Kulturbotschafterin Verena Brunner-Loss

Weekend: Die Vorfreude auf den 21. Juli ist groß?
Verena Brunner-Loss: S
ehr! Die Festspiele setzen nach eineinhalb schwierigen Jahren ein starkes Zeichen, dass Kultur wieder da ist. Das Festival steht für das Feiern des Lebens – unter den gegebenen Voraussetzungen und mit der gebotenen Vorsicht. 3 G wird uns noch länger begleiten, aber es ist immerhin möglich, Kultur durchzuführen. Der See bietet uns mit der großartigen Rigoletto-Inszenierung ein beeindruckendes Spektakel. Mich persönlich fasziniert das gesamte Programm mit seinen fantastischen, feinen, beglückenden und erfüllenden Programmperlen – inklusive der Opern „Nero“ oder „Wind“ bis zum Gegenentwurf zur großen Bühne – der Reihe „Musik und Poesie“. Die Intimität dieser Reihe und die überraschenden Blickwinkel, die durch Kammermusik und Literatur in verschiedenen Formen ermöglicht werden, liebe ich sehr.

Weekend: Sie sind über die Festspiele hinaus in weiteren Ehrenämtern tätig?     
Verena Brunner-Loss:
Ja, es war eine große Ehre, als man mich 2020 als Aufsichtsratsvorsitzende der Nationalbibliothek angefragt hat. Ich habe sofort zugesagt und bin die erste Vertreterin aus einem Bundesland sowie die erste Frau im Vorsitz. Mit großer Freude bin ich auch im Beirat für den österreichischen Gastland-Auftritt bei der Leipziger Buchmesse 2022/23 tätig. Leipzig ist mit meinem beruflichen Interesse stark verknüpft – je besser die österreichische Literatur in Leipzig verankert wird und Nachhall hat  - desto besser für unseren Buchhandel. Ich freue mich auch sehr über den Österreichischen Buchhandlungspreis 2021 für unsere Flaggschiff Buchhandlung am Leutbühel als eine der fünf besten österreichischen Buchhandlungen des Jahres!

Weekend: Wieviel kann man im Ehrenamt bewegen?     
Verena Brunner-Loss:
Man kann im Kleinen wie Großen viel bewegen. In der Nationalbibliothek verantworte ich als Aufsichtsorgan zahlreiche Entscheidungen mit und bin u.a. für Hearingkommissionen in Wien. Das schönste Ehrenamt sind jedoch die Bregenzer Festspiele mit dem hervorragenden Führungsduo in Intendanz und kaufmännischer Geschäftsführung. Im Präsidium obliegt mir das  Mitgestalten, der Transport von Inhalten und die Aufgabe, Botschafterin für die Festspiele im In- und im Ausland zu sein. Die Bregenzer Festspiele sind prägend für unsere Region und ein stark über die Grenzen hinauswirkendes Kulturerlebnis.

Weekend: Ihr Ausblick auf die nahe Zukunft?     
Verena Brunner-Loss:
Der diesjährige Sommer ist für uns sehr wichtig. Hoffen wir, dass uns das Wetter nicht im Stich lässt und wir uns für die künftigen Herausforderungen rüsten. Das Team ist gut aufgestellt, damit werden wir auch die großen Sanierungen – Stichwort Bühne und Tribüne und die Küchenverlegung im Festspielhaus – bewältigen. Klar geht es auch um große Summen, die es zu stemmen gilt. Stadt, Land und Bund sind zum Glück mit im Boot.  Inhaltlich sind wir ebenfalls exzellent in Planung – die Vorfreude auf den nächsten Sommer und „Madame Butterfly“ - die übrigens noch nie auf dem See zu sehen war – ist riesig! 

Zur Person: Mag. Verena Brunner-Loss
Unternehmerin und Festspiel-Vizepräsidentin

  • (Jg. 1968), verheiratet, drei Söhne.
  • Werdegang: Studium der Geschichte und Germanistik in Innsbruck, Unternehmerin, Aufenthalte in London, Stuttgart, Eintritt ins elterliche Unternehmen 1996
  • Vizepräsidentin der Festspiele, seit 2020 Vorsitzende des Aufsichtsrats der Nationalbibliothek, 2021 im Beirat Leipziger Buchmesse sowie stellvertretende Vorsitzende der Vorarlberger Volkswirtschaftlichen Gesellschaft.
  • Hobbies: Meine Ehrenämter
Autor: Weekend Magazin Vorarlberg, 14.07.2021