MediaMarkt zittert: 56 heimische Filialen wackeln
Die milliardenschwere MediaMarkt-Übernahme durch den chinesischen Tech-Riesen JD.com hat eine unerwartete Wendung genommen. Während die Integration der Konzernmutter Ceconomy in den meisten europäischen Ländern voranschreitet, droht das Geschäft mit MediaMarkt-Österreich zu scheitern. Nach intensiven Verhandlungen mit dem Wirtschaftsministerium in Wien wurde der notwendige Prüfantrag zurückgezogen, was die Zukunft der 56 heimischen Filialen massiv gefährdet.
Investitionsstopp und Antragsrückzug
Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, musste JD.com seinen Antrag auf investitionskontrollrechtliche Freigabe in Österreich vorerst zurückziehen. Ein Sprecher von JD.com erklärte dazu gegenüber Reuters am Montag: „Ob die Transaktion, wie bisher avisiert, im ersten Halbjahr 2026 vollzogen werden kann, ist angesichts der aktuellen Entwicklungen in Österreich fraglich.“ Dennoch betonte das Unternehmen, dass der Prozess weiterlaufe und der Antrag innerhalb der nächsten Wochen neu eingereicht werde. Die Ceconomy-Aktien reagierten auf diese Unsicherheit bereits mit Kursverlusten.
Sicherheitsbedenken und Datenschutz im Fokus
Das österreichische Wirtschaftsministerium prüft die MediaMarkt-Übernahme streng nach den Vorgaben für ausländische Direktinvestitionen. Im Zentrum stehen dabei laut Ministeriumsangaben die „Sicherheit oder die öffentliche Ordnung“, insbesondere im Bereich der kritischen Infrastruktur und des Datenschutzes. Während Ceconomy der Behörde vorwirft, sich einer gemeinsamen Lösungsfindung zu versperren, wies das Ministerium dies zurück und verwies auf die gesetzliche Vertraulichkeit des Verfahrens. Geprüft wird vor allem, inwieweit der Investor unter der Kontrolle einer ausländischen Regierung steht.
Möglicher Rückzug aus Österreich
Sollte die Freigabe in Wien endgültig verweigert werden, drohen drastische Konsequenzen für den Standort. Kai-Ulrich Deissner, Vorstandsvorsitzender der Ceconomy AG, äußerte sich am Montagabend in der ZiB1 besorgt: „Der Konzern wird in eine Situation gezwungen, wo wir darüber nachdenken müssen, uns von unseren österreichischen Märkten zu trennen, um in den anderen zehn Ländern diese Partnerschaft umsetzen zu können.“ Dies würde rund 2.000 Mitarbeiter in Österreich betreffen. MediaMarkt-Manager Jan Niclas Brandt bekräftigte gegenüber der Kronen Zeitung: „Die letzte Option ist ein Rückzug aus Österreich.“
Strategische Ziele von JD.com in Europa
Für den chinesischen Giganten JD.com ist die MediaMarkt-Übernahme ein entscheidender Schritt, um im Wettbewerb mit Amazon und Alibaba in Europa Fuß zu fassen. Durch die Mehrheit an der Ceconomy (aktuell hält JD.com bereits 57,1 % der Anteile) sichert sich der Konzern Zugriff auf über 1.000 Filialen und ein dichtes Logistiknetz. Während Länder wie Frankreich und Italien bereits grünes Licht gegeben haben, bleibt Österreich neben Deutschland und Spanien einer der letzten Prüfsteine. Gelingt der Deal, plant JD.com, Ceconomy von der Börse zu nehmen und die Marken MediaMarkt und Saturn weiterzuführen.