Kein Signal: Buckelwal Timmy wahrscheinlich tot
Der Fall des Buckelwals „Timmy“ entwickelt sich über Wochen zu einem dramatischen Ringen um Leben und Zeit. Eine aufwendige Rettungsaktion bringt das Tier aus der Ostsee Richtung Nordsee. Kurz nach der Freilassung reißen jedoch alle verlässlichen Signale ab. Experten äußern zunehmend Zweifel am Überleben des geschwächten Meeressäugers. Neue Einschätzungen verdichten die schlimmsten Befürchtungen. Der Wal ist wahrscheinlich tot.
Freilassung im Nordatlantik
Am Samstagmorgen erfolgt die entscheidende Phase der Rettungsaktion. Der etwa vier bis sechs Jahre alte Buckelwal verlässt rund 70 Kilometer nördlich von Skagen seine Transportbarge. Die Freilassung geschieht früher als ursprünglich geplant. Der Kapitän der „Fortuna B“ trifft diese Entscheidung eigenständig.
Das Tier gelangt damit aus der Ostsee in die offene Nordsee. Die Hoffnung richtet sich auf eine selbstständige Rückkehr in den Nordatlantik. Fachleute äußern bereits zu diesem Zeitpunkt Zweifel am Zustand des Wals. Mehrfache Strandungen zuvor deuten auf eine schwere Schwächung hin.
Erste Zweifel am Tracking
Unmittelbar nach der Freilassung bleibt ein entscheidendes Signal aus. Der angebrachte GPS-Sender liefert keine Positionsdaten. Karin Walter-Mommert erklärt der Bild, dass das Gerät „keine Daten“ sende. Auch Tage später bleibt der Aufenthaltsort des Tieres unbekannt.
Gleichzeitig entstehen Zweifel an angeblichen Vitaldaten. Ein dänischer Meeresbiologe widerspricht laut Bild deutlich: „Es gibt keinen handelsüblichen GPS-Sender, der Vitaldaten des Wals liefern kann – wer das behauptet, sagt nicht die Wahrheit.“
Auch das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung verweist auf fehlende technische Voraussetzungen für solche Messungen. Damit fehlt jede belastbare Grundlage für Aussagen über den Zustand des Tieres.
Rätsel um die „Fortuna B“
Parallel zum Verschwinden der Wal-Signale entsteht ein weiteres Rätsel. Das Schleppschiff „Fortuna B“ taucht auf Tracking-Plattformen plötzlich nicht mehr auf. Die letzte bekannte Position bleibt über Stunden unverändert.
Tatsächlich läuft das Schiff in der Nacht in Cuxhaven ein. Begleitet wird es von einem Schiff der Küstenwache. Die Polizei sichert das Schiff am Kai. Zuvor hat die Crew selbst um Unterstützung gebeten. Als Grund nennt die Polizei „die Sicherheitslage“.
Die Tierärztin Kirsten Tönnies verlässt das Schiff kurz nach der Ankunft. Sie erhebt schwere Vorwürfe gegen Kapitän und Besatzung. Details zu den Vorwürfen bleiben zunächst offen.
Kritik aus Wissenschaft und Politik
Mit zunehmender Dauer ohne Daten wächst der Druck. Das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern fordert wiederholt die Herausgabe der Trackingdaten. Umweltminister Till Backhaus (SPD) erklärt: „Mit der privaten Initiative ist vereinbart, dass sie sich bis heute mit den angeforderten Informationen zurückmeldet.“
Auch Umweltschutzorganisationen äußern Kritik. Greenpeace-Experte Thilo Maack betont die geringen Überlebenschancen des Tieres. Die wiederholten Strandungen gelten als klares Indiz für eine schwere Erkrankung.
Dramatische Einschätzung der Experten
Am Dienstag folgt die bislang deutlichste Einschätzung. Experten des Deutschen Meeresmuseums gehen von einem tödlichen Ausgang aus. In einer Mitteilung heißt es: „Da sich der Wal in einem extrem geschwächten Zustand befand und nach früheren Rettungsversuchen innerhalb kurzer Zeit immer wieder strandete, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass er nicht genug Kraft besaß, um längerfristig im tiefen Wasser zu schwimmen und nicht mehr lebt.“
Seit der letzten bestätigten Sichtung am Samstagmorgen existieren „keine weiteren unabhängig verifizierbaren Informationen“ über den Aufenthaltsort und die gesundheitliche Verfassung des Tieres.
Damit verdichten sich die Hinweise auf ein mögliches Scheitern der Rettungsaktion.
Offene Fragen und Kosten der Rettung
Der Verbleib des Buckelwals bleibt ungeklärt. Ohne Positionsdaten lässt sich weder eine Route noch ein Überleben nachweisen. Auch die Umstände der vorzeitigen Freilassung werfen Fragen auf.
Die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation formuliert klare Kriterien für eine erfolgreiche Rettung. Ein Wal gilt demnach erst als gerettet, wenn er langfristig im Nordatlantik überlebt, selbstständig Nahrung findet sowie sein natürliches Verhalten zeigt.
Ob „Timmy“ diese Phase erreicht, bleibt unklar. Die verfügbaren Informationen liefern keine Hinweise auf eine stabile Entwicklung nach der Freilassung.