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KTM Enduro Motorrad im Gelände mit Fahrer bei Wheelie Symbolbild für Alibi Zulassung und entdrosselte Motorräder
KTM-Enduro im Gelände: Viele Modelle werden laut Recherchen zunächst gedrosselt zugelassen und später wieder entdrosselt genutzt.
KTM-Enduro im Gelände: Viele Modelle werden laut Recherchen zunächst gedrosselt zugelassen und später wieder entdrosselt genutzt.
KRxMedia / Shutterstock.com

KTM unter Druck: Recherchen decken Tricks bei Enduro-Zulassungen auf

27.05.2026 um 08:48, Stefanie Hermann
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Internationale Recherchen werfen KTM Alibi-Zulassungen vor. Händler entdrosseln Bikes, Fahrer riskieren Strafen und hohe Emissionen.

KTM steht unter Druck: Internationale Medienberichte werfen dem Hersteller Alibi-Zulassungen bei Enduro-Motorrädern vor. Eine Recherche in zehn Ländern zeigt ein mögliches System hinter gedrosselten und später entdrosselten Bikes.

KTM unter Druck durch internationale Recherche

Internationale Medienberichte setzen KTM massiv unter Druck. Ein Rechercheverbund aus zehn Ländern wirft dem österreichischen Hersteller vor, bei Enduro-Motorrädern auf sogenannte Alibi-Zulassungen zu setzen.

Demnach werden Maschinen mit Straßenzulassung verkauft, die in dieser Form eigentlich nicht für den Straßenverkehr gedacht sind. Ein großer Teil der tausenden zugelassenen Enduros dürfte laut Berichten dennoch im öffentlichen Verkehr unterwegs sein.

In der Szene gilt dieses Vorgehen seit Jahren als offenes Geheimnis. Wie viele der zugelassenen Motorräder tatsächlich im legalen Zustand unterwegs sind, ist unklar. Die Recherchen gehen jedoch davon aus, dass ein erheblicher Teil nicht den Vorschriften entspricht. In Österreich waren zuletzt rund 11.000 Enduro-Motorräder zugelassen.

Händler sprechen offen über Alibi-Drosselung

Brisant sind vor allem Undercover-Recherchen bei KTM-Händlern. Diese machen laut Berichten keinen Hehl daraus, dass die Drosselung nur auf dem Papier existiert.

„Alibi-Straßenzulassung“, sagt ein Verkäufer eines KTM-Händlers im Osten Österreichs gegenüber einem ORF-Reporter bei einem Undercover-Gespräch. „Wenn ich die gedrosselt fahre, dann zerreißt es sie nach 20 Kilometern.“

Die Aussagen des österreichischen Händlers sind kein Einzelfall. Eine internationale Recherche in zehn Ländern zeigt ein einheitliches Bild: Händler in mehreren europäischen Staaten verkaufen KTM-Enduros entdrosselt, die von Kunden in einem illegalen Zustand übernommen werden – teilweise inklusive unzulässiger Zulassungspapiere.

An der Recherche beteiligt waren unter anderem Der Standard, Der Spiegel, ZDF, Le Monde und El País. Koordiniert wurde das Projekt von der Organisation Climate Whistleblowers.

So funktioniert das System hinter den KTM-Bikes

Technisch läuft das System nach einem einfachen Prinzip ab. KTM liefert die Motorräder gedrosselt aus, um die gesetzlichen Vorgaben für die Zulassung zu erfüllen.

Gleichzeitig sollen jedoch oft Umbau-Teile mitgeliefert werden. Händler oder Kunden selbst entfernen die Drosselung und passen die Software an. In einzelnen Fällen bleiben Bauteile wie die Lambdasonde zwar verbaut, erfüllen jedoch keine Funktion mehr. Kontrollen sollen so erschwert werden.

Aus einer offiziell schwachen Maschine mit rund 15 PS wird so ein leistungsstarkes Bike mit bis zu 50 PS. Auf dem Papier bleibt das Motorrad zugelassen, in der Realität entspricht es nicht mehr den Vorschriften.

Die Praxis betrifft laut den Recherchen nicht nur KTM, sondern auch Schwestermarken und andere Hersteller im Enduro-Segment.

KTM-Enduros sind keine Straßenmotorräder

Die betroffenen KTM-Enduros sind eigentlich reine Wettbewerbsfahrzeuge. Sie werden für Offroad-Einsätze entwickelt und optimiert, nicht für den dauerhaften Betrieb auf öffentlichen Straßen.

Die Konstruktion ist auf maximale Leistung im Gelände ausgelegt. Die notwendige Drosselung für die Straßenzulassung widerspricht diesem Konzept. Ein Händler bestätigt das in den Undercover-Recherchen: Im gedrosselten Zustand seien die Motorräder praktisch „unbrauchbar“.

