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Mit Abstand größte Pleite heuer: kika/Leiner
Mit Abstand größte Pleite heuer in Österreich: kika/Leiner
Mit Abstand größte Pleite heuer in Österreich: kika/Leiner
HELMUT FOHRINGER / APA / picturedesk.com

Firmenpleiten steigen um 11 Prozent

21.06.2023 um 10:26, Klaus Schobesberger
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Laut aktueller KSV1870 Hochrechnung steigt die Zahl der Firmenpleiten weiter und befindet sich aktuell knapp über dem Vorkrisenniveau aus dem Jahr 2019.

Demnach sind im ersten Halbjahr 2023 in Österreich 2.600 Unternehmen (+ 10,9 % gegenüber 2022) von einer Insolvenz betroffen. Den größten Zuwachs verzeichnet Kärnten (+ 61,7 %), den deutlichsten Rückgang meldet das Burgenland (- 5,2 %). In Oberösterreich waren 255 Unternehmen (- 1,2 % gegenüber 2022) von einer Insolvenz betroffen. Im Vorkrisenjahr 2019 wurden 305 Insolvenzen in Oberösterreich verzeichnet. Auffallend erhöht haben sich allerdings die Passiva um 26 Prozent auf auf 1,04 Milliarden Euro. Die bis dato größte Firmenpleite betrifft die Leiner & kika Möbelhandels GmbH mit geschätzten Passiva von 132 Mio. Euro. Zudem ist die Zahl der betroffenen Mitarbeiter auf 11.600 Personen (+ 65,7 %) und jene der betroffenen Gläubiger auf 21.000 Geschädigte (+ 53,3 %) angewachsen. Mit Blickrichtung Jahresende erwartet der KSV1870 bis zu 5.300 Firmenpleiten


Die Insolvenzen sind nun nicht mehr so kleinteilig wie zuletzt. Es bestehen höhere Verbindlichkeiten und auch die Anzahl der betroffenen Dienstnehmer ist gestiegen.


Petra Wögerbauer, Insolvenzexpertin bei KSV1870 Linz

 

Schäden für die Gläubiger um 175 Prozent gestiegen

Ein Blick auf die Österreich-Karte zeigt, dass Kärnten, Tirol und die Steiermark den höchsten Anstieg bei Unternehmensinsolvenzen verzeichnen. Geschuldet ist dies vor allem den „Nachholeffekten“ vergangener Monate. Im Bundesländerranking findet sich Oberösterreich mit 255 Firmenpleiten auf Platz 4 hinter Wien (892 Firmeninsolvenzen, + 8,6 %), Niederösterreich (518 Firmeninsolvenzen, + 7,9 %) und Steiermark (283 Firmeninsolvenzen, + 15 %).Die bislang größte Firmenpleite in Oberösterreich betrifft den Linzer Anlagenbauer Hitzinger Electric Power GmbH mit geschätzten Passiva von 29,7 Mio. Euro. Mit 143 Mio. Euro Passiva* liegen die negativen Auswirkungen der Insolvenzen des heurigen Jahres deutlich über dem Vergleichswert des Vorjahres von 52 Mio. Euro. Das bedeutet ein Plus von 175 Prozent. „Die Insolvenzen sind nun nicht mehr so kleinteilig wie zuletzt. Es bestehen höhere Verbindlichkeiten und auch die Anzahl der betroffenen Dienstnehmer ist gestiegen“, sagt Petra Wögerbauer von KSV1870 Linz. Die Insolvenzexpertin weist auch darauf hin, dass die Zahl der mangels Kostendeckung nichteröffneten Verfahren auf 112 Fälle (-4,2 %) gesunken ist. Im Vergleichszeitraum 2022 wurden in Oberösterreich 117 Verfahren mangels kostendeckenden Vermögens nicht eröffnet. Nachdem zu lange mit einem Insolvenzantrag zugewartet wurde, müssen diese Unternehmen liquidiert werden. „Aus Sicht des KSV1870 wäre es eine Option, zukünftig über die Eröffnung von aktuell nichteröffneten Fällen nachzudenken. Auch, weil es im Zuge einer ordentlichen Regulierung häufig durchaus realistisch wäre, verwertbare Assets zu finden, die zugunsten der Gläubiger ausgelegt werden könnten“, erläutert Wögerbauer.

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