewinnt, um sich an die schwierigen Bedingungen der globalen Bauwirtschaft anzupassen. Bürgermeister Ralf Wessel betonte die Tradition des Unternehmens und sicherte im Rahmen der kommunalen Möglichkeiten Unterstützung zu.

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