Mühlviertel: Geht ned, gibt's ned

Whisky kommt aus Schottland, Gin aus England und Rum aus Jamaica – woher sonst, aus Alberndorf etwa? So ähnlich klang es in Peter Affenzellers Umfeld, als er zur Tat schritt: „Die waren alle erschreckt. So eine Schnapsidee. Keiner hat daran geglaubt.“ Unzählige Auszeichnungen später zweifelt niemand mehr. Peter Affenzeller war das Brennen in die Wiege gelegt worden. „Unser Hof hat ein Getreidebrennrecht und das war immer ein Riesenereignis, wenn alle zum Brennen zusammenkamen.“ Damals gab es einen regen Tauschhandel unter Bauern – Schnaps gegen Speck war gang und gäbe. Mit 18 Jahren wollte er es genauer wissen und startete seine ersten eigenen Brennversuche. „Ich habe schnell gemerkt, dass es meine Passion ist.“ Er brannte fürs Brennen.

Fürs Brennen brennen

Es dauerte aber noch eine Weile, bis er seinen Traum von der Selbstständigkeit realisierte und seinen guten Job als Techniker aufgeben sollte, den er leidenschaftlich gern ausübte. „Der Start war mit großen Investitionen verbunden und keine Bank glaubte an mich.“ Doch Affenzellers Beharrlichkeit (wie er anmerkt, ein typischer Mühlviertler Zug) sollte sich bezahlt machen. „Erst als meine Eltern für mich bürgten und Haus und Hof einsetzten, bekam ich den ersten Kredit.“ 2011 baute er die Destillerie. Zwei Jahre später, mit 26 Jahren, kamen aber erste Zweifel. Hoch verschuldet und mit dem ersten Produkt zögerlich am Markt, schlug dann seine Stunde. „Es kam die erste Goldmedaille und plötzlich war ich als Österreicher Teil der internationalen Whisky-Welt. Das war das Signal: ‚Jetzt geben wir richtig Gas.‘ “

A ois a Junga reifst mit‘n Oita

Heute ist der elterliche Hof eine Schau­destillerie und eine Eventlocation sondergleichen, die heuer mit dem Tourismuspreis ausgezeichnet wurde. Affenzeller hat dabei alles fest im Griff: „Das Getreide machen wir selbst, die Quelle gehört uns. Jetzt heißt es, an allen Schrauben zu drehen, um noch bessere Produkte zu machen.“ Und er verrät eines: „Die nächsten Jahre werden gewaltig gute ­Spirituosen hervorbringen. Wie beim Whisky habe ich das Gefühl, das ich mit den Produkten reife.“ Die großen Destillerien aus Schottland, Irland oder den USA können übrigens beruhigt sein. ­Seine 25.000 Liter Whisky, 15.000 Liter Gin und 8.000 Liter Rum wollen die Österreicher dem Ausland nicht gönnen und trinken sie lieber selber.

95 Prozent Bauchgefühl

Wie eine solch ungewöhnliche Erfolgs­story möglich wurde? „Zu 95 Prozent aus dem Bauch heraus. Ich gehe gerne laufen, habe dann hin und wieder gute Ideen und setze sie dann um.“ So etwa die Idee, mit Leo Hillinger gemeinsam eine limitierte Edition des Besten beider Welten zu vereinen. „Leo gibt mir die Weinfässer seiner absoluten Top-Weine der Icon-Linie und ich lagere darin mein bestes Produkt. Abgefüllt wird die mit 500 Stück limitierte Edition in einer von Zaha Hadid designten Flasche.“ So wie Leo Hillinger, der mittlerweile als Business Angel unterwegs ist und in Startups investiert, wird auch Peter Affenzeller oft von Jungunternehmern um Rat gefragt: „Viele junge Leute erklären mir ihre Business-Ideen. Manche brennen dafür und bei manchen springt nicht einmal ein Funke über, wenn sie von ihrer Idee berichten. Man muss komplett für eine Sache brennen, sonst wird das nichts.“ Und der Brenner weiß, wovon er spricht.

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Autor: Jürgen Philipp, 02.11.2021