Positiver Ausblick auf 2026
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ohannes Artmayr streicht über die glatte, grün schimmernde Arbeitsfläche des Küchenblocks, als könnte er eine magische Verbindung zu ihr aufbauen. Mehr als 8.000 Rohplatten lagern am Firmenstandort in St. Martin im Mühlkreis, aber auf diesen Stein ist der Unternehmer besonders stolz. Er wird am Fuße des Großvenedigers in Osttirol abgebaut und ist inzwischen die Nummer drei im Verkaufsranking von Strasser Steine GmbH. Die Mühlviertler verstehen es, Trends zu setzen, die von den großen Küchenherstellern aufgegriffen werden. Motto: Grün ist das neue Grau. „Wir haben einen hervorragenden Stein-Scout aus Südtirol engagiert, den wir regelmäßig auf die Suche nach neuen Vorkommen im alpinen Raum schicken. Diese Platten kamen bisher in Opernhäusern oder Bahnhöfen zum Einsatz, für den Küchenbereich haben wir uns den Stein exklusiv gesichert“, erklärt Artmayr, Geschäftsführer und Eigentümer von Strasser. Nicht nur die außergewöhnliche Farbe spricht eine meist zahlungskräftige Kundschaft an, sondern auch die Herkunft: Während die meisten Natursteine aus Afrika oder Indien importiert werden, setzt Strasser neuerdings auf Regionalität – ein Kaufargument, das in diesem Segment immer wichtiger wird. Artmayr kennt sein Geschäft. Vor 20 Jahren übernahm der Sanierungsexperte das damals insolvente Unternehmen und positionierte es konsequent als Anbieter hochwertiger Küchenarbeitsplatten aus Naturstein. Mit großem Erfolg. Seit Küchen zum Statussymbol und gesellschaftlichen Treffpunkt avanciert sind, spielen die mit Logo gebrandeten Steinplatten von Strasser in derselben Liga wie High-End-Küchengeräte. Das Unternehmen bedient mit seinen Nischenprodukten gezielt das Bedürfnis nach Exklusivität und Langlebigkeit. In Österreich liegt der Marktanteil laut Eigenangabe bei 65 Prozent – und die Aussichten für 2026 sind ausgezeichnet.
Hohe Produktionskapazitäten
„Wir verzeichnen in diesem Jahr bereits ein leichtes Umsatzplus. Für 2025 rechnen wir – je nachdem, was die letzten Tage noch bringen – mit einem Wachstum von drei bis vier Prozent gegenüber 2024. Besonders erfreulich ist jedoch der Auftragseingang: Er liegt bereits im guten zweistelligen Prozentbereich“, erläutert Konstantin Urbanides, der seit August als Finanzchef bei Strasser Steine an Bord ist. Davor war er 15 Jahre als CFO und Geschäftsführer beim Kunststoffrohr-Hersteller Poloplast mit Sitz in Leonding tätig. Der Manager ist vorsichtig optimistisch. „Unsere Kunden verfügen über ausreichend finanzielle Mittel – sie müssen diese nur ausgeben. Dafür braucht es jedoch Sicherheit. Hier spielen geopolitische Themen wie der Ukraine-Krieg eine Rolle. Sobald sich diese Unsicherheiten legen, wird die Nachfrage steigen. Eine Küche ist schließlich eine der teuersten Investitionen, die man im Leben tätigt.“ Vor allem in Deutschland sieht Artmayr großes Potenzial. 2023 wurde die neue Produktionshalle in St. Martin fertiggestellt. Die Investitionssumme von 25 Millionen Euro brachte eine Kapazitätserweiterung von 50 Prozent, allerdings zu einem eher ungünstigen Zeitpunkt. Im selben Jahr ging der Absatz im Küchenmarkt zwischen 15 und 20 Prozent zurück. „Deutschland zählt 30 namhafte Küchenhersteller, die immer noch 1,2 Millionen Küchen pro Jahr produzieren. Da gibt es noch enormes Potenzial für uns“, ist Artmayr überzeugt. Ziel ist es, in den nächsten Jahren den Umsatz von aktuell 50 Millionen auf 75 Millionen Euro zu steigern. Derzeit beschäftigt das Unternehmen 275 Mitarbeiter.
Was den Optimismus nährt
Für Erich Lehner, Partner und Mittelstandsverantwortlicher bei EY Österreich, kommt dieser positive Blick in die Zukunft nicht überraschend. „Unternehmen bewerten die eigene Lage immer deutlich optimistischer als die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung. Das zeigt: Die Unternehmer glauben an sich selbst und an ihr Unternehmen – auch wenn das Umfeld herausfordernd oder schwierig ist.“ Diese leicht steigende Zuversicht wird durch das EY-Mittelstandsbarometer bestätigt. Im Vergleich zum Vorjahr fällt die Bewertung der aktuellen Lage besser aus, und für die kommenden sechs Monate erwarten die Unternehmen eine weitere Verbesserung. Acht von zehn beurteilen ihre derzeitige Situation als positiv, jedes zweite sogar uneingeschränkt positiv. Die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage variiert jedoch stark nach Branche: Während im Bereich Gesundheit/Lifesciences vier von fünf Unternehmen ihre Lage uneingeschränkt gut bewerten, liegt dieser Anteil bei Industrieunternehmen nur bei 41 Prozent. Was rät Lehner in der aktuellen Situation? „Das Wichtigste ist, die richtigen Instrumente zu haben, um die Liquidität jederzeit im Griff zu behalten. So kann man kurzfristig reagieren, ohne bei einem plötzlichen Einbruch sofort zur Bank gehen zu müssen – das ist immer ungünstig. Viel besser ist es, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und mit verschiedenen Szenarien zu planen. Ebenso wichtig wird es sein, sich mit neuen Technologien wie Automatisierung, Digitalisierung und künstlicher Intelligenz auseinanderzusetzen. Davon werden mittelständische Unternehmen mittel- und langfristig stark profitieren.“
Wichtiges Steinmetz-Know-how
Strasser Steine will die Möglichkeiten der Digitalisierung künftig noch stärker nutzen. Das betrifft sowohl den Auftragsfluss vom Küchenstudio direkt zur Maschine als auch die Kommunikation mit den Endverbrauchern. Aktuell kooperiert das Unternehmen zudem mit Forschungseinrichtungen und Hochschulen, etwa um Haarrisse in Platten automatisch zu erkennen und zu markieren. Als Steinmetzbetrieb ist Strasser Steine übrigens auch in diesem alten Berufsfeld tätig – dieser macht rund sechs bis sieben Prozent des Umsatzes aus. Bei den kürzlich zu Ende gegangenen „EuroSkills“ der Steinmetze in Salzburg holte die Steinmetzin Juliana Hain Gold für Strasser. Tradition und Innovation werden bei Strasser perfekt vereint, findet Johannes Artmayr. Ein gutes Beispiel dafür sind die neu entwickelten Arbeitsplatten aus recyceltem Naturstein: Preislich liegen sie im mittleren Segment und machen bereits zehn Prozent der verkauften Platten aus.