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Außenansicht der interio-Filiale in Linz
Harte Einschnitte nach der interio-Insolvenz: Mehrere Millionen Euro Schulden wurden beim Gericht angemeldet. Die Filialen in Wien und Linz müssen schließen.
Harte Einschnitte nach der interio-Insolvenz: Mehrere Millionen Euro Schulden wurden beim Gericht angemeldet. Die Filialen in Wien und Linz müssen schließen.
APA-Images / Pressefoto Scharinger / Wolfgang Undesser

interio-Pleite: So geht es jetzt weiter

21.05.2026 um 10:51, Marcel Toifl
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Nach der interio-Pleite (Magazin 07 GmbH) fand die Prüfungstagsatzung statt. Millionen an Schulden wurden angemeldet, Filialen schließen.

Das Insolvenzverfahren rund um die bekannte Möbelmarke interio – operativ geführt unter der "Magazin 07 Möbel und Einrichtungen VertriebsgmbH" – hat die nächste entscheidende Hürde genommen. Wie der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) bekannt gab, fand am heutigen Donnerstag am Landesgericht Wiener Neustadt die erste wichtige Prüfungstagsatzung statt. Das Ausmaß der finanziellen Misere und die drastischen Sanierungsschritte der drohenden Pleite liegen nun schwarz auf weiß auf dem Tisch.

Die Schulden-Berge: Millionenbeträge vor Gericht

Im Zuge der Insolvenz haben die Gläubiger enorme finanzielle Forderungen an das Möbelunternehmen gestellt. Bislang haben 158 Gläubiger Gesamtforderungen in der Höhe von stolzen 6,17 Millionen Euro beim Gericht angemeldet.

Die vom Gericht bestellte Insolvenzverwalterin hat davon bisher einen Teilbetrag von 3,43 Millionen Euro als rechtmäßig anerkannt. Die verbleibenden Schulden in der Höhe von 2,74 Millionen Euro werden vorerst bestritten und müssen in den kommenden Wochen genauer überprüft und abgeklärt werden. Das Insolvenzgericht hat hierfür eine Klagsfrist von sechs Wochen festgetsetzt.

Filialschließungen und Kündigungen in Wien und Linz

Obwohl der Geschäftsbetrieb unter der Aufsicht der Insolvenzverwalterin aktuell fortgeführt wird und sich dank harter Sparmaßnahmen knapp kostendeckend präsentiert, laufen hinter den Kulissen massive Einschnitte. Die Umsätze des Einrichtungs-Händlers blieben zuletzt hinter den Erwartungen zurück, weshalb das Filialnetz nun radikal gesundgeschrumpft wird:

  • Wien: Die prominente interio-Filiale auf der Mariahilfer Straße wird mit Anfang Juli 2026 einvernehmlich geschlossen.
  • Linz: Auch der Standort in Oberösterreich wird mit Anfang Juli 2026 komplett aufgelassen.
  • Graz: Für die Filiale in der steirischen Landeshauptstadt ist bereits ein Räumungsverfahren anhängig.
  • Traiskirchen: Das dortige Zentrallager wird strukturell stark angepasst, um die hohen Fixkosten drastisch zu senken.

Die Restrukturierung nach der Pleite trifft auch die Belegschaft hart. Beschäftigte das Unternehmen bei Insolvenzeröffnung noch 37 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, so müssen durch die Schließungen in Wien und Linz voraussichtlich 10 Dienstverhältnisse beendet werden.

Der Sanierungsplan: Wie es für interio weitergeht

Um die endgültige Zerschlagung abzuwenden, bietet die Schuldnerin ihren Gläubigern aktuell einen Sanierungsplan an. Dieser sieht eine Quote von 20 Prozent vor, die innerhalb von zwei Jahren ab der Annahme an die Gläubiger zurückgezahlt werden soll. Ob dieser Plan erfüllbar ist, hängt maßgeblich davon ab, ob die drastischen Restrukturierungsschritte greifen.

Zudem prüft die Insolvenzverwalterin derzeit haftungs- und anfechtungsrechtliche Ansprüche sowie die Zahlungsströme innerhalb der gesamten Unternehmensgruppe, um weiteres Geld für die Masse zu sichern. Die entscheidende Abstimmung der Gläubiger über den Sanierungsplan findet am 11. Juni 2026 am Landesgericht Wiener Neustadt statt.

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