Opernball: Kampf ums Überleben der Blumen
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Heute blickt die ganze Stadt auf die Wiener Staatsoper. Limousinen rollen vor, Blitzlichter zucken, Roben rauschen über den roten Teppich. Der Opernball ist der gesellschaftliche Höhepunkt des Jahres und verwandelt das ehrwürdige Haus am Ring in einen Ort voller Glanz und großer Gefühle. Doch während sich Prominenz und Debütantinnen auf ihren Auftritt vorbereiten, lief hinter den Kulissen bereits seit Tagen ein Kraftakt, der in seiner Dimension selbst erfahrene Eventprofis staunen lässt.
Blütenmeer für die große Ballnacht
Wer heute die Oper betritt, taucht in ein Meer aus kräftigem Rot und tiefem Violett ein. Insgesamt 40.000 Blumenstiele schmücken das Gebäude, darunter 15.000 Rosen der Sorte „Red Naomi Futura“. Gemeinsam mit rotem Amaranthus sorgen sie für eine dramatische, kamerataugliche Farbwirkung, die sowohl im Saal als auch auf den TV-Bildschirmen Eindruck macht. Zarte Pastelltöne hätten gegen das grelle Fernsehlicht keine Chance, deshalb setzt man bewusst auf starke Kontraste und satte Farben. Mehr als 320.000 Blütenblätter wurden in Handarbeit aufgefaltet, damit jede Rose ihre volle Pracht entfalten kann. Rund 300 Tische tragen üppige Arrangements, entlang der Balustraden ranken sich opulente Gestecke, und sogar über den Köpfen der Gäste schwebt Blumenschmuck, der eigens auf maßgefertigten Konstruktionen befestigt wurde. Trotz aller Opulenz bleibt die Architektur der Staatsoper sichtbar. Die Dekoration soll akzentuieren und nicht verdecken, sie soll Staunen auslösen und gleichzeitig dem historischen Rahmen Respekt zollen.
Zehn Tage Arbeit
Verantwortlich für dieses Blütenkunstwerk ist Florist Emil Doll. Er zeichnet für die Opernball-Dekoration verantwortlich und koordiniert seit Tagen ein Team von mehr als 40 Personen. Zehn Tage lang wurde nahezu durchgehend gearbeitet, häufig bis tief in die Nacht. Pro Stunde schafft eine Person etwa 200 Blumen, die von Blättern befreit, angeschnitten und gewässert werden. 15 Mitarbeiter widmeten sich drei Tage lang ausschließlich dem Auffalten der Blütenblätter. Der Aufwand ist enorm, die körperliche Belastung ebenso.
Budget
Auch finanziell ist der Blumenschmuck eine eigene Liga. 40.000 Premium-Blumen, internationale Lieferketten, Spezialanfertigungen für Decken- und Balustradenkonstruktionen sowie der Einsatz von mehr als 40 Fachkräften über viele Tage hinweg summieren sich zu einem beträchtlichen Budget. Exakte Planung ist daher entscheidend, denn jede Abweichung würde sofort ins Geld gehen. Für Emil Doll steht bei diesem Großprojekt jedoch nicht der maximale Gewinn im Mittelpunkt, sondern das Gelingen des Gesamtkunstwerks. Gegenüber News sagt er offen: „Wenn ich mit einer schwarzen Null aussteige, bin ich happy.“ Der Opernball ist für ihn vor allem ein Prestigeauftrag, der weit über eine betriebswirtschaftliche Rechnung hinausgeht und die Leistungsfähigkeit seines Teams auf internationaler Bühne sichtbar macht.
Millimeterarbeit und Dauereinsatz
Hinter dem romantischen Blütenzauber steckt präzise Logistik. Dutzende Gefäße sind nummeriert und exakt einer Position zugeordnet, damit jedes Arrangement millimetergenau sitzt. Sämtliche Installationen werden absturz- und brandsicher befestigt. Selbst bei den Deckenkonstruktionen wird darauf geachtet, dass kein Tropfen Wasser auf die Ballgäste fallen kann. Eine besondere Herausforderung ist die Frische der Blumen. Die Steckschwämme, in denen die Arrangements verankert sind, enthalten nur begrenzt Wasser und trocknen rasch aus. Zwei bis drei Mitarbeiter sind deshalb ständig unterwegs, um vorsichtig nachzugießen und das Gleichgewicht zu halten. Zu wenig Wasser würde die Blüten schlapp machen, zu viel könnte Schäden verursachen. Während im Festsaal Walzer getanzt wird, sorgt im Hintergrund ein eingespieltes Team dafür, dass jede Rose bis zum letzten Takt perfekt aussieht. Wenn in den frühen Morgenstunden der Abbau beginnt, sind viele Blumen bereits verschwunden, mitgenommen als duftendes Souvenir dieser besonderen Nacht. Zurück bleibt die Erinnerung an einen Abend voller Eleganz, Emotion und einer Blütenpracht, die Wien wieder einmal ins internationale Rampenlicht rückt.