Schreibwunder Schreibmaschine

Er hieß Henry Mill. Der Amerikaner erhielt 1714 ein erstes Patent darauf, „Buchstaben fortschreitend klar und genau einen nach dem anderen zu drucken, dass man dies vom Buchstabendruck nicht unterscheiden kann“. Ob nach seinen Plänen auch tatsächlich eine Maschine gebaut wurde, ist nicht überliefert. Den Siegeszug trat die Schreibmaschine im 19. Jahrhundert an: 1808 soll eine funktionierende Schreibmaschine vom Italiener Pellegrino Turri hergestellt worden sein, die er für eine erblindete Gräfin baute. Karl Drais, ein deutscher Erfinder, fertigte 1821 ein Schreibclavier für seinen erblindeten Vater. Mit der Maschine konnten auch blinde Menschen schriftlich kommunizieren.

Schreibmaschinen made in Austria

Fünf Schreibmaschinenmodelle mit Ausführungen wie Stechschriftbuchstaben, Mehrschrittschaltung oder eingebauter Schreibwalze konzipierte der Tiroler Peter Mitterhofer zwischen 1864 und 1869. Seine Pläne setzte er auch in hölzerne Taten um. Für seine Modelle warb er gar bei Kaiser Franz Joseph I. um Unterstützung und dieser sicherte den Mitterhofer-Modellen Subventionen von 350 Gulden zu und behielt sich ein Modell für die Sammlung des Polytechnischen Instituts.

Aus Theorie wird Praxis

Die Erfinder Charles Glidden und Christopher Latham Sholes erhielten am 23. Juni 1868 das Patent auf eine tatsächlich brauchbare Schreibmaschine in den USA. Anfang der 1870er-Jahre übernahm die damals bedeutende Rüstungsfirma Remington & Sons die Serienherstellung der Typewriter. „The Sholes and Glidden Typewriter“ – oder auch „Remington No. 1“ genannt – wurde in der Fabrik in tausendfacher Ausführung hergestellt. Die Konstruktionen wurden über die Jahre weiterentwickelt. Im 20. Jahrhundert ersetzte die elektrische Maschine die mechanischen Vorgänger. Die Modelle wurden stets innovativer mit Korrekturtasten, Displays bis hin zu Textspeicher und Diskettenlaufwerken. Kommt einem bekannt vor? Abgelöst wurden diese Apparate, die bereits einem Laptop- Computer ähnelten, gänzlich im 21. Jahrhundert. Modelle von namhaften Herstellern können heute gar bis zu 50.000 Euro wert sein.

Darf’s ein bisschen Nostalgie sein?

Heute finden Schreibmaschinen keinen Einsatz mehr? Weit gefehlt. Gerüchten zufolge nutzen Geheimdienste die gute alte Schreibmaschine, um Protokolle vor Hackern zu schützen. Aber nicht nur Agenten setzen auf Old School, auch Musiker tun dies: 1950 Komponist Leroy Anderson mit „The Typewriter“, 2006 der Berliner Rapper Prinz Pi mit „Schreibmaschine“ und 2018 die schwedische Komponistin Malin Bång mit „Splinters Of Ebullient Rebellion“. Autoren wissen selbstverständlich seit ihrer Erfindung um die positive Aura der Maschine Bescheid. Ernest Hemingway oder Astrid Lindgren, Hermann Hesse oder Agatha Christie – sie alle waren ihr verfallen.

Autor: Verena Schwarzinger, 21.04.2022