Sind E-Autos bei hohen Strompreisen sinnvoll? Interview mit Thomas Beran - Markenleiter Audi Österreich

In etwa drei Jahren wird Audi den letzten “neuen“ Verbrenner auf den Markt bringen. Der Markenleiter von Audi Österreich, Thomas Beran, erklärt im Interview, ob dies realistisch ist, warum auch bei hohen Strompreisen das E-Auto Sinn macht und wie es in Sachen Elektro-Infrastruktur weiter geht.
Autor: Werner Christl, 06.10.2022 um 16:20 Uhr

Weekend: Der letzte „neue“ Verbrenner soll bei Audi 2026 auf den Markt kommen. Ab 2033 wird Audi sozusagen rein elektrisch unterwegs sein. Ist das aus jetziger Sicht immer noch realistisch? Immerhin erleben wir momentan unsichere Zeiten.

Thomas Beran: Der Zeitplan, der von der Audi AG verkündet wurde, steht noch. Dieser ist natürlich ambitioniert, weil es einige Herausforderungen gibt. Speziell auch softwareseitig.

Weekend: E-Mobilität funktioniert nur mit guter Infrastruktur bzw. genügend Lademöglichkeiten. Tut hier die Politik genug, oder wird das Feld zu sehr den Herstellern überlassen?

Thomas Beran: Ja, natürlich ist die Infrastruktur wichtig und diese muss auch mitwachsen. Und zwar im gleichen Tempo mit dem die Autos auf die Straße kommen. Wir haben jetzt bei Audi ca. 400 Ladebuchsen in Europa. Das wird aber insgesamt gesehen zu wenig sein. Auf den Urlaubsrouten im Sommer kommt es deshalb schon zu Wartezeiten bei den E-Ladestationen. Aber wichtiger aus unserer Sicht ist die Ladedauer. Ein Audi e-tron GT kann mit bis zu 270 kW geladen werden. So gesehen kann man in 5 Minuten 100 Kilometer laden. Aber ja, die Politik ist gefordert.

Weekend: Wie sieht es mit den „Strom-Zuleitungen“ zu den Ladestationen aus. Um eine Schnellladestation optimal zu versorgen, bedarf es auch einer eine guten Infrastruktur seitens der Energieanbieter. 

Thomas Beran: Natürlich ist noch einiges zu tun. Vor allen in Sachen Schnellladestationen. In Deutschland gibt es schon sehr viele auf Autobahnen – hier muss Österreich noch nachziehen. Als Marke haben wir aber auch eine gewisse Mitverantwortung. Es gibt ja bereits eigene Charging-Hubs von Audi, die beispielsweise schon in Nürnberg oder Zürich errichtet werden. Wir bauen jetzt auch den ersten Charging-Hub in Salzburg. Weiters folgen Graz und andere Städte.

Weekend: Die Preisgestaltung bei den Ladestationen ist in Österreich etwas speziell. Es gibt verschiedene Bezahlsysteme bzw. verschiedene Karten. Außerdem wird teilweise nach Zeit abgerechnet. Wichtig wäre wohl eine Vereinheitlichung, oder?

Thomas Beran: Da gibt es Unterschiede von Land zu Land. Was jetzt kommen wird, ist, dass der Autofahrer sieht, was der Ladevorgang kostet. Bisher hat man praktisch erst im Nachhinein erfahren, wieviel man zahlt. Wobei, mit der Audi-Charging Karte hat man einen einheitlichen Tarif. Mit dieser kann man über 90 Prozent aller Ladepunkte ansteuern und dort laden. Insofern hat man eine fixen Tarif. Aber das Wichtigste ist vorerst, dass man eben sieht wieviel das Laden kostet.

Weekend: Derzeit wird viel darüber diskutiert, dass bei den derzeitigen Strompreisen ein E-Auto angeblich keine Sinn macht. Was sagen Sie den Menschen, die so darüber denken?

Thomas Beran: Wir erleben derzeit wirklich eine sehr spezielle Zeit. Das muss man schon sagen. Wenn man sich aber alles durchrechnet, so sieht man schon, dass es immer noch günstiger ist, als mit einem Verbrenner zu fahren. Optimal wäre es, daheim eine Photovoltaikanlage zu haben und so extrem günstig mit einem E-Fahrzeug unterwegs zu sein. Ich denke, man sollte den Menschen die Kosten vorrechnen. Dahingehend schulen wir auch unser Verkaufspersonal. Generell gibt es in Sachen Elektromobilität sehr viel Aufklärungsbedarf.

Weekend: Was war die weiteste Strecke, die Sie persönlich mit einem E-Auto ohne Ladestopp zurückgelegt haben?

Thomas Beran: Ich bin 496 Kilometer zwischen Salzburg und Venedig gefahren. Ich habe gedacht, dass ich die 500 km schaffe, was sich aber leider nicht ganz ausgegangen ist.

Weekend: Und wie lange war die Strecke, die sie inklusive „Tanken“ in einem E-Auto zurückgelegt haben?

Thomas Beran: Ich bin von Salzburg nach Rom und wieder zurück ohne Probleme gefahren. Wobei man schon sagen muss, dass es in Italien weitaus schwieriger ist, mit eine E-Auto unterwegs zu sein, weil die Infrastruktur nicht immer vorhanden ist. Trotzdem hat die Reise sehr gut geklappt.

Weekend:Wir stehen hier am Salzburgring neben einem Audi RS e-tron GT, der rein elektrisch vorfährt und einem V10-Zylinder, der ein reiner Verbrenner ist. Beide haben jeweils mehr als 600 PS. Hier treffen zwei Generationen aufeinander, oder?

Thomas Beran: Der Audi R8 ist so etwas wie die Verbrenner-Speerspitze und in einem Preisbereich angesiedelt, der eine Nische in Österreich darstellt. Man bezahlt bei diesem Auto sehr hohe Steuern. Deshalb werden pro Jahr auch nur etwa zwei Hände voll von diesem Sportler verkauft. Wir sprechen hier von 300.000 Euro pro Auto! Im Vergleich dazu haben wir letztes Jahr vom e-tron GT etwa 300 Fahrzeuge verkauft. Auch heuer rechne ich mit 200. Auch preislich ist ein e-tron GT interessant, weil ja keine NoVA zu zahlen ist. Der e-tron GT ist ganz klar ein Sportler der Zukunft. Grundsätzlich sind wir mit dem Verkauf unsere E-Autos sehr zufrieden. Das gilt vor allem auch für den Q4 und e-tron.

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