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Buckelwal Ostsee schwimmt geschwächt in der Lübecker Bucht nahe Timmendorfer Strand nach Befreiung von Sandbank.
Der Buckelwal in der Ostsee taucht ab und ist aktuell nicht mehr sichtbar.
Der Buckelwal in der Ostsee taucht ab und ist aktuell nicht mehr sichtbar.
Timmendorfer Strand / Schleswig-Holstein / Germany

Buckelwal Ostsee: Drama um „Timmy“ spitzt sich zu

31.03.2026 um 08:08, Yunus Emre Kurt
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Der geschwächte Buckelwal „Timmy“ hat sich am Montagabend erneut aus dem Flachwasser der Wismarer Bucht gelöst, ist abgetaucht und verschwunden.

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Der Buckelwal in der Ostsee sorgt weiter für große Aufmerksamkeit: Der geschwächte Wal „Timmy“ befreit sich erneut aus dem Flachwasser und verschwindet anschließend. Die Situation bleibt angespannt. 

Seit Wochen bewegt sich der Buckelwal durch die Ostsee und sorgt für zahlreiche Rettungsversuche. Nun gibt es eine neue Entwicklung, die viele Fragen offenlässt.

Buckelwal „Timmy“ löst sich erneut aus dem Flachwasser

Der in der Wismarer Bucht auf Grund liegende Buckelwal „Timmy“ befreit sich am Montagabend erneut selbst. Nach Angaben der Wasserschutzpolizei bewegt sich das Tier wieder und schwimmt zunächst in Richtung Hafen von Wismar. Umweltminister Till Backhaus erklärt, der Wal sei zuerst zum Hafen unterwegs gewesen, später aber seewärts geschwommen. 

Der Wal taucht schließlich ab und ist nicht mehr zu sehen. In der Nacht zu Dienstag gibt es nach Angaben eines Sprechers der Wasserschutzpolizei keine weiteren Sichtungen. Das Polizeiboot kehrt nach dem Abtauchen zurück, in der Dunkelheit soll nicht nach dem Tier gesucht werden. Einsatzkräfte wollen Hinweise und Sichtungen von Bürgerinnen und Bürgern abwarten, bevor sie erneut ausrücken. Zuletzt ist „Timmy“ vor 23 Uhr an der Seebrücke in Wendorf gesehen worden. Dort versammeln sich zahlreiche Schaulustige, zudem sind mehrere TV-Teams vor Ort.

Wochenlange Irrfahrt und gescheiterte Rettungsversuche

„Timmy“ irrt seit rund vier Wochen durch die Ostsee. Zunächst sitzt der Buckelwal vor dem Timmendorfer Strand an der schleswig-holsteinischen Küste auf einer Sandbank fest. Dort kann er sich nach einigen Tagen und einer aufwändigen Aktion mit Baggern wieder befreien. 

Kurz darauf strandet der Wal erneut in der Wismarer Bucht vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns. Dort liegt er mehrfach im sehr flachen Wasser auf Sandbänken fest. Bereits am Samstag strandet er in der Bucht erneut. In einer Nacht mit niedrigem Wasserstand wird er durchgehend beobachtet, bewegt sich aber nicht von der Stelle. Der Zustand des Tieres gilt inzwischen als deutlich verschlechtert. Fachleute berichten, dass sich seine Atmung verschlechtert hat und „Timmy“ immer schwächer wirkt. Verschiedene Rettungsversuche mit Booten bleiben bisher ohne dauerhaften Erfolg. Helfer umrunden den Wal in Booten und schlagen mit Paddeln flach auf die Wasseroberfläche, um ihn zum Losschwimmen zu animieren. 

Am Montagnachmittag fahren Wissenschaftler und Umweltschützer erneut mit Booten zu dem Tier, um seine Reaktion zu testen. Zunächst wirkt „Timmy“ bei Annäherung agiler, später wird eine Rettungsaktion ohne Ergebnis abgebrochen, die Boote drehen ab. Am Montagabend soll eine neue organisierte Rettungsaktion gegen 19 Uhr starten.

