Sennmeisterin Katharina Fechtig

Weekend: Warum sind so wenige Frauen Sennerin?
Kathi Fechtig:
Inzwischen werden es immer mehr. Früher war das ein körperlich sehr anstrengender Beruf. Das Butterfass ist mittlerweile elektrisch, auch die Kühe werden nicht mehr von Hand gemolken, Wasch- und Geschirrspülmaschine entlasten den Alp-
haushalt. Ich stamme aus einer landwirtschaftlichen Familie und bin mit vier Jahren das erste Mal im Lecknertal auf eine Alpe gegangen. Mein Alptag startet um vier Uhr früh. In der Sennerei wird die Abendmilch aus dem Kühltank abgerahmt und zu Butter verarbeitet. Die Milch wird eingelabt und der Käse produziert. Nach Käseherstellung, Reinigung, Tierfütterung, Ausmisten, Kochen und Kinderversorgen ist um 19.30 Uhr Feierabend. Nach dem gemeinsamen Essen sitzen wir noch zusammen und spielen.

Weekend: Wer entlastet Dich bei diesem Pensum?
Kathi Fechtig:
Natürlich mein Partner, zudem haben wir Praktikanten oder jemanden aus der Familie sowie Kleinhirten – die sogenannten Pfister - die ihre Ferien hier verbringen und tüchtig mithelfen. Es bleibt neben dem Sennen noch sehr viel zu tun, wie das Versorgen der Tiere, das Tobias übernimmt, mir bleibt aber auch das Kochen. Gegessen wird Riebel manchmal schon zum Frühstück, Mittags Salat, vieles mit Käse. Einkaufen findet alle zwei Wochen statt. Manchmal bringt man mir vom Tal etwas mit. Unsere Alpsauen werden mit Molke und dem was vom Käse übrigbleibt gefüttert. Hie und da kommen Wanderer. Wenn noch Zeit ist stelle ich Kräuteröle oder -salze her.

Weekend: Alpromantik gepaart mit Arbeit?     
Kathi Fechtig:
Wir leben hier mit 39 Kühen, 20 Alpschweinen, 5 Hühnern, mehreren Geißen und Eseln, einem Pony, drei Norikern und Bordercollie Benny. Die Alpe selbst gehört einer Gemeinschaft von Schwarzenberger Bauern. Der Alpsommer dauert 100 Tage und ist intensiv und schön zugleich. Im Frühling freue ich mich aufs Raufkommen, im Herbst gehe ich auch gerne wieder heim. Es ist mein Traumjob, auch wenn sich der Verdienst wenig rechnet. Man ist seine eigene Chefin und die Landschaft hier heroben ist umwerfend. Selbst den Regen lieben wir - er ist überlebenswichtig für uns, sonst geht uns das Wasser im Reservoir aus. Im ersten Alpjahr kam kein Wasser mehr aus dem Wasserhahn! Den Klimawandel spüren wir hier unmittelbar.

Weekend: Ist der Wert regionaler Lebensmittel gestiegen?     
Kathi Fechtig:
Zu wenig! Aus Gewohnheit greifen viele Konsumenten zu anderen Produkten. In der Coronazeit wurde viel Milch weggeschüttet. Wir haben das Problem nicht, wir verarbeiten die Milch zu Käse und verkaufen sowohl direkt sowie an die Firma Rupp. Generell wünsche ich mir mehr Respekt vor dem Tier. Die Leistung steht bei uns nicht an erster Stelle, eine Kuh soll keine Maschine sein, sondern ein Tier. Eine moderne Kuh, die unterm Jahr Kraftfutter bekommt, jammert abends, weil sie von der Wiese nicht satt wird. Wir produzieren Heumilchkäse – ohne Silofutter oder Gärfuttermittel und sind Mitglied der Käsestraße. Es ist wichtig zusammenzuhalten und die Direktvermarktung zu stärken. Gerne darf man den Käse auch bei uns auf der Alpe kaufen.

Sennerin und Molkereifachfrau Katharina Fechtig

Zur Person: Katharina Fechtig

  • Sennerin/Molkereifachfrau
  • Jahrgang 1993
  • lebt in Partnerschaft
  • Kinder Jakob (4) und Rosa (1)
  • Werdegang: Pflichtschule, Tischlerlehre, Gastronomietätigkeit, Landwirtschaftsschule, Molkereifachfrau mit Sennereiausbildung in Rotholz, Praktikum in der Alpe Mittelargen.
  • Seit 2014 mit Tobias Flatz Pächterin der Alpe Unterhirschberg (1385 Meter Seehöhe in Bizau)
  • Hobbies: Fotografieren, Kranzen, Kleinlandwirtschaft mit Pferd, Eseln, Geißen
Autor: Claudia Weiss , 28.07.2020