Die Straßenzulassung hat für viele Käufer dennoch eine Funktion: Sie ermöglicht etwa Versicherungsschutz, die Teilnahme an Rennen mit Verbindungsetappen oder die Nutzung auf öffentlichen Straßen.

Konsequenzen für Fahrer und Zulassungsinhaber

Die Praxis hat für Fahrer erhebliche rechtliche Konsequenzen. Wer mit einem entdrosselten Motorrad im Straßenverkehr unterwegs ist, verliert die Zulassung und begeht mehrere Rechtsverstöße. Es drohen hohe Verwaltungsstrafen, der Entzug des Führerscheins sowie strafrechtliche Ermittlungen.

Besonders schwer wiegt der Versicherungsschutz: Dieser gilt ausschließlich für den genehmigten Zustand des Fahrzeugs. Kommt es zu einem Unfall, kann der Vorwurf des Versicherungsbetrugs im Raum stehen.

Auch für Händler besteht ein Risiko. Sie können belangt werden, wenn sie nicht klar darauf hinweisen, dass ein umgebautes Fahrzeug nicht mehr im öffentlichen Straßenverkehr verwendet werden darf.

Für Zulassungsinhaber hat die Praxis konkrete Konsequenzen. Wird ein entdrosseltes Motorrad im Straßenverkehr verwendet, gilt das Fahrzeug als nicht mehr genehmigt. Es drohen Verwaltungsstrafen, der Entzug des Führerscheins und strafrechtliche Ermittlungen.

Im Schadensfall verschärft sich die Lage zusätzlich. Versicherungen prüfen, ob das Fahrzeug dem genehmigten Zustand entspricht. Ist das nicht der Fall, können Leistungen verweigert oder zurückgefordert werden. In schweren Fällen steht zudem der Verdacht des Versicherungsbetrugs im Raum.

Massive Emissionen und Kontrollprobleme

Ein zentrales Problem liegt bei den Kontrollen. Manipulationen lassen sich im Alltag oft nicht erkennen, da dafür ein Auslesen der Software notwendig wäre.

Juristen sehen in der Alibi-Drosselung auch eine mögliche Wettbewerbsverzerrung. Anbieter könnten sich Vorteile verschaffen, wenn Fahrzeuge in einer Form genutzt werden, die rechtlich nicht zulässig ist.

Neben den rechtlichen Risiken rücken auch die Umweltfolgen in den Fokus. Untersuchungen zeigen, dass entdrosselte KTM-Enduros die zulässigen Grenzwerte deutlich überschreiten. Die Emissionen liegen teils um ein Vielfaches über den erlaubten Werten.

Beim Kohlenmonoxid erreichen die Messwerte laut Experten ein Niveau, das mit einer alten Diesellokomotive verglichen wird. Auch die Lärmbelastung liegt deutlich über den gesetzlichen Vorgaben.

KTM weist Vorwürfe zurück

Die Vorwürfe beschäftigen mittlerweile auch Behörden. Das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) prüft den Fall. Sollten sich Verstöße bestätigen, könnten Maßnahmen gegen Hersteller, Händler und weitere Beteiligte folgen.

KTM selbst weist die Vorwürfe entschieden zurück. Alle Modelle würden in einem straßenzulassungsfähigen Zustand ausgeliefert, so das Unternehmen.

Umbauten erfolgten ausschließlich auf Wunsch der Kunden und für den Einsatz im Wettbewerb. Zudem werde explizit darauf hingewiesen, dass dadurch die Straßenzulassung erlischt.

FAQ: KTM Alibi-Zulassungen und rechtliche Folgen

Was sind Alibi-Zulassungen bei KTM?

Unter Alibi-Zulassungen versteht man Motorräder, die formal gedrosselt für die Straße zugelassen werden, in der Praxis jedoch oft wieder entdrosselt und damit illegal im Straßenverkehr genutzt werden.

Ist ein entdrosseltes Motorrad im Straßenverkehr erlaubt?

Nein. Ein entdrosseltes Motorrad entspricht nicht mehr der genehmigten Typisierung. Die Straßenzulassung erlischt, wodurch die Nutzung im öffentlichen Verkehr illegal ist.

Welche Strafen drohen Fahrern?

Es drohen Verwaltungsstrafen, der Führerscheinentzug sowie strafrechtliche Ermittlungen. Besonders schwer wiegt ein möglicher Versicherungsbetrug im Schadensfall.

Warum werden die Motorräder überhaupt zugelassen?

Die Straßenzulassung ermöglicht etwa Versicherungsschutz, die Teilnahme an Rennen mit Verbindungsetappen und die Nutzung auf öffentlichen Straßen – auch wenn die Fahrzeuge technisch dafür nicht ausgelegt sind.

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