Gallisches Dorf der globalen Sportartikelindustrie

Franz Föttinger und Otto Leodolter, die Chefs von Fischer Sports und deren Tochter Löffler erzählen, wie man sich als Österreichs einzig verbliebener Skihersteller in Familienbesitz in diesem Umfeld erfolgreich behaupten kann.
Autor: Jürgen Philipp, 23.12.2022 um 08:40 Uhr

CHEFINFO: Wie laufen aktuell die Geschäfte? Wirkt sich die aktuelle Teuerungswelle auf Ihr Business aus?

Franz Föttinger: Aktuell läuft die Vororder für den darauffolgenden Winter. Das vergangene Jahr ist sehr positiv verlaufen, das ging so weit, dass wir bei manchen Segmenten und Produkten auf die Stopptaste drücken mussten, weil wir die Bestellungen nicht zeitgerecht abarbeiten hätten können. Beim Langlaufen waren wir im letzten Winter komplett ausverkauft. Das lag auch an Nachhol­effekten aus der Coronazeit. Viele Händler, insbesondere die heimischen Verleihhändler, haben abgewartet. Jetzt rüsten sie ihre Verleihparks nach. Die größte Schwierigkeit bleibt aber die ­Lieferkette. Im Sommer haben wir um ­Materialien, etwa Belagsmaterialien oder Oberflächenfolien kämpfen müssen. Allerdings entspannt sich die Situation langsam. Dazu kam, dass wir durch den Brand in unserer Fabrik in der Ukraine nur eingeschränkte Kapazitäten hatten. Aktuell ist eine Ungewissheit zu spüren, wie der kommende Winter funktionieren wird. Ob sich die Inflation im Alpinskisport auswirken wird, ist noch offen. Die Skigebiete sind allerdings sehr gut gebucht.

Otto Leodolter: Bei Löffler haben wir den Vorteil, dass wir im Sommer- und Wintersport zu Hause sind. Wir haben also die Indikatoren früher gespürt. Der Handel war aufgrund der Preis- und Kostensteigerungen eindeutig zurückhaltender, auch die Konsumenten sind das. Wir sind ein bisschen vorsichtiger, was den aktuellen Winter betrifft. Wir haben zwar gute Vororder und sind voll beschäftigt, die Ware auszuliefern, sehen aber doch eine gewisse Zurückhaltung bei Nachbestellungen im Handel, das zeigt, dass auch die Konsumenten zurückhaltend sind.

Wie sehen Sie die Zukunft des Skisports? Schulskikurse werden immer weniger, Skifahren wird immer teurer. Wird der Skisport vom Massenphänomen zum Elitesport?

Föttinger: Natürlich wäre es für ­unsere Branche wichtig, dass man Kindern das Skifahren früh beibringt. Im Verbund mit dem Tourismus und der Seilbahnwirtschaft setzen wir Initiativen, um den Schulen den Zugang zu einem Skikurs so einfach wie möglich zu gestalten. Heuer stieg die Nachfrage stark an. Schulskikurse scheitern nicht am finanziellen Aufwand, sondern daran, ob die Mehrheit der Klasse dafür stimmt und ob es Lehrer gibt, die dafür bereit sind. Generell muss man sagen, dass Skifahren, rechnet man alles zusammen, nicht gerade günstig ist. In den USA ist Alpin­skifahren bereits ein elitärer Sport. Man muss in die Skigebiete fliegen und die Unterkunftspreise sind deutlich höher. Es gibt kaum Tagesskipässe unter 100 US-Dollar, und dennoch ist es der größte Alpinskimarkt der Welt. Auch in Österreich ist Skifahren längst kein Volkssport mehr, dennoch sind die Skigebiete voll und die Buchungen sehr gut.

Leodolter: Wir sehen einen Shift hin zu Winterrad, Winterrunning und Nordic Sports. In Norddeutschland ist Winterbiken ein großer Trend. Dafür braucht es warme Bekleidung sowie Regen- und Windschutz. Unser Fokus liegt auf funktioneller Sportbekleidung und das kommt uns bei diesen Trends entgegen.

Otto Leodolter

Wir haben in Europa nicht diese Riesenfabriken wie in Asien. Die Textilindustrie ist immer noch sehr manuell geprägt, es kann nur wenig computergesteuert bearbeitet werden.

Löffler produziert in Ried und bekennt sich zum Standort Österreich in einer Industrie, die hierzulande fast schon ausgestorben ist. Spielt Ihnen das Thema Deglobalisierung in die Hände?

