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Löffler, GEPA

Die tapferen Schneider

25.02.2026 um 10:40, Jürgen Philipp
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Made in Austria. Der Rieder Sporttextilien-Hersteller Löffler beweist, dass man trotz explodierender Kosten in Österreich produzieren kann.

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A fesche Wäsch – mit Betonung auf „A“. So in etwa lautet der Tenor bei der Übergabe von 5.700 Bekleidungsstücken an das österreichische Olympia-Team durch den Textilproduzenten Löffler. Seit 46  Jahren arbeitet man mit dem ÖSV zusammen. Eine Partnerschaft, die passt, nicht nur im Sitz, sprich Tragekomfort, sondern auch beim Firmensitz in Ried. Löffler steht für „Made in ­Austria“ und das in einer ­Branche, die schon lange nicht mehr mit der Alpenrepublik konnotiert wird. „Die gesamte Wertschöpfung passiert zu 90 Prozent in Österreich“, erzählt Geschäftsführer Otto Leodolter. Ein Satz, der in einer globalisierten Textilbranche fast anachronistisch wirkt – und doch so modern wie nie zu sein scheint. „Made in Austria“ ist schließlich der Marken­kern des Unternehmens.

 

Transparenz bis zum dünnsten Garn. Löffler hat seine komplette Lieferkette für jeden Kunden nachvollziehbar veröffentlicht.

Kaum heimische Näherinnen

Löffler produziert rund 1,2 Millionen Teile pro Jahr. Die Vorproduktion wie Stoffherstellung, Zuschnitt oder Labeldruck findet überwiegend in Österreich statt, ebenso das Zusammennähen kleinerer Teile. „Rund 70  Prozent unserer Stoffe machen wir in Ried selbst und wir färben auch fast alles am Stammsitz. Nur die reine Näharbeit erfolgt teilweise in europäischen Lohnbetrieben, etwa in Bulgarien, der Slowakei oder Tschechien“, erklärt Leodolter. Für ihn könnte es durchaus ein wenig mehr sein, doch das ist faktisch unmöglich. Der Grund dafür ist schlicht und ergreifend der Arbeitsmarkt: „Für unsere Größenordnung bräuchten wir 300 bis 350 Näherinnen – dieses Personal ist in Österreich kaum mehr zu finden.“
 

Otto Leodolter Geschäftsführer Löffler

Eine Frage der Glaubwürdigkeit

Das war 1974 zwar noch anders, dennoch stand Löffler, damals noch auf Socken spezialisiert, vor dem Aus. Gerettet wurde das Unternehmen von niemand Geringerem als dem ­legendären Pepi Fischer – das ­personifizierte Bekenntnis zum Standort Ried. Das war aber nicht immer so. In den 1990er Jahren wurde über eine Verlagerung ins Ausland ­nachgedacht. „Seit 15  ­Jahren, seit ich im Unternehmen bin, kommen diese Diskussionen zwar immer wieder – aber es gibt jedes Mal ein ­klares Commitment für Österreich. Das ist schließlich unser USP“, betont Leodolter. Eine Verlagerung in ­Billiglohnländer würde die Glaubwürdigkeit zerstören: „Unsere Margen wären in Asien deutlich höher, aber dann wären wir austauschbar.“ „Ja zu  A“ ist vor allem für den Hauptmarkt ein starkes Argument – Österreich. Gleichzeitig liegt der Export­anteil bei 52  Prozent. Exportiert wird nach Deutschland, in die Schweiz, die Benelux-­Länder, nach Frankreich und Spanien. Löffler setzt dabei voll auf den stationären Fach­handel. „Der spielt eine zen­trale Rolle. Mit ihm haben wir eine sehr enge Partnerschaft. Online wachsen wir zwar auch, dieser Bereich macht aber nur 15  bis 20  Prozent unseres Umsatzwachstums aus.“
 

Disziplin und Innovation

Doch wie schafft man es nun, selbst in einer so schwierigen, hochglobalisierten Branche, wie der Textilindus­trie in Österreich, zu wirtschaften? Dazu braucht es, laut Leodolter, vor allem Disziplin: „Wir haben gelernt zu sparen, Budgets streng einzuhalten und ständig zu innovieren.“ Kontinuierliche Verbesserung und Produktentwicklung sind eine Notwendigkeit, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Der größte Herausforderung ist und bleibt das hohe Lohn­niveau. „Die Personalkosten sind in den vergangenen Jahren explodiert. Dazu kommen der Personalmangel und die abnehmende Bereitschaft zur Vollzeitarbeit. Das beschäftigt uns massiv.“ 
 

Modernste Produktion, hohe Disziplin und der ständige Druck, Innovationen zu lancieren, ermöglichen es Löffler, in Österreich zu fertigen.

Ein Startup verspricht Unglaubliches

Und es verlangt nach scheinbar Unmöglichem, wie Michael Mayr, COO und Co-Gründer des Startups Silana, verspricht: „Wir können ein T-Shirt in Österreich oder in Deutschland zu ­vergleichbaren Preisen wie in China produzieren.“ Das ließ Löffler aufhorchen und gab dem Jungunternehmen mit Sitz in Wien und New York eine Chance. Silana will den weltweit ersten vollautomatischen Näh­roboter auf den Markt bringen. Das ist bisher noch keinem gelungen, nicht zuletzt, weil Stoffe „biegeschlaffe“ Gewebe sind, wie es in der Fachsprache heißt. Je nach Fasern verhält sich das ­Material anders. Roboter mögen aber immer gleichbleibende Umgebungen. ­Michael Mayr ist dabei kein Unbekannter für Leodolter. „Ich kenne ihn schon lange. Wir sind ja fast Nachbarn.“ Mayr stammt nämlich aus der Innviertler Modefamilie Mayr (Fussl Modestraße) und ist damit ein fundierter Kenner der Textilbranche. Silana möchte den gesamten Prozess vom Handling der Materialien bis zum vollautomatischen Nähen automatisieren. Löffler begrüßt das, denn „Wir brauchen jede Form von Innovation, um nachhaltig erfolgreich zu bleiben“.

 

Transparent wie Glas

Apropos nachhaltig. Auch dieses Thema ist längst Teil der Löffler-DNA, schließlich sind lange Transportwege in Ried kein Thema. „Wir kennen alle ­unsere ­Lieferanten persönlich.“ Das beweist ­Löffler nun, indem man ab sofort die komplette Lieferkette – von der Garnspule über alle ­Verarbeitungsschritte bis zum fertigen Produkt – transparent offen­legt. ­Mittels QR-Code an den Produkt­etiketten können Kunden die Schritte ­nachvollziehen. „Wir machen das freiwillig, weil es uns wichtig ist. Während ein Großteil der Textilproduktion nach ­Asien abgewandert ist, stärken wir die regionale Wirtschaft und sichern Arbeitsplätze in Österreich und anderen Teilen Europas. Wir wollen zeigen, wie ehrliche, verantwortungsvolle und ­nachvollziehbare Textilproduktion in Österreich und Europa dieses Jahr und in Zukunft funktionieren kann.“ Löffler legte damit einiges vor: „Der Schritt war intern durchaus umstritten, weil das ja auch unsere Mitbewerber sehen, doch es ist ein starkes Signal in Richtung der Konsumenten.“ An der nachhaltigen DNA „Made in A“ soll auch in Zukunft nicht gerüttelt werden. „Der Standort bleibt und wird ausgebaut. Wir verstehen uns als europäisches Unternehmen und werden das auch bleiben.“ 

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