Aktuelle Maßnahmen und schwierige Entscheidungen

Die Wasserschutzpolizei ist mit einem Boot in der Bucht unterwegs, um „Timmy“ mit Lärm zur Richtungsänderung zu bewegen und zu verhindern, dass er in den Hafen schwimmt. Greenpeace begleitet den Einsatz und versucht gemeinsam mit der Polizei, den Wal seewärts zu lenken. Ziel ist es, ihn in Richtung offene See zu führen. Gleichzeitig soll das Tier nach Möglichkeit nicht zusätzlich gestresst werden. Es gibt eine 24-Stunden-Walwacht mit einer ständig einsatzbereiten Bootsbesatzung. Zeitweise steht im Raum, den Wal in Ruhe zu lassen und weiter zu beobachten. Franziska Saalmann von Greenpeace betont, der Wal solle tagsüber Ruhe bekommen und Kraft sammeln. Das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund, Greenpeace, Sea Shepherd und weitere Fachleute stehen in engem Austausch mit den Behörden. Eine Pressekonferenz zum weiteren Umgang mit dem Wal ist für Montag um 13 Uhr angesetzt, für den Abend eine neue Rettungsaktion. Das Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern und internationale Expertinnen und Experten beraten über weitere Schritte. 

Es stellt sich die Frage, wie weit neue Rettungsversuche verantwortbar sind und wann es Zeit wäre, das geschwächte Tier in Ruhe zu lassen, falls es sterben sollte. Eine Einschläferung schließen Fachleute aus, da es für einen so großen Wal keine sichere, schmerzfreie Methode gibt. Stirbt „Timmy“ in der Bucht von Wismar, wäre das laut Beteiligten ein „Worst-Case-Szenario“. Für diesen Fall liegt ein grober Plan vor. Das Deutsche Meeresmuseum würde den Abtransport koordinieren und den Kadaver untersuchen. Die Abstimmung dazu ist mit den Behörden erfolgt. Möglich wäre, den toten Wal zu zerlegen, in eine Tierverbrennungsanlage zu bringen und zuvor eine Autopsie durchzuführen, um Krankheiten und Todesursachen zu klären. Das Versenken des Kadavers im offenen Meer gilt als problematisch, weil er durch Strömungen an Land gespült werden könnte. Ein starres Protokoll für den Tod eines Wals gibt es nicht.

Warum „Timmy“ in der Ostsee kaum Überlebenschancen hat

Großwale wie Buckelwale oder Finnwale sind in der Ostsee selten und nicht heimisch. Die Ostsee ist relativ flach, ihr Salzgehalt ist niedrig, für große Hochseearten sind die Bedingungen ungeeignet. Heimisch ist hier nur der deutlich kleinere Schweinswal, der oft als Beifang in Fischereinetzen endet und dann tot an die Küsten gespült wird. „Timmy“ leidet nach Angaben von Fachleuten unter massiven Hautproblemen, die auf den niedrigen Salzgehalt der Ostsee zurückgeführt werden. Auf der geschwächten Haut haben sich Sekundärentzündungen entwickelt. Hinzu kommen Netzreste im Maul, die bisher nur teilweise entfernt werden können. Netzreste, mögliche unbekannte Krankheiten und der Stress der Rettungsversuche schwächen den Wal zusätzlich. 

Körperkontakt mit Menschen birgt zudem das Risiko, dass der Wal mit Krankheitserregern angesteckt wird. In der Meeresbiologie sind Grippeerkrankungen bei Walen dokumentiert, die in der Regel von anderen Tieren übertragen werden. Ob „Timmy“ an einer solchen oder einer anderen Krankheit leidet, ist offen. Eine mögliche spätere Autopsie könnte klären, warum es dem Tier so schlecht geht und ob weitere Krankheiten nachweisbar sind. 

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