Leodolter: Wir produzieren jährlich rund 1,5 Millionen Teile, das können wir in Österreich allein nicht bewerkstelligen. Wir haben neben Ried ein großes Werk in Bulgarien und produzieren damit zu 100 Prozent in der EU. Das kommt beim Kunden zwar gut an, aber der Preis spielt nach wie vor eine große Rolle. Auch wenn viel die Rede von einer Deglobalisierung ist, muss man ein bisschen aufpassen. Wir haben in ­Europa nicht diese Riesenfabriken wie in ­Asien. Es gibt schon einen leichten Trend zurück in die EU, aber der ist aufgrund der Kapazitäten limitiert, nicht zuletzt wegen fehlender Fachkräfte. Die Textilindustrie ist immer noch sehr manuell geprägt, es kann nur wenig computergesteuert bearbeitet werden. Allerdings glaube ich persönlich, dass vor allem die Klimadiskussion die High-Speed-Mode reduzieren wird.

Franz Föttinger, Fischer Sports

Im Bereich Nordisch sind wir Weltmarktführer und die dominante Marke im Spitzensport. In diesem Feld sind wir eher in
einer Verteidigungsposition.

Global gefragt: Wie behauptet man sich in diesem stark konzentrierten und globalisierten Sportartikelmarkt?

Föttinger: Bei Fischer haben wir zwei große Divisionen: Alpin und Nordisch. Beide Felder sind etwas anders gelagert. Was wir bei beiden gleich machen, ist, unsere Marke über den Rennsport zu kommunizieren. Im Bereich Nordisch sind wir Weltmarktführer und die dominante Marke im Spitzensport. In diesem Feld sind wir eher in einer Verteidigungsposition. Der Alpinmarkt ist viel stärker umkämpft und wesentlich größer. Den Rennsport als Tool einzusetzen ist da ungleich herausfordernder. Es gibt viel mehr, vor allem globale Player und Marken in großen Firmenverbünden, die richtig viel investieren können. Wir sind ein mittelständischer Player und Familienunternehmen. In unseren Kernmärkten, dem Alpinraum und Deutschland, sind wir in einer sehr guten Position, weil wir unser Leistungsversprechen halten, sehr guten Service und gute Qualität bieten. Deshalb sind wir im Handel gut platziert. Wo wir uns schwertun, sind etwa die USA, da sind wir noch nicht stark präsent.

Leodolter: Es gibt keinen einzelnen Trick, wie man in einem solchen Haifischbecken überlebt, aber Löffler hat eine 49-jährige Geschichte und Themen wie Lieferperformance, Qualität und Funktionalität, dazu leben wir Nachhaltigkeit. Das alles macht uns beim Kunden sehr glaubwürdig. Wir haben nicht erst in den letzten zehn Jahren gelernt, wie wir vorsichtig mit Ressourcen umgehen. Wenn man in Österreich bzw. Europa produziert, braucht man einen ganz anderen Zugang zur Textilproduktion als in Asien. Diese ge­lebte Nachhaltigkeit hilft uns am Markt.

Alpin Ski/ Fischer Sports

Inwiefern hilft Ihnen das EU-Lieferkettengesetz?

Leodolter: Wir beschäftigen uns seit jeher mit der ­Lieferkette und können sie bis zum letzten Garnfaden abbilden. Wenn man Lieferanten aus der EU an Bord hat, kann man ganz anders agieren und kommunizieren als in Asien, wo die Lieferkette sehr weit weg ist. Es ist aber auch mit Aufwand verbunden, bis zum letzten Farbstoff, Reißverschluss, Knopf, Garn, Drucke hinterfragen zu müssen, ob es den ökologischen und sozialen Standards entspricht. Das wird nicht einfach, aber ich finde es richtungsweisend. Wenn das Gesetz nicht zahnlos sein soll, werden die Großen, die sich nicht daran halten, ordentlich gestraft werden müssen.

Fischer betreibt eine Skifabrik in der Ukraine, die 2020 abgebrannt ist. Wird dort wieder produziert und wie ist die Lage?

Föttinger: Die Fabrik ist wieder in Betrieb. Es war ein Megaprojekt, zuerst Corona, dann der Krieg. Es war extrem herausfordernd. Das Werk liegt 40 Kilometer von der ungarischen Grenze entfernt, also in einem Gebiet, das von den Kriegswirren nicht betroffen ist. Das Leben dort ist mehr oder weniger normal. Auch von Problemen mit der Energieversorgung sind wir bis dato verschont geblieben, aber wir wurden aufgefordert, Energie zu sparen und Energiespitzen zu vermeiden, das heißt wir produzieren zeitverzögert. Wir glauben an den Standort und wollen auch weiter investieren.

Race Skating/Löffler