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Themenbild zur Matura in Österreich
Bei der mündlichen Matura wird es derzeit keine Änderungen geben. Eine Reform ist für 2027 geplant.
Bei der mündlichen Matura wird es derzeit keine Änderungen geben. Eine Reform ist für 2027 geplant.
Elmar Gubisch/iStock

Mündliche Matura: Verschärfung vorerst abgesagt

25.03.2026 um 11:34, Marcel Toifl
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Keine Änderung bei der mündlichen Matura 2026: Das Bildungsministerium verschiebt die Reform auf 2027. Die Corona-Sonderregelung gilt vorerst weiter.

Aufatmen bei vielen Maturantinnen und Maturanten: Bei der mündlichen Matura bleibt im Juni 2026 alles beim Alten. Eine bereits angekündigte Änderung der Beurteilungskriterien wurde vom Bildungsministerium kurzfristig verschoben. Damit profitieren Schüler im kommenden Prüfungsdurchgang weiterhin von der umstrittenen, aber vorteilhaften Sonderregelung aus der Pandemiezeit.

Status Quo für den Jahrgang 2026

Trotz gegenteiliger Pläne kommt für die heurige mündliche Matura keine Mindestquote für das Bestehen der Prüfung. Ursprünglich war geplant, die Anforderungen nach oben zu schrauben, um das Niveau der Reifeprüfung zu sichern. Diese "Nachschärfung" wurde nun jedoch offiziell auf Eis gelegt.

Hintergrund: Die Corona-Regelung

Die aktuelle Praxis hat ihren Ursprung im Jahr 2020. Seither fließt die Jahresleistung stark in die Maturanote ein. Das bedeutet konkret:

  • Wer im Zeugnis mindestens ein "Befriedigend" (3) hat und schriftlich mindestens 30 Prozent der Punkte erreicht, muss bei der mündlichen Matura lediglich "mitwirken".
  • Inhaltliche Richtigkeit ist bei dieser reinen Mitwirkung oft zweitrangig, solange ein Prüfungsgespräch zustande kommt.

Warum die Reform scheiterte

Bildungsminister Christoph Wiederkehr hatte die Einführung eines Schwellenwertes für die mündliche Leistung forciert. Dass die Reform nun ausbleibt, liegt laut Ministerium an einer fehlenden Einigung mit den Koalitionspartnern ÖVP und SPÖ. Die Abstimmungsprozesse konnten nicht rechtzeitig für den Termin im Juni 2026 abgeschlossen werden.

Ausblick: Matura 2027

Die geplante Änderung ist nicht vom Tisch, sondern wird in ein größeres Reformpaket ("Freiraum Schule") integriert. Ziel ist es, den Schulen einen gebündelten Überblick über alle Neuerungen zu geben, anstatt Einzelmaßnahmen häppchenweise einzuführen. Neuer Zieltermin für die verschärfte mündliche Matura ist das Jahr 2027.

Kritik der Lehrergewerkschaft

Wenig Verständnis zeigt die Lehrergewerkschaft. Vorsitzender Herbert Weiß bezeichnet die Verschiebung als "skurril". Aus den Schulen gebe es vermehrt Rückmeldungen, dass die aktuelle Praxis der mündlichen Matura den Leistungsgedanken untergrabe. Viele Lehrer hatten sich bereits auf die neuen, strengeren Vorgaben vorbereitet und zeigen sich nun enttäuscht über die politische Verzögerung.

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