Gender Wealth Gap: Frauen besitzen weniger
Inhalt
- Vermögensverteilung: Warum Reichtum männlich dominiert ist
- Je reicher, desto männlicher
- Warum Frauen weniger Eigentum besitzen
- Typisches Frauenleben
- Die Vermögens-Lücke verkleinern
- Die Zahlen zum Gender Wealth Gap
- Experte: Was es braucht
- Gender Wealth Gap in Kürze
Der Gender Wealth Gap beschreibt den Unterschied im Vermögen zwischen Frauen und Männern. Einkommensunterschiede, sondern auch Eigentumsverhältnisse, Erbschaften, Erwerbsbiografien und ungleiche Startbedingungen: Das alles trägt zur Lücke (Gap) zwischen den Geschlechtern (Gender), was das Vermögen (Wealth) betrifft bei.
Vermögensverteilung: Warum Reichtum männlich dominiert ist
Aktuelle Daten der OeNB zeigen: Frauen verfügen in Paar-Haushalten über deutlich weniger Nettovermögen als Männer – im Durchschnitt rund 21 Prozent. Auch allein lebende Frauen besitzen im Schnitt weniger als Männer.
Hinter diesen Zahlen steckt mehr als eine statistische Differenz. Vermögen bedeutet Sicherheit, Unabhängigkeit und Verhandlungsmacht. Gerade in Partnerschaften ist Besitz oft ungleich verteilt: Nur rund zwei Drittel der erfassten Paare geben an, ihr Eigentum zu gleichen Teilen zu halten. Sichtbar wird das oft erst im Ernstfall – etwa bei Trennung oder Pensionierung.
Je reicher, desto männlicher
Besonders deutlich zeigt sich der Abstand am oberen Rand der Verteilung. Unternehmensbeteiligungen liegen überwiegend in männlicher Hand. Weil große Vermögen oft aus Betriebsvermögen bestehen und Kapitalerträge schneller wachsen als Arbeitseinkommen, verfestigt sich der Unterschied zusätzlich. Alyssa Schneebaum, Käthe-Leichter-Gastprofessorin an der Universität Wien, forscht zu Gender und Vermögen:
Der Gender-Wealth-Gap ist nicht nur eine private Frage, sondern eine Frage gesellschaftlicher Machtverteilung.
Warum Frauen weniger Eigentum besitzen
Erträge aus Kapital fließen vor allem jenen zu, die bereits viel besitzen – und sie wachsen in der Regel schneller als Arbeitseinkommen. Erbschaften und Schenkungen verstärken diesen Effekt. Wer schon mit Eigentum startet, hat also langfristige Vorteile.
Während die Ungleichheit zwischen sehr wohlhabenden Frauen und reichen Männern vor allem statistisch sichtbar wird, ist sie für Haushalte ohne nennenswerte Rücklagen existenziell. Dort schlagen Einkommensunterschiede unmittelbar durch, weil finanzielle Polster fehlen.
Typisches Frauenleben
Hinzu kommen unterschiedliche Erwerbsbiografien: Frauen beteiligen sich stärker an Care-Arbeit für Kinder oder ältere Familienangehörige, arbeiten häufiger in schlechter bezahlten Branchen und seltener als Unternehmerinnen. Wird Arbeit schlecht entlohnt, können Menschen kaum sparen und entsprechend schwerer Vermögen aufbauen.
Die Vermögens-Lücke verkleinern
Setzt sich der Trend im bisherigen Tempo fort, würde es noch Jahrzehnte dauern, bis Gleichstand erreicht ist – bei der Medianlücke sogar bis gegen Ende des Jahrhunderts. Für viele Frauen mit normalem Einkommen heißt das: Auf bessere Zeiten zu warten ist keine Option.
Ein Hebel liegt darin, möglichst früh regelmäßig kleine Beträge zu investieren – etwa über breit gestreute Fonds oder ETFs – und Eigentumsrechte in Partnerschaften klar zu regeln. Auch eigene Pensionsansprüche konsequent einzufordern und finanzielle Transparenz im Haushalt herzustellen, stärkt die wirtschaftliche Eigenständigkeit. Zugleich gilt: Wenn das Einkommen zu niedrig ist, hilft auch das Wissen zu einer renditestärkeren Veranlagung nur begrenzt. Wer die Vermögenslücke verkleinern will, muss deshalb breiter ansetzen: mit guten Jobs, fairen Löhnen, verlässlicher Kinderbetreuung und einem starken Sozialstaat.
Letztlich geht es um mehr als bloße Zahlen. Der Gender-Wealth-Gap ist nicht nur eine private Frage, sondern auch eine Frage gesellschaftlicher Machtverteilung. In Österreich entscheidet Besitz – noch stärker als Einkommen – über Einfluss, unternehmerische Möglichkeiten und die eigene Stellung in der Gesellschaft.
Die Zahlen zum Gender Wealth Gap
- In Österreichs Paar-Haushalten beträgt das mittlere Nettovermögen von Frauen rund 107.100 Euro, jenes der Männer etwa 126.100 Euro – eine Median-Lücke von 15 Prozent.
- Bei Singles ist der Abstand größer: Männer kommen auf 28.800 Euro, Frauen auf 21.900 Euro. Das entspricht einer Differenz von 24 Prozent.
- Das Vermögen allein lebender Frauen macht damit nur rund ein Fünftel jenes von Frauen in Paar-Haushalten aus.
Experte: Was es braucht
"Österreich dürfte zu den Ländern mit einer hohen Vermögensungleichheit zwischen Frauen und Männern gehören", sagt Martin Schürz, Head of Economic Microdata Lab in der Research-Abteilung der Oesterreichischen Nationalbank. "Frauen besitzen in Paar-Haushalten entlang der gesamten Verteilung weniger Vermögen als Männer. Viele Menschen kennen die Einkommensschere – beim Vermögen ist der Unterschied aber noch größer. Erwerbsmerkmale erklären diesen Abstand zu einem guten Teil: Unterschiede im Arbeitseinkommen, in der Ausbildung und den Branchen wirken sich zulasten der Frauen aus." Und weiter:
Wird Arbeit schlecht entlohnt, können Menschen kaum sparen. Männer sind auch eher als Unternehmer tätig. Notwendig ist daher ein Mix aus Maßnahmen, um die Lücke zu schließen: Es braucht gute Jobs, einen ausgebauten Sozialstaat und bessere Kinderbetreuung.
Gender Wealth Gap in Kürze
Wem gehört wie viel?
Statistische Daten werden je Haushalt erhoben – was die Zuordnung innerhalb von Partnerschaften erschwert. Expertinnen und Experten fordern hier mehr Genauigkeit.
Wie entsteht der Gap?
Paare sind im Durchschnitt älter, vereinen zwei Erwerbsbiografien und besitzen deutlich häufiger Immobilien. Deshalb sind Paar-Haushalte beim Vermögensaufbau klar im Vorteil.
Aktiv werden
Früh beginnen, regelmäßig investieren – so entsteht Schritt für Schritt Eigentum. Selbst kleine Beträge ergeben über Jahre hinweg ein gewisses Fundament.
Bis 2090
So lange könnte es dauern, ehe Frauen und Männer beim Vermögen gleichauf sind.