Erschütternd: Ausgesetzter Hund wurde jahrelang gequält

Der sterbenskranke Hund, der Anfang Dezember in Aurolzmünster bei Minusgraden eiskalt ausgesetzt wurde, musste offenbar jahrelang leiden. Die Pfotenhilfe erstattet Anzeige wegen schwerer Tierquälerei.
Autor: Conny Engl, 16.01.2023 um 10:12 Uhr

Es ist schon nicht nachvollziehbar, dass man einen todkranken Hund bei Eiseskälte einfach „zum Sterben auf die Straße schickt“, wie Pfotenhilfe-Chefin Johanna Stadler damals bereits vermutete, als sie den armen Kerl am 5. Dezember 2022 geborgen hatten. Wir haben berichtet.

Doch das war offenbar nur die Spitze des Eisbergs – der Hund muss jahrelang unter starken Schmerzen gelitten haben. Ein Leidensbericht, für den man einen wirklich starken Magen braucht.

Schwer krank angekettet im Freien

Der Hund dürfte jahrelang an einer Kette hängend im Freien gehalten worden sein – und das bei jeder Jahreszeit. Und zwar ganz in der Nähe des Fundorts in Aurolzmünster (Bezirk Ried im Innkreis, OÖ). Das gab ein Zeuge an, der sich nachdem der Fall veröffentlicht wurde, beim Tierschutzhof Pfotenhilfe in Lochen meldete. Der Halter steht demnach unter dringendem Verdacht, den Hund trotz schwerer Krankheit und starker Schmerzen unbehandelt leiden gelassen und zu dem – als er sterbenskrank war – auch noch skrupellos auf die Straße gesetzt zu haben.

Anzeige wegen schwerer Tierquälerei

Dafür spreche laut Pfotenhilfe auch, dass er nur wenige Häuser weiter gefunden wurde. Denn der arme Kerl konnte kaum noch stehen und musste noch am selben Tag in der Tierklinik von seinen Qualen erlöst werden. All das fällt unter den Tatbestand der schweren Tierquälerei nach §222 Strafgesetzbuch, dessen Strafrahmen zwei Jahre Freiheitsstrafe beträgt, weshalb die Anwaltskanzlei der Pfotenhilfe jetzt eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft Ried im Innkreis einbringen wird, heißt es in einer Presseaussendung des Tierschutzhofs.

Befund lässt Qualen erahnen

Was der Hund alles über eine sehr lange Zeit hinweg ertragen musste, lässt sich anhand des Befundes des VetZentrums Anif erahnen. Ein Auszug: „Reaktionslos, sehr geschwächt, kaum stehfähig, dehydriert, Untertemperatur 34,7°C, herzkrank, forcierte Atmung, verschärftes Lungengeräusch, Kopfzittern, alle Reflexe verzögert, beide Augen krustig verklebt, Eiter rinnt aus Auge, gerötete Schleimhäute, kapillare Füllzeit verzögert (Hinweis auf gestörten Blutkreislauf), praller und ausladender Bauch, Senkrücken mit schmerzhafter Wirbelsäule beim Abtasten, nur ein Hoden im Hodensack, dieser ist prall und hart, Ultraschall Abdomen: Blasenwand hochgradig verdickt, Prostata vergrößert und zystisch verändert, Vergrößerung und Krebsverdacht bei Leber und Milz, Ultraschall Hoden: Nebenhoden vergrößert, Hoden zystisch verändert."

Nachbarn hatten Angst vor Konflikten

Pfotenhilfe-Chefin Johanna Stadler ist mehr als erschüttert angesichts dessen, was der arme alte Hund alles ertragen musste: „Warum derart lange keiner der Nachbarn etwas gesagt hat, wird mit Angst vor Nachbarschaftskonflikten begründet. Ich kann in diesem Fall nur auf ein Tierhaltungsverbot hoffen, wenn sich dieser schreckliche Verdacht und die eingegangenen Hinweise und Meldungen bestätigen sollten.“

Bitte nicht wegschauen!

An die Bevölkerung appelliert die Pfotenhilfe, bei Tierquälerei oder Haltungsverstößen nicht wegzuschauen, sondern lieber einmal zu oft als zu spät die Pfotenhilfe zu informieren, was auch anonym über das Kontaktformular unter www.pfotenhilfe.at rund um die Uhr möglich ist.