Nichtwähler bei der Wien-Wahl: Wieder mehr als 30 Prozent?

Zwei Drittel aller ÖsterreicherInnen duschen täglich. Für sie ist es das Normalste der Welt. Ähnlich geht es überzeugten WählerInnen wie mir. Selbstverständlich ergreifen wir die Gelegenheit und üben unser Wahlrecht aus, wann immer in Österreich an die Urnen gerufen wird. Aus unserer Sicht wäre ein Wahlverzicht eine verpasste Gelegenheit, die Politik – und damit die Gesellschaft – mitzugestalten. Schließlich sind freie und faire Wahlen weltweit gesehen noch immer ein Privileg. 

Zwei Flugstunden von Wien entfernt, in Minsk, werden Menschen verschleppt, weil sie gegen die Wahlmanipulationen ihres Landesfürsten protestieren. Sie müssen dafür allen Mut zusammen- und unwägbare Risiken in Kauf nehmen. Die größte Gefahr beim Wählen besteht hierzulande darin, möglicherweise mit keiner Partei, mit keinem Kandidaten hundertprozentig einverstanden zu sein. Dann heißt es abwägen und zu einem Ergebnis kommen, mit dem man leben kann. Warum man diese Chance freiwillig ungenutzt lassen sollte, ist mir ein Rätsel. Ich kann mir schlicht nicht erklären, warum zuletzt rund ein Drittel der wahlberechtigten WienerInnen auf diesen simplen demokratischen Akt verzichtet hat. Aus Bequemlichkeit? Weil man darauf vergessen hat? „Die da oben“ eh alle gleich sind? Man fragt sich, was die Menschen in Belarus wohl auf solche Argumente antworten würden.

Autor: Andrea Schröder , 11.10.2020