Eisenstadt baut neue Biogasanlage am Bauhof
- Bauhof wird zur Energiezelle
- So viel Strom und Wärme soll entstehen
- Aus Bioabfall wird Energie
- Reststoffe werden zu Kompost
- Teil des Klimafahrplans 2040
In Eisenstadt hat der Bau einer neuen Biogasanlage am städtischen Bauhof begonnen. Künftig sollen dort biogene Reststoffe aus der Stadt in Strom und Wärme umgewandelt werden. Gemeinsam mit Photovoltaikanlagen und einem Stromspeicher entsteht ein lokales Energiesystem, das unter anderem den Bauhof und die elektrischen Stadtbusse versorgen soll. Überschüssiger Strom kann regional genutzt werden.
Bauhof wird zur Energiezelle
Die Biogasanlage ist Teil einer sogenannten Energiezelle am Eisenstädter Bauhof. Dafür werden unterschiedliche Formen der Energieerzeugung und -speicherung miteinander verbunden. Mehr als 100 kWp Photovoltaikleistung, ein Stromspeicher mit einer Kapazität von mehr als 200 kWh und die neue Biogasanlage sollen künftig als gemeinsames System arbeiten.
Die Idee dahinter: Energie soll möglichst vor Ort erzeugt, gespeichert und auch wieder verbraucht werden. Der produzierte Strom wird daher großteils direkt am Bauhof eingesetzt. Eine wichtige Rolle spielen dabei die E-Stadtbusse, deren Batterien mit der vor Ort erzeugten Energie geladen werden sollen.
So viel Strom und Wärme soll entstehen
Die gesamte Anlage soll laut Stadt jährlich rund 400.000 kWh Strom und 180.000 kWh Wärme produzieren. Die Wärme soll unter anderem für die Trocknung von Strauch- und Baumschnitt verwendet werden. Dieser kann anschließend für die Fernwärme der Burgenland Energie genutzt werden.
Überschüssiger Strom bleibt ebenfalls in der Region. Die Energiezelle ist Teil der regionalen Raiffeisen-Energiegenossenschaft und kann nicht selbst benötigte Energie darüber zur Verfügung stellen. Eva Fugger, GD-Stv. Raiffeisenlandesbank Burgenland:
Die Energiegenossenschaften schaffen wirtschaftliche Vorteile für alle Mitglieder – Bürger:innen, Unternehmen und Kommunen. Erfreulicherweise ist bereits jede 3. Burgenländische Gemeinde Mitglied in einer Energiegenossenschaft
Aus Bioabfall wird Energie
Das technische Herzstück des Projekts ist eine neue 3a-Biogasanlage. Als Ausgangsmaterial dienen unter anderem Grasschnitt und aufbereitete Abfälle aus den Biotonnen der Stadt. Daraus wird direkt in einem Container Methan produziert, das anschließend in Strom und Wärme umgewandelt wird.
Nach Angaben des beteiligten Unternehmens waste2energy ist die Anlage für einen kontinuierlichen Betrieb konzipiert. Biogene Abfälle können damit unabhängig von Jahreszeit, Wetter oder Tageszeit verarbeitet werden. Gleichzeitig soll das Verfahren mit geringem Platzbedarf und nahezu ohne Geruchsemissionen auskommen.
Reststoffe werden zu Kompost
Mit der Energiegewinnung endet die Verwertung nicht. Auch die nach dem Prozess verbleibenden Reststoffe sollen weiterverwendet werden. Gemeinsam mit dem UDB werden sie laut Projektbeschreibung zu sortenreinem Kompost verarbeitet.
Damit entsteht ein Kreislauf innerhalb der Region: Grasschnitt und Biomüll werden zu Energie, der erzeugte Strom versorgt unter anderem die Stadtbusse, Wärme wird am Bauhof eingesetzt und getrockneter Strauch- und Baumschnitt für die Fernwärme genutzt. Am Ende des Verwertungsprozesses entsteht zusätzlich Kompost. Bürgermeister Thomas Steiner:
Teil des Klimafahrplans Eisenstadt 2040
Die neue Biogasanlage ist zugleich ein Baustein des Klimafahrplans Eisenstadt 2040. Dieser umfasst laut Stadt rund 40 Maßnahmen in den Bereichen Energie, Mobilität, Gebäude, Stadtentwicklung und Abfallwirtschaft. Eisenstadt wurde in diesem Zusammenhang als erste und bislang einzige Gemeinde des Burgenlandes als Pionierstadt ausgezeichnet.
Mit unserem Klimafahrplan haben wir den Weg zur Klimaneutralität vorgezeichnet, jetzt geht es darum, diesen konsequent umzusetzen. Die neue Biogasanlage zeigt sehr konkret, was wir darunter verstehen: Wir machen aus Reststoffen unserer Stadt wertvolle Energie, nutzen diese direkt für unsere kommunale Infrastruktur und schaffen damit einen Kreislauf, der ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll ist.
Mit der Energiezelle am Bauhof werden nun mehrere Bereiche miteinander verknüpft: erneuerbare Energieerzeugung, Speicherung, Elektromobilität und die Verwertung biogener Abfälle. Biogas soll dabei die Photovoltaik ergänzen, da die Energieproduktion nicht von Sonneneinstrahlung, Wetter oder Tageszeit abhängig ist.