Schon gewusst: Darum feiern wir den Gründonnerstag
Der sogenannte Gründonnerstag vor Ostern ist ein zentraler Pfeiler der Karwoche. Er leitet das Triduum Sacrum (Feier der drei österlichen Tage Anm.) ein und erinnert an das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern. Doch während der religiöse Kern feststeht, ranken sich um die Bedeutung und volkstümliche Traditionen spannende Mythen.
Gründonnerstag und Bedeutung des Namens
Die Frage, warum der Tag „grün“ genannt wird, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Es existieren drei wesentliche Theorien, die die Bedeutung des Wortes Gründonnerstag erklären könnten:
- Vom Greinen: Eine Ableitung vom mittelhochdeutschen Wort „grînen“ (weinen, klagen). Dies bezieht sich auf die Büßer, die nach ihrer Reue wieder in die Kirche aufgenommen wurden.
- Die virides (Grünen): Im Mittelalter wurden jene Büßer als „Grüne“ bezeichnet, da sie als „lebendiges Holz“ der Gemeinde galten. Grün steht hier symbolisch für die Erneuerung.
- Frühlingskräuter: Der Brauch, an diesem Tag frische Kräuter und grünes Gemüse zu essen, um die Gesundheit zu stärken, ist seit dem 14. Jahrhundert fest dokumentiert.
Liturgie: Das Abendmahl und die Glocken
In der christlichen Gesamtheit der Riten wird das letzte Abendmahl Jesu gefeiert. Ein besonderes Merkmal der Messe am Abend ist das feierliche Verstummen der Instrumente. Nachdem die Glocken beim Gloria ein letztes Mal kräftig geläutet haben, „fliegen sie nach Rom“. Erst in der Osternacht ertönen sie wieder, um die Auferstehung zu verkünden.
Brauchtum: Von Ratschen bis Antlasseiern
Da die Glocken bis Karsamstag schweigen, übernehmen in vielen Regionen die sogenannten Ratschenkinder die Aufgabe, die Gläubigen an die Gebetszeiten zu erinnern. Ein weiterer alter Glaube betrifft die Antlasseier: Eier, die am Gründonnerstag gelegt wurden, sollten laut Volksglauben besonderes Glück bringen und Unheil vom Haus abwenden.
Kulinarische Traditionen
In Österreich und weiten Teilen Süddeutschlands ist der Speiseplan am Gründonnerstag fast schon ein Gesetz: Es gibt Spinat mit Spiegelei und Röstkartoffeln. Wer es moderner mag, greift heute oft zu Bärlauchsuppe oder grünen Smoothies, um die Kraft der ersten Frühlingskräuter zu nutzen.