Neue Regeln: Beliebtes Urlaubsland verbietet Alkohol
- Neues Gesetz gegen Alkoholexzesse
- Split macht den Anfang
- Balance zwischen Tourismus und Lebensqualität
Kroatien zählt seit Jahren zu den beliebtesten Urlaubszielen Europas. Traumstrände, türkisblaues Meer und ein lebendiges Nachtleben locken jedes Jahr Millionen Gäste an die Adriaküste. Doch genau dieser Partytourismus sorgt zunehmend für Probleme.
Um Alkohol-Exzesse und nächtliche Ruhestörungen einzudämmen, schafft die kroatische Regierung nun die rechtliche Grundlage für strengere Regeln. Städte und Gemeinden dürfen künftig den Verkauf von Alkohol in bestimmten Zeiträumen einschränken.
Neues Gesetz gegen Alkoholexzesse
Ende Mai stimmte das kroatische Parlament einer Gesetzesänderung mit großer Mehrheit zu. Damit erhalten Kommunen die Möglichkeit, den Verkauf von Alkohol einzuschränken, um die öffentliche Ordnung, die Gesundheit, das kulturelle Erbe und die Umwelt besser zu schützen.
Hintergrund sind immer wieder Beschwerden über stark alkoholisierte Touristen, nächtlichen Lärm sowie unangemessenes Verhalten auf öffentlichen Plätzen. Vor allem in beliebten Urlaubsorten sorgen solche Vorfälle regelmäßig für Ärger bei Einheimischen.
Tourismusminister Tonci Glavina betonte, dass der Tourismus zwar ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sei, das Leben der Bevölkerung darunter jedoch nicht leiden dürfe. Ziel sei ein ausgewogenes Miteinander zwischen Gästen und Einheimischen.
Split macht den Anfang
Besonders konkret werden die Pläne bereits in Split. Bürgermeister Tomislav Šuta kündigte an, den Verkauf von Alkohol in Kiosken und Supermärkten künftig zwischen 21 Uhr abends und 6 Uhr morgens zu verbieten.
Restaurants, Bars und Cafés bleiben von den neuen Vorschriften ausgenommen. Betroffen wären vor allem Geschäfte, in denen sich viele Urlauber vor dem Clubbesuch mit alkoholischen Getränken eindecken.
Mit dem Schritt soll das sogenannte „Vorglühen“ eingeschränkt und alkoholbedingtes Fehlverhalten im öffentlichen Raum reduziert werden.
Balance zwischen Tourismus und Lebensqualität
Split ist mit seinen Plänen nicht allein. Auch die Insel Hvar sowie die Küstenstadt Zadar haben ähnliche Maßnahmen angekündigt. Selbst in der Hauptstadt Zagreb wird derzeit über entsprechende Einschränkungen diskutiert.
Kroatien steht damit vor einer Herausforderung, die viele europäische Urlaubsländer kennen. Einerseits bringt der Tourismus enorme Einnahmen und macht rund ein Fünftel des Bruttoinlandsprodukts aus. Andererseits belasten Millionen Besucher die Infrastruktur und das Zusammenleben in den Städten.
Im vergangenen Jahr reisten rund 22 Millionen Urlauber nach Kroatien, bei einer Bevölkerung von nur etwa 3,8 Millionen Menschen. Mit den neuen Regeln wollen die Behörden den Tourismus langfristig verträglicher gestalten, ohne Gäste grundsätzlich abzuschrecken.