Blackout: „Wir wissen genau, was zu tun ist“

Blackout-Panikmache: Johannes Zimmerberger, Geschäftsführer der LINZ NETZ GmbH, im Interview über Notfallpläne, Pufferspeicher und warum E-Mobilität unsere Netze nicht überlasten wird.
Autor: Jürgen Philipp, 29.11.2021 um 10:31 Uhr

Chefinfo: Was passiert, wenn es zu einem Blackout kommen würde?
Johannes Zimmerberger: Wenn es zu einem Blackout kommen sollte, dann haben alle Netzbetreiber einen koordinierten Notfallplan und fixfertige Netz­wiederaufbaupläne, in denen genau festgelegt ist, wer welche Maßnahmen setzt. So kann das Fernheizkraftwerk in Linz hochgefahren werden, bis wieder Strom im Übertragungsnetz zur Verfügung steht. Wir trainieren den Netzwiederaufbau regelmäßig. In Deutschland gibt es ein Simulationszentrum, wo wir das Netz per Computerunterstützung simulieren und so kritische Situationen üben können. Wir wissen daher genau, was zu tun ist. Die Simulationen haben uns gezeigt, dass wir bei einem Blackout das Netz in drei bis vier Stunden wieder aufbauen können. Selbst im schlimmsten Fall können wir also davon ausgehen, dass wir allerspätestens nach einem Tag wieder vollversorgt sind.

Ein Grund für die Blackout-Gefahr wird in den erneuerbaren Energien gesehen. Wäre die Gefahr gebannt, wenn es genügend Speicher geben würde?
Zimmerberger: Ja. Wir werden ­diese Speicher brauchen, und wir werden sie bekommen. Vieles in unserem Leben hängt von der Strominfrastruktur ab, ­deshalb müssen wir schauen, dass sie sicher und zuverlässig funktioniert – auch nach der Energiewende. Es gibt verschiedenste Ansätze, von Wasserstoff oder synthetischem Erdgas bis hin zu Batteriespeichern. Das alles sind ­Dinge, die den Umbau des Energiesystems Schritt für Schritt in die richtige Richtung bringen. Das Allerwichtigste ist, dass gleich viel Strom erzeugt wie verbraucht wird. Speicher könnten das in kürzester Zeit ausgleichen. Wir brauchen im Winter mehr Strom als im Sommer, produzieren im Sommer aber mehr. Pumpspeicherkraftwerke, aber auch ­Gaskraftwerke tragen dazu bei, diese Schere auszugleichen.

Manche Apokalyptiker sehen die E-Mobilität als Faktor für künftige Blackouts. Halten das unsere Netze aus?
Zimmerberger: Es wird einen Umbau brauchen, der aber nicht so groß sein wird, wenn man es intelligent angeht. Wenn alle Autos um 17 Uhr zu ­Hause sofort vollgeladen werden, überlastet das die Netze. Wenn man das steuert, lässt sich das problemlos handhaben. Wir haben im Rahmen eines Forschungsprojekts das Nutzerverhalten von E-Mobilität untersucht. Menschen, die E-Mobilität gewohnt sind, haben ihre Autos nicht gleich angesteckt, wenn der Akku noch zu 70 Prozent voll war. Man bekommt dafür ein Gespür. Ist das intelligent gelöst, dann lädt das Auto vielleicht um 2 Uhr nachts, weil da der Strom gerade besonders günstig ist.

Ist nicht die Gefahr von Cyberattacken auf einen Energieversorger realer als die eines Blackouts?
Zimmerberger: Damit setzen wir uns intensiv auseinander. Allerdings ist es auch da so, dass wir hohe Standards haben. So ist etwa unser Netzleitsystem nicht mit dem Internet verbunden. Wenn sich da jemand Zugang verschaffen will, würden wir das schnell merken. Wenn alle Stricke reißen, dann können wir alle unsere 23 Umspannwerke auf Handbetrieb umstellen. Außerdem haben wir einen eigenen Betriebsfunk, um die Kommunikation aufrechterhalten zu können.