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Porträt am Podium
Pressegespräch zum heimischen Aktienmarkt mit Stefan Bruckbauer, und Jörg Moshuber, Investmentvorstand Schoellerbank Invest, Chefvolkswirt UniCredit Bank Austria, und
Pressegespräch zum heimischen Aktienmarkt mit Stefan Bruckbauer, und Jörg Moshuber, Investmentvorstand Schoellerbank Invest, Chefvolkswirt UniCredit Bank Austria, und
Mika-Nikolas Mahringer

Österreichs Aktien trotzen der Flaute

23.09.2026 um 15:09, Weekend Redaktion
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Österreichs Wirtschaft wächst nur schwach. An der Wiener Börse läuft es besser. Die Schoellerbank setzt auf heimische Aktien, so die Aussage im Pressegespräch.

Österreichs Wirtschaft kommt nur langsam in Schwung, an der Wiener Börse zeigt sich dagegen ein deutlich freundlicheres Bild. Beim Pressegespräch „Österreich im Portfolio – Perspektiven auf den heimischen Aktienmarkt“ erklärten Stefan Bruckbauer, Chefvolkswirt der UniCredit Bank Austria, und Jörg Moshuber, Investmentvorstand der Schoellerbank Invest, warum sie bei österreichischen Aktien weiterhin Chancen sehen. Gleichzeitig wurde ein neuer Fonds mit Fokus auf heimische Unternehmen vorgestellt.

Österreich wächst nur langsam

Die Aussichten für die österreichische Wirtschaft bleiben verhalten. UniCredit rechnet für 2026 mit einem realen Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent. Erst 2027 soll die Konjunktur mit einem Plus von 1,2 Prozent etwas stärker anziehen.

Vor allem die Industrie kommt nur schleppend voran. Produktion und Exporte stagnierten im ersten Halbjahr 2026 weitgehend, während sich Bau und Handel zuletzt etwas verbesserten. Auch die Konjunkturstimmung liegt weiterhin unter dem langjährigen Durchschnitt.

Gleichzeitig bleibt die Inflation erhöht. Nach 3,6 Prozent im Jahr 2025 erwartet UniCredit für 2026 eine Teuerungsrate von 3,2 Prozent. 2027 soll sie auf 2,8 Prozent zurückgehen.

Wiener Börse legt kräftig zu

Die schwache Konjunktur spiegelt sich allerdings nicht unmittelbar an der Wiener Börse wider. Der ATX Prime entwickelte sich zuletzt deutlich stärker als mehrere große internationale Aktienindizes. Vergangene Kursentwicklungen sind allerdings kein verlässlicher Indikator für zukünftige Erträge.

Heimische Aktien günstiger bewertet

Einen wesentlichen Vorteil des österreichischen Aktienmarktes sieht die Schoellerbank derzeit in den vergleichsweise niedrigen Bewertungen. Hinzu kommen vergleichsweise hohe Dividenden. Für den ATX Prime wird eine aktuelle Dividendenrendite von rund 2,7 Prozent angegeben. Die Schoellerbank sieht daher vor allem in der Kombination aus Bewertung, Dividendenstärke und internationaler Ausrichtung heimischer Unternehmen Potenzial.

Risiken bleiben hoch

Trotz des vorsichtigen Optimismus bleiben die wirtschaftlichen Risiken erheblich. Ein wichtiger Unsicherheitsfaktor sind die gestiegenen Energiepreise. UniCredit geht davon aus, dass Energie in Europa 2026 und auch 2027 teurer bleibt als vor Beginn des Iran-Konflikts.

Für Österreich wurde deshalb auch ein ungünstigeres Szenario berechnet: Bleibt der Ölpreis 2027 längerfristig über 100 US-Dollar je Barrel und liegt der europäische Gaspreis bei 75 Euro je Megawattstunde, könnte die Inflation laut UniCredit auf vier Prozent steigen. Das erwartete Wirtschaftswachstum würde in diesem Szenario von 1,2 auf 0,6 Prozent sinken.

Auch bei Aktienanlagen selbst bleiben Risiken bestehen. Bei einem Fonds, der sich auf einen einzelnen Markt konzentriert, kommt zusätzlich ein Konzentrationsrisiko hinzu. Kursschwankungen und Verluste sind jederzeit möglich.

Stefan Bruckbauer, Chefvolkswirt UniCredit Bank Austria und Jörg Moshuber, Investmentvorstand Schoellerbank Invest

CEE als Wachstumsmotor

Eine wichtige Rolle spielt dabei Mittel- und Osteuropa. Rund 23 Prozent der Umsätze der ATX-Unternehmen entfallen laut Schoellerbank auf die CEE-Region.

Das ist deshalb interessant, weil die Wachstumsaussichten dort deutlich besser sind als in Österreich. Für die mittel- und osteuropäischen EU-Länder erwartet UniCredit 2026 ein Wirtschaftswachstum von 2,9 Prozent, 2027 sollen es 2,7 Prozent sein.

Österreichische Unternehmen sind generell stark vom Ausland abhängig. Besonders ausgeprägt ist diese Abhängigkeit in der Industrie. Europa und insbesondere die EU bleiben dabei die wichtigsten Absatzmärkte.

Neuer Österreich-Fonds

Vor diesem Hintergrund startet die Schoellerbank Invest am 24. September 2026 den Fonds „Schoellerbank Aktien Österreich“. Als Kernuniversum dient der ATX Prime. Die einzelnen Unternehmen werden aktiv ausgewählt, auch die Gewichtung der Branchen kann je nach Marktphase verändert werden.

Im vorläufigen Musterportfolio finden sich unter anderem OMV, Raiffeisen Bank International, Bawag, Erste Group, Andritz, voestalpine, Verbund, AT&S, Strabag und Vienna Insurance Group. Besonders stark gewichtet ist der Finanzsektor.

Der Fonds richtet sich laut Schoellerbank an risikofreudige Anlegerinnen und Anleger und ist auf eine langfristige Veranlagung ausgelegt. Empfohlen wird eine Mindestanlagedauer von zehn Jahren. Der Ausgabeaufschlag beträgt fünf Prozent, die geschätzten Verwaltungs- und Betriebskosten liegen bei 1,59 Prozent pro Jahr. Dazu kommen geschätzte Transaktionskosten von 0,25 Prozent jährlich.

Das Fazit des Pressegesprächs fällt daher zweigeteilt aus: 

  • Österreichs Konjunktur dürfte sich nur langsam erholen. 
  • Am Aktienmarkt sieht die Schoellerbank dennoch Chancen. 
  • Vor allem wegen vergleichsweise niedriger Bewertungen, Dividenden und der starken Präsenz österreichischer Unternehmen in Mittel- und Osteuropa.

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