Mobilitätsstratege Stefan Hartmann

Weekend: Das Elektroauto ist mittlerweile den Kinderschuhen entwachsen. Wo stehen wir denn in der Evolutionsphase dieser Mobilitätsform?
Stefan Hartmann: Das Thema ist in der Bevölkerung bereits angekommen. Die Zulassungszahlen für E-PKW steigen seit Monaten stark an. So ist heute bereits jedes 10. angemeldete Auto elektrisch. Auch wenn man es nicht glauben mag, aber die E-Mobilität steht in ihrer Markthochlaufphase immer noch am Anfang.

Weekend: Ein großes Thema bei der Elektromobilität ist immer die Infrastruktur – kann diese mit den Entwicklungsschritten der Fahrzeuge mithalten?
Stefan Hartmann:
In 90 Prozent der Fälle wird zu Hause, am Arbeitsplatz oder im Unternehmen geladen. Deshalb wird es wichtig sein, dass es vor allem dort geeignete Lademöglichkeiten gibt. Auch entlang von Autobahnen, beim Einkaufen und bei Ausflugszielen sind wichtige Standorte, die erschlossen gehören. Eine geeignete Ladeinfrastruktur für Elektroautos wird eine Grundvoraussetzung sein, damit sich die Elektromobilität durchsetzen wird.

Weekend: Stichwort Alltags- tauglichkeit – was unterscheidet den Mobilitätsalltag eines E-Auto-Fahrers von jenem, der einen Verbrenner fährt?
Stefan Hartmann:
Hierzu kann man sagen, dass wenn man ein Elektroauto mit Ökostrom lädt, man nachhaltig unterwegs ist. Zudem haben Elektroautos heute Reichweiten um die 300 km, wodurch sie heute mehr als alltagstauglich sind. Darüber hinaus sind sie leise und überzeugen mit ihrem angenehmen Fahrverhalten. Außerdem sind E-PKW im laufenden Betrieb günstiger als Verbrenner.

Weekend: Sie sind ja auch selbst begeisterter E-Mobilist. Welche Vorurteile haben sich am längsten gehalten, ehe Sie selbst umgestiegen sind?
Stefan Hartmann:
Für mich waren damals die Themen Reichweite und Laden die Unsicherheitsfaktoren. Damals hatte ich keine Möglichkeit, mein Elektroauto zu Hause aufzuladen. Ich war somit auf Ladestationen bei der Arbeit und im öffentlichen Raum angewiesen. Heute besitze ich eine Ladestation bei mir in der Wohnanlage und kann sogar bei der Arbeit mein Auto aufladen. Außerdem hat mein Elektroauto heute eine Reichweite von bis zu 300 km, wodurch sich das Thema Reichweite ebenfalls erledigt hat.

Weekend: In der vkw Mobilitätszentrale bieten Sie unabhängige Beratung für alle Themen rund um die Elektromobilität. Wie sieht das Leistungsspektrum aus?
Stefan Hartmann:
Ein spezieller Fokus liegt hier natürlich auf dem Thema Laden von Elektroautos und Förderungen. Außerdem haben wir bereits ein breites Spektrum an Ladelösungen für unsere Kunden entwickelt, damit diese unkompliziert und einfach ihre Elektroautos aufladen können. Wir begleiten die Interessenten somit beim Umstieg auf die E-Mobilität.

Weekend: Wie geht es mit dem Elektroauto weiter? Wohin führt die Reise in den nächsten fünf Jahren?
Stefan Hartmann:
In den nächsten Jahren werden wir von praktisch allen Autobauern zig neue Automodelle kaufen können. Die Preise für die Fahrzeuge sinken bereits heute und durch die angebotenen Förderungen wird das E-Auto auch wirtschaftlich immer attraktiver. Elektroautos werden sich somit immer stärker in unserem Alltag wiederfinden.

5 Fakten zur-Mobilität

  • Es gibt in Vorarlberg bereits über 3.000 E-PKW
  • Jeder 10. zugelassene PKW ist elektrisch
  • Vorarlberg ist Spitzenreiter bei den Neuzulassungen von Elektroautos in Österreich
  • Derzeit kann man über 25 E-Automodelle bestellen
  • Vorarlberg hat eines der dichtesten Netze an öffentlichen Ladestationen in Europa

Zur Person: Stefan Hartmann

  • E-Mobilitätsmanager
  • 36 Jahre
  • Wohnort: Koblach
  • Fährt einen: Renault Zoe (elektrisch unterwegs seit acht Jahren)
Autor: Weekend Magazin Vorarlberg, 14.04.2021