Technikland Vorarlberg: Potenzialentfalter

Weekend: Ihr Einsatz für die Jugend?
Udo Filzmaier:
Das Feld der Bildung ist breit, ich kümmere mich hauptsächlich um die Schulen und kämpfe weiter für die Digitalisierung und Integration der Informatik in den Schulkonzepten. Corona hat hier einen Schub geleistet: Letztes Jahr wurden noch Digitalisierungskurse wegen zu geringer Teilnehmerzahl abgesagt, mittlerweile haben wir 1000 Lehrer auf digitale Medien geschult. Auch die Regierung weiss, wie wichtig das digitale Schulbuch – der Laptop – ist und finanziert ihn mit.

Weekend: Was reizte sie am neuen Ehrenamt?     
Martin Saler:
Als ehemaliger Anlagenelektrikerlehrling ist es mir eine Herzensangelegenheit, jungen Menschen eine Perspektive mit einer Lehre zu eröffnen. Gerade in Zeiten des Facharbeiterbedarfs, können wir nicht genug Augenmerk auf die Ausbildung kompetenter zukünftiger Mitarbeiter legen. Mit 133 Lehrlingen ist Liebherr vorarlbergweit einer der größten Lehrlingsausbildner, darauf sind wir sehr stolz.“

Weekend: Hat Corona Auswirkungen auf die Lehrlingszahlen?     
U. Filzmaier:
Wir haben in der S.I.E Group heuer gleichviel Lehrlinge eingestellt.
M.Saler: Der Lockdown erschwerte Schnuppertage und Auswahlprozesse, dennoch hat die Industrie dieses Jahr normal viel Lehrlinge eingestellt. Der „Technikland Lehrlingsbonus+ 2020“ der V.E.M. unterstützt finanziell Gewerbe- und Handwerkbetriebe für die Einstellung von zusätzlichen Lehrlingen für das Jahr 2020/ 2021. Der Lehrlingsball findet nicht statt, aber die 80 ausgezeichneten AbsolventInnen werden separat mit dem Industrieaward geehrt.

Weekend: Welche Herausforderungen stehen an?     
U.Filzmaier:
Die größte Herausforderung ist und bleibt die Wertigkeit der Lehre. Ein gemeinsames Lehrlings- und Bildungsprojekt soll dem Rechnung tragen. Wir planen die Lehrlinge für drei Wochen im Jahr an die Technische Universität Wien zu bringen, wo sie mit dem technischen Forschungsteeam arbeiten können. Damit sehen die Eltern, dass ihr Nachwuchs auch mit einer Lehre bis an die Universität kommt.
M. Saler: Es gilt Inhalte von Lehrberufen anzupassen und neue Berufsbilder zu kreieren. Die Attraktivität der Lehre hat u.a. auch mit dem Naming zu tun, wenn man bedenkt wie sich die Berufsbilder wandeln. Bei Liebherr bieten wir z.B. den neuen Lehrberuf ApplikationsentwicklerIn an.

Weekend: Ihre Ziele abschließend zusammengefasst?     
U. Filzmaier:
Wichtig ist, den Drive des Frühjahrs aufrechtzuhalten und die gute Zusammenarbeit mit Bildungsdirektion, Pädagogischer Hochschule, WKV, Land und Schulen weiterzuführen um international wettbewerbsfähig zu sein und wirklich die chancenreichste Region für Kinder und Jugendliche zu werden. Wir als Technikland Vorarlberg unterstützen hier gerne.
M.Saler: Die Krise zeigt, dass wir trotzdem gute Erfolge in den Abschlüssen und Leistungswettbewerben hatten. Ausbildung schützt vor Arbeitslosigkeit – Handwerk und Industrie wären ohne Lehre gar nicht möglich. Unsere Topausbildung ist nachhaltig und wir werden diesen Standard als Technikland Vorarlberg gemeinsam halten und ausbauen.

    Zu den Personen:

    Udo Filzmaier

    • Eigentümer S.I.E Holding AG
    • Jahrgang 1971, Lustenau
    • Familienstand: verheiratet, zwei Kinder
    • Werdegang: Lehre bei Julius Blum. Betriebselektriker und Steuerungstechniker;
    • 1994 Gründung S.I.E in Lustenau, Spartenobmann-Stv. der Vorarlberger Industrie in der WKV, Inhaber und Vorstand der S.I.E. Group, ehrenamtlicher Bildungssprecher der Vorarlberger Industrie.
    • Hobbies: Enduro- und Skifahren

    Martin Saler

    • Managing Director Liebherr
    • Jahrgang 1978, Koblach
    • Familienstand: verheiratet, zwei Kinder
    • Werdegang: Anlagenelektriker, HTL, Software Engineering, FH, V-Search, seit 2010 bei Liebherr,
    • seit 2019 in der Geschäftsführung, ehrenamtlicher Lehrlingssprecher der Vorarlberger Industrie.
    • Hobbies: Musik, Skifahren, Radfahren
    Autor: Claudia Weiss, 27.10.2020