Wegwerfmode aus Fernost? Es geht auch anders

Ein neues T-Shirt um 5 EUR, maximal zweimal tragen, waschen und in die Tonne. Damit ist ein hoher CO2-Fußabdruck perfekt und faire Arbeitsbedingungen vergessen. Pionierinnen der Fair Fashionindustrie Oberösterreichs zeigen, es geht anders.
Autor: Verena Schwarzinger, 26.01.2022 um 09:51 Uhr

Wegwerfkleidung, Fast Fashion, wird billig im Ausland unter keineswegs sozialen Verhältnissen produziert. In Österreich werden Shirts und Co. zu Billigstpreisen verkauft, verlieren rasch Form und Farbe und nach kurzer Zeit werden die Textilien entsorgt. 2030 werden laut Greenpeace weltweit 206 Billionen Kleidungsstücke gekauft. Ein Paradebeispiel für nicht nur Fast Fashion, sondern Ultra Fast Fashion, ist Shein: Das Unternehmen bringt täglich 5.000 neue Kleidungsstücke in den Verkauf.

Neben den sozialen Missständen wie keine fairen Löhne und Kinderarbeit, unter denen diese Kleidung produziert wird, verursacht Fast Fashion einen hohen CO2- und Wasserverbrauch. Bereits 10 Prozent der weltweiten Treibhausemissionen werden von der globalen Textilindustrie verursacht. „60 Prozent der Kleidung wird aus synthetischen Fasern, also aus Plastik, hergestellt. Bei jedem Waschgang gelangen Partikel daraus ins Abwasser und dann weiter in die Flüsse und Meere“, präsentiert Lisa Panholzer von Greenpeace. Zudem kommt, dass nur 1 Prozent, der nicht mehr getragenen Kleidung oder aus der Überproduktion, die nicht verkauft wird, recycelt wird, da dieser Vorgang aufgrund von Fasermischungen und des Designs sehr hoch ist. Die Entsorgung erfolgt via Restmüll und die Textilien landen auf Mülldeponien in Afrika.

Pflicht statt Freiwilligkeit

Textilien brauchen in der Herstellung Chemikalien, sei es zum Bleichen, Färben oder Weichmachen. Diese Zusatzstoffe sind für Mensch und Umwelt schädlich. 29 große Modekonzerne wie H&M oder Adidas verzichten bereits freiwillig auf rund 90 Prozent aller elf besonders gefährlichen Chemikaliengruppen. 80 Prozent aller Unternehmen der Textilbranche weltweit produzieren jedoch weiterhin ökologisch, ökonomisch und sozial unfair. Schwarze Schafe setzen dabei auf Greenwashing und gaukeln den Konsumenten lediglich vor, dass die Kleidungsstücke mit gutem Gewissen hergestellt werden. „Das gute Gewissen kann keinesfalls mit 5 Euro pro Shirt erkauft werden“, so Panholzer.

Holzfasern, portugiesische Familienbetriebe und nepalesische Gebräuche

Beim oberösterreichischen Faserhersteller Lenzing kommt kein Erdöl und damit Polyester in die Produktion. Der natürlich Rohstoff Holz aus regionalen Beständen wird schonend verarbeitet und zu Fasern für die Textilproduktion aufbereitet. Während dieser Aufbereitung setzt die Lenzing AG auf eine erneuerbare Energiezufuhr, Rückführung von Abwässern und ein nachhaltiges Chemikalienmanagement.
Das Startup Vresh ermöglicht Textilproduktion made in Europa. In Portugal werden in kleinen Familienbetrieben Kleidungsstücke hergestellt. In geringen Mengen und auf Nachfrage werden zwei Kollektionen pro Jahr produziert. Kurze Transportwege im Land, unter 50 km zu jeder kleinen Manufaktur, Kontakt auf Augenhöhe, und vor allem Wissensvermittlung stehen für das faire Unternehmen im Fokus.
Textilproduktion in Nepal hat Tradition. Altes Handwerk zu behalten, jedoch unter sozialen und ökologischen Voraussetzungen, dafür setzt sich das Eferdinger Unternehmen Fairytale ein. In einer Schneiderei, einer Druckerei, einer Weberei und einer Filzerei arbeiten Männer und Frauen in der Stoff- und Kleidungsherstellung aus Bio-Baumwolle. Am Dach der Druckerei wurde mittels Crowdfunding eine Photovoltaikanlage montiert und dies macht das Unternehmen zum OÖ. Klimabündnis-Partner.

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